Was raubt mir den Atem?

Hagen. (Red.) Der hartnäckige Husten quält immer mehr, die Luft wird schon bei kleinsten Anstrengungen knapp – und dann noch der zähe Auswurf. Die Symptome sprechen scheinbar eindeutig für eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung, kurz: COPD, früher gerne auch Raucherlunge genannt. Doch auf den zweiten Blick stellen sich Zweifel ein. Zum einen hat der Patient nie geraucht oder die übliche COPD-Therapie schlägt einfach nicht richtig an.

Ein Test liefert die Gewissheit: Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung namens Alpha-1-Antitripsin-Mangel – und die erfordert eine ganz andere Behandlung als eine COPD. Warum die Lungenerkrankungen so ähnlich sind, wie man sie unterscheidet und behandelt – dazu informieren Lungenfachärzte am Wochenkurier-Lesertelefon anlässlich des Deutschen Lungentags 2015.

Verwechslungsgefahr

Allein in Deutschland waren 2010 rund 6,8 Millionen COPD-Erkrankungen zu verzeichnen. Bis zum Jahr 2030 wird mit einem Anstieg auf 7,9 Millionen Betroffene gerechnet. Demgegenüber stehen geschätzt 16.000 Menschen mit einer schweren Alpha-1-Erkrankung. Die Folge: Selbst Experten diagnostizieren fälschlicherweise eine COPD.

Dabei gibt es erste Hinweise, die Betroffene und Ärzte hellhörig machen sollten, beispielsweise wenn der vermeintliche COPD-Patient nie oder sehr selten geraucht hat oder sein Zustand sich trotz bestehender COPD-Therapie nicht verbessert. Endgültige Klarheit liefert ein Bluttest, den der Haus- oder Facharzt durchführen kann.

Fehldiagnose mit Folgen

Hauptursache der COPD ist das Zigarettenrauchen oder Passiv-Rauchen, das zu einer chronischen Bronchitis in Verbindung mit einem Lungenemphysem führen kann. Bei Alpha-1 hingegen wird ein Eiweiß namens Alpha-1-Antitrypsin wegen eines Gendefekts nicht in ausreichender Menge gebildet. Dieses Eiweiß sorgt in der Lunge normalerweise dafür, dass ein Enzym gehemmt wird, das Krankheitserreger und Fremdstoffe bekämpft. Wird das Enzym nicht gehemmt, greift es die Wände der Lungenbläschen an und zerstört sie.

In der Folge verliert die Lunge an Elastizität, sie überbläht und kann den Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgen. Zwar ist Alpha-1 nicht heilbar, doch das fehlende Eiweiß kann von außen zugeführt und das Fortschreiten der Krankheit so zumindest gebremst werden. Fehlt dieser Therapiebaustein, weil ausschließlich nach den Richtlinien zur Behandlung einer COPD verfahren wird, kann die eigentliche Ursache der Erkrankung nicht behandelt werden und sie schreitet weiter voran.

Leser fragen, Experten antworten

An wen wende ich mich, um meine COPD-Diagnose absichern zu lassen? Wer sollte einen Alpha-1-Test machen lassen und wie funktioniert er? Wird Alpha-1 vererbt? Welche Prognose habe ich mit der Diagnose Alpha-1? Wie sieht die Therapie einer Alpha-1-Erkrankung aus? Antworten auf diese und alle anderen Fragen zu Alpha-1 und COPD gibt es bei den Experten am Lesertelefon:

Prof. Dr. Dirk Skowasch, Facharzt für Innere Medizin, Leiter der Sektion Pneumologie am Universitätsklinikum Bonn, Leitung Alpha-1-Center Bonn;Dr. Verena Knipel, Fachärztin für Innere Medizin, Ärztin der Lungenklinik am Klinikum Köln-Merheim; Dr. Clemens Kelbel, Facharzt für Innere Medizin, Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Intensivmedizin und Schlafmedizin am Knappschaftskrankenhaus Dortmund.

Rufen Sie an! Am Donnerstag, 17. September 2015, zwischen 11 und 16 Uhr.
Der Anruf unter Tel. 0800 – 0604000 ist gebührenfrei.