Was wird mit uns in Hagen?

Hagen. „Was wird aus Hagen? Frauen fragen“ – unter dieser Überschrift veranstalteten die Hagener Gewerkschaftsfrauen am Internationalen Frauentag die erste alternative Ratssitzung.

Hundertprozentige Frauenbesetzung

Auch wenn viel über Gleichberechtigung von Frauen und Männern geredet wird, ist und bleibt die gesellschaftliche, politische und betriebliche Durchsetzung eine Mammutaufgabe. Ein Beispiel dafür ist der Hagener Rat, dessen Frauenanteil unter 25 Prozent liegt. Am 8. März allerdings fand im Rathaus die Ratssitzung mit hundertprozentiger Frauenbesetzung statt. Die stellvertretende DGB-Stadtverbandsvorsitzende Ruth Schäfer eröffnete die Sitzung und verwies mit einem „Yes we can“ auf die oft ungenutzten Potenziale der Frauen.

Danach durfte der Oberbürgermeister Erik O. Schulz als einziger Mann ans Mikro. Er ermutigte die Frauen, ihren Kampf um die Gleichberechtigung weiter fortzusetzen. „Das Wahlrecht (1919), die eigenständige Kontoführung (1969), die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne Erlaubnis des Ehemannes (1957) und die Erlangung der Führerscheinerlaubnis (1958) habt ihr schon, aber die Führungspositionen in Politik und Wirtschaft werden wir Männer nicht freiwillig hergeben.“

Der fast tagesaktuelle Beschluss des Bundestages zur 30-prozentigen Frauenbesetzung in den Vorständen der DAX-Unternehmen ist ein zaghafter Einstieg in die männlich dominierten Positionen. Doch die Frauen wollen mehr. Keine möchte als „Quotenfrau“ die Karriereleiter erklimmen, aber alle waren sich in der Abstimmung einig, dass die Erfahrung der letzten Jahre zeigt: „Ohne Quote geht es nicht! Trotz besserer Abschlüsse der Mädchen und Frauen bekommen immer Hans und Helmut vor der Hilde den Posten.“ Im Anschluss diskutierten die Frauen aus Betrieben, Gewerkschaften, Politik und Netzwerken über eine qualitative Quartiersentwicklung.

Maxilohn gefordert

Den Abschluss in dieser kurzweiligen und straff gehaltenen Ratssitzung bildete die Debatte um einen „Maxilohn“. Auch an diesem Punkt entzündete sich eine differenzierte Diskussion um Lohn- und Verteilungsungerechtigkeiten, die auf diesem Wege nicht beseitigt werden. Dabei stand weniger eine Neiddebatte im Vordergrund, sondern eher die Erkenntnis, dass ein Einkommen in Millionenhöhe im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten niemand wirklich verdient. Nach dem Mindestlohn, der eine schwache Grenze nach unten bildet, braucht es auch eine Grenze nach oben, wohlwissend, dass damit die Gewinne der Vermögenden gar nicht berührt werden und es deshalb einer anderen Besteuerung bedarf, die die Vorausetzung für ein Mehr an sozialer Gerechtigkeit ist.