Waschbär & Co. auf dem Vormarsch

Bernd Rauer (l.) und Michael Knaup vom Forstbetriebsbezirk Süd am Kurk erleben, dass auch das heimische Eichhörnchen immer stadtnähere Räume erobert. (Foto: Schievelbusch)

Hagen. (san) Die einen wollen ihn schon beim Waldspaziergang gesichtet haben, andere ordneten das funkelnde Augenpaar aus dem nächtlichen Baum nicht der Katze zu und bei mindestens einem weiteren Hagener fand er sich schon futternd im Vogelhäuschen ein – der Waschbär ist da! Förster Michael Knaup vom Forstbezirk Süd und seine Mitarbeiter mutmaßen gar, dass der Waschbär in Hagen und Umgebung revierdeckend vertreten ist – und das nicht erst seit gestern.

Selbst gesehen habe er nur den einen, den seine Hunde aufspürten, so Knaup, aber seine eindeutigen Spuren sind vielerorts zu finden. Bereits vor rund 20 Jahren hat auch der städtische Forstwirt Bernd Rauer erstmals in unseren Wäldern den possierlichen, aus Nordamerika stammenden Kleinbären entdeckt. Vor einiger Zeit stieß er gar auf Jungtiere in ihrem Unterschlupf.

Bedrohung der Artenvielfalt?

Jagd- und Naturschutzverbände schlagen bereits Alarm angesichts der gebietsfremden Tierarten, die zu uns unterwegs sind. Sie werden als “invasive Arten“ bezeichnet und stehen im Verdacht, die heimische Artenvielfalt zu bedrohen. Sie könnten als Konkurrenten um Lebensraum und Nahrung heimische Arten zurückdrängen, diese dezimieren oder gar neue Krankheiten übertragen. Aber genau weiß das noch niemand.

Auch die Nilgans gehört zu den “Eindringlingen“. Seit einiger Zeit schon ist sie an der Ennepetalsperre zu Hause, neben der heimischen Saatgans. Das mittlerweile um ein bis zwei Grad Celsius wärmere Klima und das gute Nahrungsangebot ließen die aus Afrika stammenden Vögel sesshaft werden.

Füttern unterlassen!

Grund zur gezielten Bejagung der “neuen Gäste“ sehen die Hagener Forstexperten für den hiesigen Raum zur Zeit jedoch noch nicht. Von den Zuständen in Kassel etwa, wo die Waschbären längst die innerstädtischen Dachböden für sich erobert und jegliche Scheu vor den Menschen verloren haben, sei Hagen noch weit entfernt. „Allerdings nur so lange, wie die Bevölkerung mitspielt und strikt das Füttern lässt!“, warnt Michael Knaup. Das gelte nicht nur für den Neubürger Waschbär, sondern für jegliche Wildtiere. Das auf der Terrasse bereitgestellte Fressen für die eigene Katze hat im Stadtgebiet auch schon so manchen Fuchs und Marder angezogen. „Eichhörnchen gibt es mitunter mehr am Stadtrand als mitten im Wald,“ weiß auch Bernd Rauer. Und noch ist das englische graue Eichhorn, ebenfalls eine invasive Art, noch gar nicht im Revier angekommen. Dieses gilt als aggressiver als das unsrige.

Auf waldnahen Grundstücken bleibt das Streuobst liegen und wird nur noch selten aufgesammelt und verarbeitet, Grasschnitt bleibt nach dem Mähen liegen – eine prima Brutstätte für schmackhafte Würmer – und der Kompost steht auch gleich am hinteren Gartentor zum Waldrand. Herzlich eingeladen fühlen sich das Wildschwein hier ebenso wie die anderen Waldtiere, muss das Futter doch nicht mühsam aufgespürt werden.

Beobachten statt bejagen

Die Waldfachleute vom Kurk sind sich einig, dass die Veränderungen in der heimischen Tier- und auch Pflanzenwelt (hier ist der Riesenbärenklau das bekannteste Beispiel invasiver Arten) stark und kritisch beäugt werden müssen. „Es darf aber nicht nur nach einem weiteren Betätigungsfeld für die Jagd Ausschau gehalten werden,“ betont der Hagener Förster, „das hatten wir vor vielen Jahren bereits. Fasane, Dam-, Sika- und Muffelwild sind nämlich auch keine heimischen Tiere –, aber begehrtes jagbares Wild.“

„Das Ozelot und andere Raubtiere haben schon vor langer Zeit den Rückzug angetreten, man weiß nicht in welcher Form Klimawandel und Globalisierung zukünftig Veränderungen schaffen. Aber man darf auch nicht von vorneherein mögliche Potentiale und Chancen ersticken,“ mahnt Forstwirt Rauer zur Gelassenheit. Die Verbreitungsgebiete unserer heimischen Arten verlagern sich durchaus im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Klimawandel nach Norden und die invasiven Arten treten gegebenenfalls an ihre Stelle.

Waschbär und Nilgans haben auch im Revier der Volmestadt ihre Lebensberechtigung – es ist an den Menschen, damit verantwortungsvoll umzugehen…