Wassereisenland voller Energie

Hagen. (Red./ME) Südwestfalen ist eine der stärksten und innovativsten Industrieregionen Deutschlands. Das hat Tradition: Sauerland und Siegerland blicken auf eine mehr als 3.000-jährige Gewerbe- und Industriegeschichte zurück. Seit dem 16. Jahrhundert wuchs die Region, die von Boele bis Siegen und von Schwelm bis Marsberg reicht, zu einer arbeitsteilig eng aufeinander abgestimmten Montanregion zusammen. Die meisten Gewerke hatten mit der Gewinnung und Weiterverarbeitung von Eisen zu tun und siedelten sich häufig in den Tälern an, um die Wasserkraft zu nutzen.

In den Tälern von Ennepe, Volme und Lenne standen sie früher zuhauf - die Schmieden. Hier wurden Nägel, Ketten oder andere Eisenprodukte fabriziert. Der Verein „Wassereisenland“ versucht, dieses industriekulturelle Erbe in Südwestfalen zu bewahren. (Foto: Michael Eckhoff)
In den Tälern von Ennepe, Volme und Lenne standen sie früher zuhauf – die Schmieden. Hier wurden Nägel, Ketten oder andere Eisenprodukte fabriziert. Der Verein „Wassereisenland“ versucht, dieses industriekulturelle Erbe in Südwestfalen zu bewahren. (Foto: Michael Eckhoff)

Industrie-Erbe erhalten

Heute zeugen weit über 400 Museen, Denkmäler und Hammergräben von der reichen industriellen Vergangenheit, großenteils organisiert im Verein „WasserEisenLand“ (WEL). Ziel des Vereins ist es, dass dieses Erbe erhalten bleibt und einem breiten Publikum zugänglich gemacht wird.

An mehr als 50 historischen Originalschauplätzen wie Eisenhütten, Drahtziehereien, Schmiedehämmern und Gießereien können Besucher plastisch die Ursprünge der heutigen Industrie erleben.

Hierfür sorgen vor Ort zahlreiche sehr engagierte, oft ehrenamtliche Fachleute. Angesprochen werden externe Tagesgäste, die die Region als interessantes touristisches Ziel erleben, sowie Besucher aus der Region Südwestfalen, denen hier deutlich wird, dass sie stolz auf die Vergangenheit und Zukunft ihrer Region als Industriestandort sein können. Eine besondere Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche, die in den „Fabrikskes“ die Faszination technischer Prozesse und Berufe erfahren können.

In den vergangenen Jahren konnte sich „WasserEisenLand“ als regionale Klammer systematisch gut aufstellen. Beispiele hierfür sind der Internetauftritt, Freizeitkarten sowie das neue Taschenbuch „Heiße Eisen – Technikerlebnisse im Sauerland und Siegerland“ mit touristischen Tipps.

Das Projekt „Eisenstraße Südwestfalen“ macht eine Handelsstraße erlebbar, die das ehemalige Siegener Bergbaugebiet schon vor über 500 Jahren eng mit der Kleineisenindustrie im Raum Hagen/Iserlohn verbunden hat.

Anerkennung

Der renommierte europäische Denkmalschutz-Verbund IEHC war bei einer Tagung im „WasserEisenLand“ fasziniert von der Quantität und Qualität der industriehistorischen Zeugen. Die europäische WEL-Dimension wird zudem seit einigen Jahren innerhalb der Europäischen Route der Industriekultur (ERIH) deutlich. Dort werden herausragende Objekte des Netzwerks zusammen mit exponierten Orten des Bergischen Landes als regionale Route „Täler der Industriekultur/ Industrial Valleys“ etabliert.

Ergänzung mit Ruhrgebiet

Für WEL ist das Anlass genug, weiter durchzustarten. Ganz oben auf der Tagesordnung steht eine Kooperation mit der „Route Industriekultur des Ruhrgebietes“, deren Strecken ja in den Ennepe-Ruhr-Kreis und nach Hagen hineinführen. Vor- und frühindustrielle Anfänge in Südwestfalen, hochindustrielle Giganten im Ruhrgebiet – die Partner ergänzen sich sehr gut.

Neben wechselseitiger Werbung ist beispielsweise eine terminliche und werbliche Koppelung des südwestfälischen Festivalverbundes „Live in den Fabrikskes“ und der „Extraschicht“ des Ruhrgebiets angedacht. Ein weiteres aktuelles Projekt ist die Aufwertung des viel genutzten Ruhrtalradweges durch die gezielte Präsentation optisch und technisch interessanter Wasserkraftanlagen.

Informationen erteilt bei der SIHK zu Hagen: Dr. Jens Ferber, Tel. 02331/ 390-272, ferber@hagen.ihk.de.