Weihnachtskrisen – Teil 2

Machtkämpfe, Stress und Streit müssen nicht sein über die Weihnachtstage. Lesen Sie im wk-„Weihnachtsknigge“, wie sich Konflikte unter dem Weihnachtsbaum vermeiden lassen. (Foto: portafrank, piqs.de)

Hagen. (nic) Wie schick muss ich mich zu Weihnachten machen? Bei wem verbringe ich die Festtage? Muss ein echter Tannenbaum her? Diesen und weiteren Fragen gehen wir in unserer wöchentlich erscheinenden wk-Serie „Weihnachtskrisen – und was ich besser beachten sollte…“ nach, um Krisen unter dem Baum zu vermeiden. Hierzu hat der wochenkurier verschiedene Menschen – mitunter auch aus dem öffentlichen Leben – im wk-Erscheinungsgebiet befragt.

Muss ein echter Tannenbaum her?

Einen Tannenbaum aufzustellen ist ein beliebter Weihnachtsbrauch, der sich im 19. Jahrhundert von Deutschland aus über die ganze Welt verbreitete. Auch heute noch ist der Tannenbaum für viele die perfekte Kulisse für die Weihnachtsgeschenke. Größtenteils gebührt der Nordmanntanne die Ehre, doch auch Fichten und andere Nadelbäume dürfen als Christbaum herhalten. So wünschte sich bereits Friedrich Schiller 1789, als er zu Weihnachten nach Weimar kam: „Ihr werdet mir hoffentlich einen grünen Baum im Zimmer aufrichten.“ Die Verwendung eines Christbaumes hat keinen historisch nachweisbaren Anfang. Sie findet ihren Ursprung in verschiedenen Kulturen. Doch manch einer bevorzugt auch die nadelfreie Plastikvariante.

„Einen Tannenbaum gibt es schon ganz, ganz lange im Hause Hilchenbach, schon als die Kinder klein waren. Wir verzichten lediglich darauf, wenn wir über die Weihnachtstage verreisen. Aber ein echter Baum muss es sein, mit echten Kerzen und selbstgebasteltem Schmuck und Weihnachtsbaumkugeln. Traditionell schmücken meine Frau und ich gemeinsam den Baum am Vorabend (23.12.). Nachdem die Kinder größer waren, durften sie beim Schmücken mithelfen. Anschließend wurde der Raum abgeschlossen und bis zur Bescherung nicht mehr betreten. (Norbert Hilchenbach, Intendant Theater Hagen)

Das Weihnachtsessen: Gänsebraten gegen Kartoffelsalat

Was kommt auf den Tisch zum Weihnachtsfest? Muss ein Vier-Gänge-Menü her, ziehe ich den aufwendig zubereiteten Festtagsbraten vor oder mache ich schnell Bockwürstchen mit Kartoffelsalat warm? Auch hier steht wieder der persönliche Geschmack und die Freude am Kochen im Vordergrund. Die einen bevorzugen Fisch, für andere wiederum darf es gerne ein wenig deftiger sein. In manchen Familien wird das gemeinsame Kochen zelebriert, andere möchten über Weihnachten eher wenig Zeit am Herd verbringen. Über ein außergewöhnliches Mahl hat sich jedoch noch niemand beschwert. Außer vielleicht der Nachwuchs, der lieber Spaghetti auf dem Teller gesehen hätte. Aber die Weihnachtsplätzchen werden es schon richten. Sollten Koch oder Köchin aber nur mit Widerwillen in der Küche stehen, dann wäre, um des lieben Friedens Willen, eine Alternative angebracht: Lieferservice kommen oder – einladen lassen!

„Seit Jahren gibt es bei uns Fleischwurst (mit Senf!) und Kartoffelsalat am Heiligen Abend. Es stellt sich höchstens die Frage: Mit Knoblauch oder ohne – je nachdem, ob wir später noch in die Kirche gehen. Wir haben uns ganz bewusst für dieses Essen entschieden, um keine zusätzliche Arbeit zu haben. Meine Frau und ich genießen lieber die weihnachtliche Atmosphäre. Schon in meiner Kindheit gab es zum Weihnachtsfest Fleischwurstkringel mit Kartoffelsalat – das war für die damalige Zeit schon etwas Besonderes. Wir waren zu viert, und der Fleischwurstkringel wurde in vier Teile geschnitten.“ (Karlheinz Gras, SGV Hagen)

Ganz gleich, ob auf der Weihnachts-Speisekarte erlesener Fisch oder hausgemachter Kartoffelsalat steht - selbstgebackene Weihnachtsplätzchen sind immer ein Genuss und eint die unterschiedlichen Geschmäcker (Foto: Nicole Stember)

Zu dir oder zu mir? Bei wem verbringe ich Weihnachten, wenn ich bereits eigene Kinder habe?

Weihnachten geht es zu Mama und Papa – das ist einfach so. Das Elternhaus ist häufig der Treffpunkt zum Heiligen Fest. Da gibt es leckeres Essen, der Baum ist geschmückt, und meistens ist auch mehr Platz vorhanden als in der eigenen Studentenbude. Doch spätestens wenn die Kinder eigene Kinder haben, stellt sich für viele die Frage: Zu euch – oder bei uns? Doch manche Großeltern beharren auf ihr Gewohnheitsrecht und sind nicht bereit, den Heiligen Abend außer Haus zu verbringen. Ein Organisationstalent muss auch derjenige sein, dessen Eltern getrennt leben. Da ist Fingerspitzengefühl gefragt.

„Heiligabend findet bei uns daheim statt, unser Sohn (18 Jahre) kommt und im Wechsel die Eltern und die Schwiegermama. Den 1. Weihnachtsfeiertag besuchen wir wiederum meine Eltern, da mein Papa an diesem Tag Geburtstag hat. Der Besuch bei der Schwiegermama fällt dann auf den 2. Weihnachtsfeiertag. So sind wir über Weihnachten immer ausgelastet, aber ich genieße die Zeit sehr, denn wer weiß, wie lange wir uns alle noch treffen können.“ (Anne Bödingmeier, Verlagsleitung wochenkurier Iserlohn)

Soll ich mich schick machen zum Weihnachtsfest?

Im Schlafanzug oder im kleinen Schwarzen zur Bescherung – wie kleide ich mich angemessen über die Feiertage? Zum Kirchgang schmeißen sich die meisten noch in Schale. Auch wenn sich Besuch angekündigt hat oder man selbst einer Einladung folgt, wird in vielen Familien auf eine entsprechende Kleiderwahl wert gelegt. Und zuhause, so ganz unter sich? Da sollte einzig und allein das Wohlgefühl bestimmen, wie schick ich sein will. Nachlässiger darf man sicherlich mit dem Nachwuchs sein, sofern dieser noch in den Windeln steckt. Denn einen Dreijährigen wird es kaum interessieren, ob das heißersehnte Feuerwehrauto im Schlafanzug oder in der Festtagskleidung ausgepackt wird (die spätestens beim Essen von oben bis unten bekleckert sein wird…).

„Weihnachten ist für mich das schönste Fest im Jahr, das verbinde ich mit schicker Kleidung – zu Heiligabend, wenn wir in die Kirche gehen, aber auch am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag, wenn ich meine Geschwister treffe. Meine Töchter, außer die jüngste, sehen das anders. Ich glaube, das ist auch eine Generationenfrage.“ (Ulrike Roguschak, Leitung Awo-Familienzentrum für Bildung und Lernen, Schwerte)