Welche Therapie bei welchem Schmerz?

Dr. Susanne Stehr-Zirngibl

Dr. Susanne Stehr-Zirngibl, Chefärztin der Hagener Klinik für Schmerzmedizin im St.-Johannes-Hospital. (Foto: KKH)

Hagen. (Red.) Maria Müller hat extreme Bauschmerzen. Vermutlich eine Blinddarmentzündung. Wegen akuter Schmerzen wird sie ins Krankenhaus eingeliefert.

Max Schmidt ist an Rheuma erkrankt. Er ist es gewohnt, dass ihm andauernd seine Knochen wehtun. Elisabeth Meyer leidet unter Rückenschmerzen. Immer wiederkehrend hat sie Probleme und ist dadurch in allen Lebensbereichen eingeschränkt. Maria Müller, Max Schmidt und Elisabeth Meyer teilen das gleiche Schicksal. Sie haben Schmerzen. Doch während Maria Müller an einem akuten Schmerz leidet, haben Max Schmidt und Elisabeth Meyer einen andauernden, also chronischen Schmerz. Nur was bedeutet das genau? Fühlen sich Schmerzen bei jedem gleich an und gibt es eine Paradelösung, um sie zu heilen?
Individuell abgestimmte Therapie
„Nein, jeder Schmerz ist anders und deswegen auch unterschiedlich therapierbar“, sagt Dr. Susanne Stehr-Zirngibl, Chefärztin der Hagener Klinik für Schmerzmedizin im St.-Johannes-Hospital. Genauer spricht sie von einer „multimodalen Schmerztherapie, basierend auf dem so genannten Bio-Psycho-Sozialen Modell“, das für jeden Patienten individuell einen eigenen Therapieansatz vorsieht. „Das Wichtigste ist, dass die Patienten lernen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Wir unterstützen sie dabei, in dem wir all ihren Ressourcen stärken“, sagt Stehr-Zirngibl.
Aktive Mitarbeit zwingend notwendig
Hilfreich sind dabei auch Verfahren wie TENS (Transkutane elektrische Nervenstimulation) und „Bio-Feedback“. Letzteres kommt besonders bei Patienten zum Einsatz, die mit starken Verspannungen oder Migräne zu kämpfen haben. „Mit Hilfe von Elektroden wird durch modernste Technik das Schmerzempfinden auf einen Bildschirm übertragen. So kann der Patient An- und Entspannung optisch wahrnehmen und an seiner persönlichen Therapie arbeiten“, sagt Susanne Stehr-Zirngibl. Progressive Muskelrelaxation nach Jakobson (PMR) und Achtsamkeitstraining bezieht sie ebenfalls mit ein.
Verschiedene Bausteine kombiniert
Am meisten Erfolg verspreche eine Behandlung, die unterschiedliche Bausteine in einer Therapie enthält, so die Medizinerin: „Ein effektives, aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel aus Physio-, Ergo und Psychotherapie, unterstützenden medikamentösen und nicht-medikamentösen Verfahren wie Elektrotherapie, Akupunktur und gegebenenfalls auch gezielte Blockaden und Infiltrationen bedeuten für den Patienten die bestmögliche Behandlung“, sagt Stehr-Zirngibl.
„Der Patient muss sich nur selbst immer aktiv beteiligen, alles andere macht wenig Sinn. Denn nur gemeinsam können wir nachhaltige Veränderungen erreichen.“