Weltmeister tankt neue Kraft

Ohne gelungene Abwehr gibt es keinen starken Angriff - Olaf Macheletts Sicherheit am Ball während der Faustball-WM verhalf dem Team zum Sieg. (Foto: Faustball-Liga)

Hagen. (san) Olaf Machelett hat sich Erholung und Ferien verdient – als frischgebackener Champion ist er just aus Wien zurück, wo der TSV-1860-Hagen-Spieler mit der Faustball-Nationalmannschaft die Weltmeisterschaft gewann. „So richtig realisiert habe ich den Titel noch gar nicht,“ sagt der 25-Jährige Abwehrspieler bescheiden. „Man fällt erst mal in ein Loch, gibt es doch kein Training mehr. Zudem ist das Team in alle Himmelsrichtungen verstreut und ich darf wegen einer Verletzung zur Zeit keinen Sport treiben.“ So muss sich der Faustballer erst einmal an die ruhigen Zeiten gewöhnen, hatte er die Wochen zuvor doch mindestens eine Fünf- bis Sechs-Tage-Woche zur Vorbereitung auf die WM in Wien.

Ausspannen

Kürzer treten möchte Machelett nun, Kräfte tanken, mehr Zeit für die Freundin haben: „sie musste ganz schön zurück stecken, auch wenn sie in Wien dabei war, aber ohne ihre Unterstützung wäre das alles auch nicht möglich,“ freut sich Olaf Machelett auf mehr Privatleben. Ein bisschen Zeit hat er noch, bevor die Schule wieder startet. Der Faustball-Profi ist nämlich angehender Berufsschullehrer. Nach seinem Meister als Gas-Wasser-Installateur absolvierte er in Gelsenkirchen sein Studium der Versorgungstechnik, wo er im Rahmen einer Dozententätigkeit Spaß an der Wissensvermittlung fand. Wirtschaftslehre und Politik studiert er wohl noch für die nächsten zwei Jahre bis zum Staatsexamen in Siegen, unterrichtet aber das Fach Versorgungstechnik bereits am Kolleg.

Aber das nächste sportliche Ziel hat er bereits im Auge: die Faustball-Europameisterschaft in Schweinfurt im August 2012. „Man muss immer wieder hart kämpfen. Deutschland hat den WM-Titel geholt, das bedeutet, dass es hier viele sehr gute und vor allem junge Spieler gibt, ich darf mich nicht auf den Lorbeeren ausruhen“, weiß Olaf Machelett, „ich würde schon auch gerne noch den WM-Titel beim nächsten Mal verteidigen.“

Zielstrebige Karriere

Kein Zweifel, dass der gebürtige Ennepetaler seine Faustballkarriere zielstrebig weiterbetreibt. In eine Faustball-Familie ’hineingeboren’ stand er bereits im Alter von sechs Jahren auf dem Feld, bzw. in der Halle. Bei dem volleyballähnlichen Mannschaftsspiel – fünf Spieler bilden ein Team – stehen sich die Gegner auf Halbfeldern gegenüber. Sie versuchen den Ball mit Arm oder Faust für den Kontrahenten unerreichbar in das andere Feld zu schlagen, einmal darf der Ball auf dem Boden aufschlagen.

Olaf Machelett freut sich nun nach anstrengenden Wochen auf Ausspannen und Ferien (Foto: san)

Nach einem Wechsel vom Erst-Verein MTV Milspe zum TSV 1860 Hagen ging es zunächst weiter zum TV Westfalia Hamm. Mit ihm errang Olaf Machelett sechs Erfolge als Deutscher Meister sowie zweimal den ersten Platz im Europapokal. Bei der Teilnahme an der Europameisterschaft 2008 gab es Bronze. Danach fand Machelett wieder zurück zum TSV 1860 nach Hagen. In allen Mannschaften hatte Olaf Machelett übrigens immer seinen älteren Bruder an seiner Seite, „wir sind da unzertrennlich“.

Großes Los

Obwohl immer zu den Lehrgängen von Bundestrainer Olaf Neuenfeld eingeladen, war er 2009 bei den “World Games“ in Taiwan entgegen seinen Hoffnungen außen vor. So zog er sich daraufhin ganz zurück aus der National-Ebene, Studium und Jobsuche rückten in den Vordergrund. Bis im November 2010 das Telefon bei ihm klingelte – der Bundestrainer fragte an, ob er bei der nächsten WM wieder dabei sein wolle! Keine Frage für Olaf Machelett, gleichwohl er wusste, dass er hart arbeiten muss. Er spielte zur Zeit in der 2. Liga und musste sich in einem Kader von 20 Talenten behaupten. Sein hartes Training zahlte sich am Ende aus, als Nummer 6 im Nationalteam stand mit ihm die sichere Abwehr. Leider, leider dann doch noch Pech: vor dem Halbfinale verknackste er sich den Fuß – beim Finale sah er nur zu. „Das war schon ganz schön bitter,“ gibt er zähneknirschend zu.

Aber Olaf Machelett, der neben dem Faustball als Hobbies „alles Sportliche“ angibt – Schwimmen, Badminton, Skilaufen, oder gar die Teilnahme am Berlin-Marathon – wird ganz bestimmt auch zukünftig “ganz oben“ bleiben.