Wenn Drogenabhängige älter werden

Hagen. (Red./ME) Der Mann – alle nennen ihn „Willi“ – hat kürzlich die 50 überschritten. Doch Willi hat kein normales Leben geführt. Er verfiel im Laufe der vergangenen 35 Jahre immer wieder irgendwelchen Drogen – von Marihuana bis Kokain.

Jetzt im fortgeschrittenen Alter hofft der Hagener – nach längerer Therapie – endlich clean werden zu können. Aber welche Perspektive hat Willi? Und wie kann er gefördert werden?
Genau um Fragen dieser Art ging es unlängst in Hagen: Vertreter aus fünf europäischen Ländern trafen sich, um älteren Drogenabhängigen einen neuen Weg aufzuzeigen. Es wurde intensiv argumentiert und diskutiert, um gemeinsame Lösungen zu entwickeln.

Aus fünf Ländern

Wie kann man langjährig drogenabhängige Menschen besser behandeln und beraten? Dies war eine der Fragen, bei denen Vertretern verschiedener Drogeneinrichtungen aus der Slowakei, Dänemark, Schweiz, Kroatien und Deutschland die Köpfe rauchten. Drei Tage lang beschäftigten sie sich – nun bereits zum zweiten Mal in Hagen – mit der Frage nach der richtigen Förderung von älteren abhängigen Menschen.

Der Projektkoordinator des von der EU finanzierten zweijährigen Projektes „OLDI“ („older drug addicts in progress“) ist die Hagener „Klinik Deerth“ in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt, Unterbezirk Hagen-Märkischer Kreis.

Das Phänomen von in die Jahre gekommenen Drogenabhängigen und den damit verbundenen Problemen ist allen Beteiligten sehr vertraut. Aber was kann man älteren Abhängigen als Zukunftsperspektive anbieten, wenn eine Berufstätigkeit aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht mehr möglich ist, stabile soziale Kontakte aufgrund einer meist langjährigen Abhängigkeit fehlen und eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bei vielen nur durch den Fernseher bedient wird?

So lauteten Fragen, mit denen sich die EU-Projektpartner auseinandersetzten. Trotz der sehr unterschiedlichen Voraussetzungen und Arbeitsbedingungen in den Partnerländern wird das Thema „Alter und Sucht“ von allen als Problem wahrgenommen.

Welche Stärken?

Extrem relevant ist für alle Fachleute, dass mit den betroffenen Menschen neue, altersangepasste Perspektiven erarbeitet werden und die Abhängigen frühzeitig in die neuen Ideen auf dem Weg zu einem erfüllteren Leben mit einbezogen werden.

Eine wesentliche Frage dabei ist: Welche Fähigkeiten und Stärken haben die einzelnen „OLDIs“? Auch wenn diese oft lange verschüttet waren, schlummern sie noch in den Betroffenen und sollen ganz individuell geweckt werden. Dieser Blickwinkel soll helfen, in Zukunft auch abhängigen Senioren einen Weg in eine drogenfreie und aktivere Zukunft zu geben. Eine fürwahr schwierige Materie.