„Wider das Vergessen“

Hagen. (saz) Die Novemberpogrome 1938, vielen Menschen unter dem Begriff „Reichskristallnacht“ bekannt, jähren sich am kommenden Montag, 9. November 2015, bereits zum 77. Mal. Es ist die Nacht, in der die Synagogen brannten. Die meisten Augenzeugen aus dieser Zeit sind mittlerweile verstorben und das Erinnern fällt schwer. Die Grausamkeiten, unter denen Juden unter dem nationalsozialistischen Regime zu leiden hatten, sind unvorstellbar.

Damit die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät, ist das jährliche Gedenken von äußerster Wichtigkeit. So auch im Abend-Programm „Wider das Vergessen“ mit dem Hagener Musik-Duo Peter Boenig und Horst Lappöhn am kommenden Montag um 20 Uhr im Tuba-Keller an der Hohenzollernstraße. Initiator der Veranstaltung ist Siegfried Papke, Vorsitzender der „Hagener Friedensmahnwache“.

Schicksale

Die Schicksale der Juden im Nationalsozialismus in ihrer Ganzheit zu erfassen, ist für uns heute beinahe unmöglich geworden, das weiß auch Lappöhn: „Deswegen scheinst es mir eine gute Idee zu sein, ein bis zwei Einzelschicksale herauszunehmen, sich mit ihnen zu beschäftigen und so zu einer Art Verständnis zu kommen.“ Einzelschicksale wie das des Vaters, der im KZ die Leiche seines dreijährigen Sohnes ins Feuer werfen muss. Oder jener Mutter, die ihren weinenden Säugling auf dem Arm ersticken muss, da sie sonst von NS-Soldaten entdeckt worden wäre.

Wichtige Quellen, die helfen können, die Gräuel des Holocaust verstehen zu können, sind Gedichte und Lieder, denn diese erzählen die Geschichte direkt aus Sicht der Betroffenen. In vielen Konzentrationslagern waren sie Trost, Nahrung und Hoffnung. Eine Ablenkung von dem grausamen Alltag. Eine Möglichkeit, das Erfahrene zu verarbeiten. „Einige der Gedichte hauen einen wirklich um“, erklärt Lappöhn, der sich lange mit Gedichten und Liedern aus der entsprechenden Zeit beschäftigt hat.

Programm

In „Wider das Vergessen“ präsentieren Lappöhn und Boenig Gedichte und Lieder aus „Ghetto, KZ und Widerstand“. Immer im Wechsel gibt es zuerst ein Lied gefolgt von drei Gedichten. Horst Lappöhn, der selber auch „Schauspieler-Jiddisch“ spricht, wird den Abend moderieren und beispielsweise bei den Gedichten erzählen, woher der Verfasser stammt.

„Das ist ein ganz anderer Abend als die, die wir sonst machen. Er ist einzigartig“, sagt Boenig. Die Hälfte der Stücke hatten die beiden Künstler schon früher in ihrem jiddischen Programm, jetzt haben sie es noch weiter ergänzt. Die Gedichte und Lieder aus der Vergangenheit sind zugleich ein Appell an die Menschlichkeit und Zivilcourage und ein Aufruf zum Frieden – was gerade in den heutigen Tagen wieder von äußerster Wichtigkeit ist.

Die beiden Musiker präsentieren ihr Programm am kommenden Montag, 9. November, um 20 Uhr im Tuba-Keller der „Spinne“, Hohenzollernstraße 10. Der Eintritt ist frei.