Wie halten es die Kandidaten mit dem Sport? Teil 2

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Hagen. (Red./ME) Der Stadtsportbund Hagen (SSB) hat den OB-Kandidaten und den Spitzenkandidaten der im Hagener Rat vertretenen Fraktionen fünf Fragen für den Bereich Sport zur Kommunalwahl 2014 gestellt. Heute folgt Teil 2:

  1. Wie beurteilen Sie die Notwendigkeit eines neuen Paktes mit dem Sport?
  2. Soll Sport zukünftig im Wesentlichen aus Konsolidierungssicht bemessen werden oder gibt es auch Qualitätsanreize?

OB-Kandidat Horst Wisotzki (SPD): Der vor Jahren aufgelegte Pakt für den Sport muss den heutigen Gegebenheiten angepasst werden. Die Inhalte müssen zusammen mit der großen Sportfamilie erarbeitet werden. Konsolidierungen und Qualitätsanreize schließen sich dabei nicht aus. Wenn eine Sportstätte geschlossen wird, weil sie den heutigen Anforderungen nicht mehr genügt, muss allerdings sichergestellt werden, dass Ersatz in wesentlich höherer Qualität geschaffen wird.

OB-Kandidat Erik O. Schulz: Der Pakt mit dem Sport hatte das Ziel, mehr Planungssicherheit bei den Vereinen zu schaffen, aber auch mehr Mitbestimmung der Vereine bei Entscheidungen über die Zukunft der Anlagen sicher zu stellen. Die Herausforderung, die Sportlandschaft auch künftig anzupassen, wird bestehen bleiben, unter anderem auch wegen der demografischen Entwicklung. Entscheidend ist, dass wir die Vereine bei anstehenden Entscheidungen aktiv beteiligen.

CDU: Bildung, Sport, Ehrenamt und Integration stehen bei uns ganz oben. In Sportvereinen bündeln sich all diese Elemente. Ein neuer Pakt für den Sport sollte die Anpassung der Sportlandschaft an die demographische Entwicklung zum Ziel haben. Gemeinsam mit den Vereinen sollte der SSB nach Lösungen suchen, um die Vereine vital und attraktiv für ihre und neue Mitglieder zu halten. Um die Qualität der Vereinsangebote dauerhaft zu erhalten und auszubauen, werden freiwillige Kooperationen oder Fusionen nötig werden. Wir betrachten den SSB als wertvolle Unterstützung insbesondere der kleinen Vereine auf diesem Weg. Dort, wo der SSB mit den Vereinen freiwillig die „demographische Dividende“ hebt, wollen wir als CDU sie den Vereinen zugute kommen lassen. Wir werden weiter darauf drängen, dass Verkaufserlöse aus aufgegebenen Sportanlagen größtenteils wieder in den Sport fließen.

Bündnis 90/Die Grünen: Eine wesentliche Aufgabe der kommunalen Sportpolitik ist es, den dringenden Sanierungsbedarf von Sporthallen /-plätzen zu meistern. Oberste Priorität hat für uns die Versorgung mit bedarfsgerechten Anlagen für den Schul- und Vereinssport. Die sportliche Infrastruktur in Hagen muss allerdings einer schrumpfenden Bevölkerung und gewandelten Freizeitbedürfnissen angepasst werden. Manche überalterte Sportanlage ist nur noch teuer zu sanieren und kann ggf. im Einzelfall aufgegeben werden. Es muss für ausreichend Hallen- und Platzzeiten für Schul-, insbesondere für Schulschwimmsport und die Vereine gesorgt werden. Ein neuer Pakt mit dem Sport muss vor diesem Hintergrund zunächst mit einer gesamtstädtischen Sportentwicklungsplanung vorbereitet werden.

FDP: Sport bietet eine vielfältige Abwechslung zum Alltag, schafft Perspektivwechsel und bereitet Freude. Er dient der eigenen Gesundheitsvorsorge und dem Austausch der Kulturen und vermittelt Werte wie Fairness, Akzeptanz von Regeln und Achtung des sportlichen Gegners. Wer Sport treibt, hat eine höhere Lebensqualität. Die FDP setzt sich daher für die Bereitstellung und Pflege vielfältiger Freizeit-, Sport- und Erholungseinrichtungen ein. Die in diesem Bereich ehrenamtlich Tätigen verdienen unser aller Respekt. Den ersten Pakt mit dem Sport haben wir sehr begrüßt. Er sollte in ständigem Dialog fortgeschrieben werden.

OB-Kandidat Ingo Hentschel (Linke): Grundsätzlich befürworte ich den Pakt mit dem Sport. Der SSB muss sich wieder stärker auf seine Rolle als Interessen-Vertreter der Vereine gegenüber der Stadt Hagen besinnen. Der Pakt für den Sport könnte sich dadurch auszeichnen, Fördermittel aus allen möglichen Töpfen zu erlangen, um den Vereinssport zu fördern. Die Übergabe der Sportstätten an Vereine muss so gestaltet werden, dass es wirtschaftlich verträglich bleibt. Was für einen großen Verein finanziell noch machbar ist, kann für einen kleinen Verein schon große Schwierigkeiten bedeuten und dass wo beide die gleiche und sehr wichtige Arbeit leisten.

OB-Kandidat Michael Eiche (AfD): Die Konsolidierungsmaßnahmen, die 2010 im Rahmen des Paktes mit der Stadt abgeschlossen worden sind, sollen – so lese ich – bis heute gar nicht vollständig umgesetzt sein. Grundsätzlich sehe ich einen Pakt dann als gut und richtig an, wenn ganz klar beide Seiten sich gleichberechtigt zusammensetzen und Ziele erarbeiten, die sinnvoll und machbar sind. Das bedeutet also, dass die Stadt nicht einfach am Schreibtisch Maßnahmen beschließt, die sich finanziell gegen den Sport richten, um diese Maßnahmen dann den Sportvereinen ohne Vorwarnung um die Ohren zu hauen. Natürlich kann Sport nicht nur aus Konsolidierungssicht betrachtet werden, denn im Sport müssen auch Qualitätsanreize geboten werden.

OB-Kandidat Dr. Josef Bücker (Hagen Aktiv) hat nicht speziell auf die Fragen geantwortet, sondern eine grundsätzliche Stellungnahme abgegeben. Hier ein weiterer Teil seiner Antwort: Konsolidierungszwänge, denen finanziell schwache Städte wie Hagen auf Jahre hinaus durch den sogenannten Stärkungspakt für NRW-Kommunen unterliegen, führen dazu, dass – scheinbar unvermeidlich – auch das so wichtige Feld der Vereinsförderung vernachlässigt wird. Aus Angst, ein Sparkommissar werde bestellt, der noch weitaus schmerzhaftere Einschnitte in die städtische Infrastruktur vornehmen wird.