Wie halten es die Kandidaten mit dem Sport?

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Hagen. (Red./ME) Der Stadtsportbund Hagen (SSB) hat den Oberbürgermeisterkandidaten und den Spitzenkandidaten der im Hagener Rat vertretenen Fraktionen fünf Fragen für den Bereich Sport zur Kommunalwahl 2014 gestellt. Gefragt wurden:

  1. Wie beurteilen Sie die derzeitige Vereinsförderung insgesamt sowie im Vergleich zu anderen Aufgabenfeldern und wie sollte diese in den nächsten Jahren aussehen?
  2. Wie beurteilen Sie die Notwendigkeit eines neuen Paktes mit dem Sport und welchen Inhalt sollte er haben? Soll Sport zukünftig im Wesentlichen aus Konsolidierungssicht bemessen werden oder gibt es auch Qualitätsanreize?
  3. Zur finanziellen Belastungen der Vereine: Wie geht es weiter? Schließen Sie Erhöhungen in den nächsten Jahren aus?
  4. Stichwort „demografischer Wandel“: Sind Sie bereit, einen Sportentwicklungsplan aufzulegen und die Erstellung auch zu finanzieren? Wo sehen Sie die Schwerpunkte?
  5. Wie beurteilen Sie die Weiterentwicklung des Servicezentrums Sport in Kooperation mit dem Stadtsportbund?

Da zwangsläufig relativ lange Antworten gegeben wurden, beschränkt sich der wochenkurier in der heutigen Ausgabe darauf, die Antworten auf Frage 1 zu schildern, die anderen Antworten folgen in den nächsten Ausgaben:

OB-Kandidat Horst Wisotzki (SPD): Die SPD hat durchgesetzt, dass Vereine mit eigenen Sportanlagen durch die Sportpauschale finanzielle Unterstützung erhalten haben und erhalten. Die Höhe der Fördermittel reicht allerdings in vielen Fällen immer noch nicht aus. Dabei scheitert es nicht an gutem Willen oder der Einsicht. Hagen ist eine Stadt mit einem Haushaltssicherungskonzept, das auch in den kommenden Jahren nicht viel Spielraum nach oben offen lässt. Die Förderung des Sports ist immer noch eine freiwillige Leistung. Im Vergleich zu anderen Aufgabenfeldern haben wir hier mit Blick auf weitere Sparmaßnahmen allerdings eine Linie erreicht, die nicht mehr weiter überschritten werden darf. Denn die Förderung des Sports in Hagen – gleichzeitig als Integrationsförderung bewertet -, gehört zu den wichtigsten Aufgabenfeldern. Daher steht der Sport mit all seinen Facetten auf der Prioritätenliste der SPD und ihres OB-Kandidaten ganz oben auf der Prioritätenliste.

OB-Kandidat Erik O. Schulz: Die Sportvereine machen mit über 40.000 Mitgliedern den größten ehrenamtlichen Bereich in Hagen aus und leisten viel für den sozialen Zusammenhalt in der Stadt. Insgesamt ist die Vereinsförderung im Sport vor dem Hintergrund der äußerst angespannten Haushaltslage der Stadt zwar nicht üppig, aber noch akzeptabel. Ich begrüße es, dass mittlerweile die Mittel der Sportpauschale für die Vereine mit vereinseigenen Anlagen gerechter verteilt werden.

CDU: Die CDU-Ratsfraktion hat in den vergangenen 15 Jahren mit mehreren Sanierungsprogrammen die Sportstätten des Spitzen- und Breitensports wieder zukunftsfähig gemacht. Die Sanierung der Rundturnhallen, der Neubau der Sporthalle in Emst und die Kunstrasenplätze in allen Stadtbezirken sind nur kleine Beispiele dafür. Dieses Programm setzen wir kontinuierlich fort. Davon profitiert die Hagener Vereinslandschaft ganz erheblich. Mit dem Einsatz von Mitteln aus der Sportpauschale in Höhe von 70.000 Euro stärken wir Vereine mit eigenen Anlagen und deren ehrenamtliches Engagement zusätzlich. Auch an dieser Praxis wollen wir weiterhin festhalten. Sollte das Land die dringend erforderliche Erhöhung der Sportpauschale endlich beschließen, könnten wir diese Zuwendung noch aufstocken.

Bündnis 90/Die Grünen: Die Vereinsförderung steht in Hagens prekärer Finanzlage regelmäßig unter dem Haushaltsvorbehalt. Das ist bedauerlich, aber vor Ort kaum zu ändern. Dabei kommen die Sportvereine zur Zeit noch besser weg als andere ehrenamtliche Vereine: Denn durch die Sportpauschale besteht noch die Möglichkeit, zweckgebundene Mittel für die Investitionstätigkeit bereit zu stellen – immerhin jedes Jahr im mindestens sechsstelligen Bereich. Wenn man weiß, dass Hagen sich schon in den ersten Konsolidierungsrunden zu Anfang der 2000er Jahre aus verschiedenen Vereinsförderungen und -mitgliedschaften in unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern von Kultur und Bildung verabschieden musste, ist die Situation des Sports im Vergleich noch erträglich. Diese pauschale Feststellung wird aber sicher nicht jedem Einzelfall gerecht und kann überdies nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Volumen insgesamt zu niedrig ausfällt. Besonders schmerzhaft ist dabei sicherlich, dass Zuschüsse in den laufenden Betrieb unter den Bedingungen des Nothaushaltsrechts nahezu unmöglich sind. In der Vergangenheit konnte für Manches noch die mittlerweile weggefallene Sparkassenspende bemüht werden. Zukünftig ist abzusehen, dass sich städtisches Engagement verstärkt auf Hilfe zum Fundraising bei anderen gesellschaftlichen Akteuren beschränken muss. Mehr wäre schön, aber seriös versprechen kann das niemand.

FDP: Auf Grund seiner Schuldenlast ist Hagen schon jetzt seiner Selbstbestimmung an vielen Stellen beraubt. Im Rahmen der Diskussion um den Haushaltssanierungsplan hat die Bezirksregierung (SPD) auch den Sport ins Visier genommen und dargestellt, wie andere Kommunen durch eine Sportstättennutzungsgebühr Gelder requirieren. Den Vorstellungen der Bezirksregierung sind wir nur zu einem Drittel gefolgt. Deshalb muss die Haushaltssanierung absolute Priorität haben, damit wir später selbst bestimmen können, wofür wir unser Geld ausgeben und wie wir unsere Stadt gestalten.

OB-Kandidat Ingo Hentschel (Linke): Die Vereinsförderung insgesamt betrachte ich als unausgewogen. Dem Sport, und hier liegt für mich der Schwerpunkt ganz klar beim Breitensport, wird nicht die Gewichtung beigemessen, die notwendig ist. Der Sport entwickelte sich immer mehr zu einem wichtigen Baustein in der Entwicklung unserer Kinder. Der Schulsport allein kann diese Aufgabe nicht stemmen, was dem Breitensport in Vereinen eine völlig neue Gewichtung zuweist. Vereinssport und der Sport der Offenen Ganztagsschule müssen daher stärker kooperieren, um seinen gesellschaftlichen Auftrag weiterhin erfüllen und auch einen geordneten Spielbetrieb in den Vereinen aufrechterhalten zu können.

OB-Kandidat Michael Eiche (AfD): Bewegung ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Wer sich nicht ausreichend bewegt, wird krank. Ich bin passives Mitglied bei Fichte Hagen, um meinen Beitrag zu leisten und bewege mich ständig in der Natur. Darüber hinaus wirkt Sport integrativ. Gerade im Hinblick auf Hagen mit seinem hohen Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund muss die Sportförderung ausgebaut werden, denn sie spart unterm Strich an anderer Stelle Kosten – z.B. bei der Gesundheit und den Integrationskosten für Sprachförderung. Der Sport begeistert individuell und organisiert junge und alte Menschen gleichermaßen. Meiner Meinung nach wird der Sport nicht mehr ausreichend gefördert. Und damit meine ich nicht nur aktive Förderung durch finanzielle Hilfen, sondern auch passive durch finanzielle Belastungen seitens der Stadt. Von mir wird es keine Zustimmung zu Maßnahmen geben, die die sportlichen Aktivitäten in unserer Stadt gefährden.

OB-Kandidat Dr. Josef Bücker (Hagen Aktiv) hat nicht speziell auf die Fragen geantwortet, sondern eine grundsätzliche Stellungnahme abgegeben. Hier sind daraus die ersten Sätze: Vereine aller Art, im speziellen Fall auch sämtliche Sportvereine, sind Plattformen des gesellschaftlichen Miteinanders und Treffpunkt der Generationen. In einer pluralistischen Gesellschaft spielt heute zunehmend auch die Integration eine vorrangige Rolle. Wo kann diese besser erfolgen, als bei gemeinsamen sportlichen Aktivitäten. Vor diesem Hintergrund halte ich die Förderung von Vereinen für eine der herausragenden Aufgaben einer Kommune. Eine Vernachlässigung dieser Aufgabe schafft neue Problemfelder, deren Lösung am Ende um ein Vielfaches teurer wird als die originäre Verpflichtung. Diese Position ist meines Erachtens unstrittig. Strittig ist allein der Ansatz, diese Aufgabe unter dem stärker werdenden Konsolidierungsdruck adäquat zu bewältigen.