Wie in Notre-Dame… Ausblick auf St. Meinolfkonzerte 2017

Hagen. (san) Ein Juwel in vielerlei Hinsicht: Die Konzert­reihe an der St.-Meinolf-­Orgel besteht ununterbrochen seit über 20 Jahren. Trotz leerer Kassen allerorten und verordneter Sparmaßnahmen im Kulturbereich hat sich hier eine – ehrenamtliche – Beständigkeit erhalten, die ihresgleichen sucht.
Große Aufmerksamkeit zieht zum einen die Rowan-­West-Orgel selbst, die qualitativ beste Hagener Kirchenorgel, und ihr besonderer Klang auf sich. Aber auch die Konzerte in ihrer Konzeption finden Bewunderer weit über Hagens Stadtgrenzen hinaus. Das wird mit dem Jahresprogramm 2017 nun fortgeführt.
Wie ein Orchester
„l‘orgue français – die Eleganz französischer Orgelmusik“ lautet der Titel der kommenden Reihe. Orgel in Frankreich, das ist mit Besonderem behaftet: „Die Orgel übernimmt die Rolle des Orchesters. Eine nie unterbrochene Entwicklung, die in ihrer Vollkommenheit schon immer Neid und Bewunderer der Organisten außerhalb Frankreichs und gerade in Deutschland auf sich gezogen hat,“ so die Beschreibung Helmut Schröders.
Schröder ist nicht nur der Organist, der die meisten Konzerte bestreitet, natürlich hat er auch die 2017er-Konzertliteratur komplett zusammengestellt und wieder hochkarätige Gäste ihres Fachs mit ins Boot geholt.
Vom Stephansdom
So wird es in der eher unscheinbaren Kirche an der Boeler Straße 88 im Juli musikalische Interpretationen von Peter Planyavsky (Wiener Stephansdom) geben oder der für seine Improvisationskunst bekannte Thorsten Maus (Propsteikirche Recklinghausen) zu erleben sein. Auch der Hagener Bach-Chor ist mit von der Partie: ein Zusammenspiel des ehemaligen Leiters Johannes Krutmann mit seinem Nachfolger Christopher Braukmann.
Die übrigen Konzerte übernimmt Meinolf-Orgel-Kenner Helmut Schröder selbst, mal mit Begleitmusikern, mal ohne.
Auftakt mit Franck
Eröffnet wird der monatliche Reigen am 26. Januar, 19 Uhr, mit César Franck, einem der bedeutendsten französischen Komponisten des 19. Jahrhunderts, aber auch Dubois, Laukvik, Dupré, Couperin und Vierne werden gespielt. Komponisten, die selbst als Organisten die Musik durchdrungen haben und im Dunstkreis von Nortre-Dame und Sacre Coeur wirkten (das vollständige Programm ist übrigens online unter www. st-meinolfkirche.de einsehbar).
Aushängeschild
Die Meinolf-Kirche als Mitglied des Orgelverbunds Westfalen tritt mit der Rowan-West-Orgel und der Konzertreihe in direkte Konkurrenz zu beispielsweise St. Lamberti in Münster. Während es dort schon einen regelrechten Konzerttourismus gibt, fristet das weniger schöne Hagener Kirchengebäude aus den 1960er Jahren – noch nicht einmal im Zentrum der Stadt – immer erst solange ein stiefmütterliches Dasein, bis die Besucher nicht nur den Innenraum, sondern vor allem das Klangjuwel und die Virtuosität der Musiker bewundernd bestaunen.
„Man muss nur die Augen schließen, lauschen… und könnte meinen, in der Pariser Kathedrale Notre-Dame zu sitzen,“ bringt Konzert-Initiator Schröder es auf den Punkt.
Zwölf neue Gelegenheiten hierzu bieten sich den inter­essierten Hagenern im neuen Jahr – und das kostenlos, allenfalls gegen eine verdiente Spende. Zwölfmal gibt es für die Bürger ein Kulturhighlight, das in der Stadt Hagen ein Aushängeschild ist, wenn man den Aussagen der auswärtigen Besucher glaubt. Und zwar ein solches, welches der Kommune noch nicht einmal Kosten enstehen lässt.