Wie lange „hält“ ein Geschenkgutschein?

Hagen/Gevelsberg. (ce) Wenn man nicht weiß, was man schenken soll, sind Gutscheine immer eine prima Sache. Zahlreich lagen sie jetzt wieder anstatt schnödem Bargeld unter den Weihnachtsbäumen. Besonders bei Teenagern tun die lieben Verwandten in der Tat gut daran, Gutscheine zu verschenken, weil sich die Interessen und der Geschmack der Jugendlichen von älteren Semestern meist kaum erraten lassen.

Aber diese ändern sich eben leider auch oft schneller, als einem lieb sein kann. „Meine Tochter Lena und ich haben kürzlich beim Aufräumen und Ausmisten in ihrem Zimmer eine ganze Tüte voller Gutscheine gefunden“, sagt die Gevelsbergerin Emily P. (Name ist der Redaktion gekannt). „Die hatte sie über Jahre gesammelt statt sie gleich einzulösen. Einige davon datierten sogar noch von 2012. Ob sie die wohl noch einlösen kann?“

In solchen Fragen weiß die Verbraucherzentrale NRW Rat. Der Wochenkurier wandte sich im Namen von Familie P. an Rafael Lech, den Leiter der Beratungsstelle in Witten.

Fristen und feste Termine

Der Jurist sagt: „Lag unterm Weihnachtsbaum ein Gutschein für ein Freizeitvergnügen mit festem Termin, muss die Karte zum angegebenen Datum eingelöst werden, damit sie nicht verfällt.“

Solche Gutscheine hatte Lena P. nicht gehortet. Ihre wären im örtlichen Einzelhandel einzulösen. „Darunter waren undatierte von Kaufhäusern, Buchläden und Parfümerien, aber auch einer von einem Stoffgeschäft und einer von einem Sportausstatter“, so die Mutter des Mädchens. „Sie hatte einmal einen Nähkurs belegt und auch eine Weile lang eifrig Sport getrieben. Beide Hobbys aber sind inzwischen längst wieder Geschichte und die beiden Gutscheine mit Datumsstempel sind dafür jetzt fast fünf Jahre alt. Sind die noch gültig? Und wie lange gelten denn Gutscheine, auf denen gar nichts vermerkt ist?“

Auch wenn auf dem Gutschein keine Befristung vermerkt ist, kann der Bon nicht unbegrenzt lange eingelöst werden. „Allgemein gilt eine Verjährungsfrist von drei Jahren“, weiß Rafael Lech. „Die Frist beginnt jedoch immer erst am Schluss des Jahres, in dem der Gutschein erworben wurde. Beispiel: Wer zum Weihnachtsfest mit einem Gutschein beschenkt wird, der im November 2017 erworben wurde, muss diesen bis spätestens zum 31. Dezember 2020 einlösen.“

Abgelaufen?

Mutter P. hat mit den alten Gutscheinen ihrer Tochter Lena einen Selbstversuch gestartet. „Das Stoffgeschäft hat sich geweigert den Gutschein von 2012 noch einzulösen. Die gesetzliche Frist von drei Jahren sei ja längst überschritten, sagte mir der Geschäftsführer. Im Sportgeschäft war man erheblich kulanter und hat mich so natürlich als zufriedenen Kundin gewonnen.“

Eine Frage der Kulanz

Tatsächlich, wenn die Frist einmal verstrichen ist, müssen Händler den Bon zwar nicht mehr einlösen. Aber nach Ansicht der Verbraucherzentrale NRW müssen Anbieter das Geld gegen Rückgabe des Gutscheins – abzüglich ihres entgangenen Gewinns – erstatten. Wer sich kulant zeigt, macht damit eindeutig die beste Werbung für sein Geschäft.

„In der Parfümerie hatte ich gar keine Probleme“, berichtet Emily P. „Der Gutschein gelte selbstverständlich lebenslänglich, sagte man mir da gutgelaunt. Solange das Unternehmen bestehe, könne ich den Gutschein jederzeit einlösen und müsste mir überhaupt keine Sorgen darum machen.“

AGBs beachten

Verbrauchern empfiehlt es sich, beim Gutscheinkauf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Unternehmens zu lesen oder nach Fristen der Gutscheine ausdrücklich zu fragen.

Die meisten Gutschein-Anbieter machen auch kundenfreundliche Teileinlösungen möglich. „Der Restbetrag wird auf dem alten Gutschein vermerkt oder in Form einer neuen Gutschrift ausgehändigt. Ein Anspruch der Kunden auf Auszahlung der restlichen Gutscheinsumme besteht nicht“, ergänzt Rafael Lech von der Verbraucherberatung.

Emily P. jedenfalls ist zufrieden: Von den insgesamt acht angestaubten Gutscheinen ihrer Tochter musste nur einer mit tiefem Bedauern dem Hausmüll übergeben werden. Die anderen sieben sind nach wie vor echtes Geld wert.