Wirbel um Handystrahlung

Hagen. (ME) Immer wenn es um die Gesundheit der Menschen geht, werden häufig genug auch eher unwichtige Nachrichten gerne schnell und heftig aufgebauscht.

Wie letzte Woche. Da machte plötzlich – unter anderem bei „Focus online“ – die Meldung die Runde, Salz stelle ein Gesundheitsrisiko dar. Was beim ersten Hingucken eine brisante Neuigkeit zu sein schien, war beim genaueren Hinschauen nichts als ein „alter Hut“. Es ging letztlich darum, dass Menschen mit zu hohem Blutdruck äußerst sparsam mit Salz verfahren sollten. Und dies ist wahrlich schon seit langem bekannt.

Dauerbrenner

Ein Dauerbrenner in einer solchen Form der Berichterstattung stellt auch regelmäßig das Thema „Mikrowellen- und Handystrahlung“ dar. Und so verwundert es nicht, dass eine Anfang Juni von manchen Medien verbreitete Nachricht mächtigen Wirbel verursachte: „WHO sagt: Handystrahlung ist ’möglicherweise krebserregend’.“

Die WHO ist die Weltgesundheitsorganisation. Also eine Institution von extrem hohem Gewicht. Die WHO habe – so die Meldung im Juni weiter – in Zusammenarbeit mit der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) die offizielle Einstufung der Mobilfunk-Strahlung in die Klasse 2B vorgenommen. Hinter der Klasse 2B verbirgt sich die Eingruppierung als „möglicherweise krebserregend“. Grundlage dieser Einstufung sei die Analyse zahlreicher veröffentlichter Studien zu diesem Thema.

Entwarnung

Wenn es ums Telefonieren mit dem Handy geht, wird immer wieder von Krebsgefahren berichtet. Jetzt gibt es eine neue Studie, die besagt, dass sich Erwachsene höchstwahrscheinlich keine Sorgen machen müssen. (Foto: wochenkurier)

Mittlerweile rudern viele jener Medien, die Anfang Juni noch „gewirbelt“ haben, aber schon wieder zurück. Zum Beispiel „Spiegel online“. Anfang Juli meldete dieses Internet-Portal: „Erneut Entwarnung für Vieltelefonierer!“ Eine noch neuere, noch breiter angelegte internationale Studie sehe keinen Zusammenhang zwischen Handy und Hirntumor. Dieser aktuellsten Studie zufolge werde es „immer unwahrscheinlicher“, dass „Handynutzung und Krebsentstehung in einem Zusammenhang stehen“.

Und was ist mit der WHO-Nachricht? Laufen Vieltelefonierer nun Gefahr, sich beizeiten einen Hirntumor zuzuziehen, oder doch nicht? Noch einmal Spiegel online: „Beinah monatlich erscheinen Studien, die sich widersprechen.“ Das Problem liege an den „engen Grenzen der Erkennbarkeit“. Zufälle und unterschiedliche Forschungsansätze könnten die Beweisführung in die eine wie in die andere Richtung beeinflussen.

Auch Gemüse

Und die Einstufung in die WHO-Kategorie „2B“ bringe auch nicht allzu viel, weil WHO und IARC eine Substanz als „möglicherweise krebserregend“ einstufen müssten, so lange nicht das Gegenteil bewiesen sei. Demzufolge müsse man, spottet „Spiegel online“, zum Beispiel Kaffee oder eingemachtes Gemüse ebenfalls in „2B“ eingruppieren.

Doch Ironie ist fehl am Platze. So bestehen auch nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) nach wie vor Unsicherheiten, die durch das Deutsche Mobilfunk-Forschungsprogramm nicht hundertprozentig hätten ausgeräumt werden können. Diese beträfen insbesondere die möglichen gesundheitlichen Risiken ganz besonders bei Kindern.

Keine Beweise

Die neue große Studie, durch die jetzt erst einmal klipp und klar Entwarnung gegeben wurde, basiert auf dem Bemühungen britischer, amerikanischer und schwedischer Wissenschaftler, so viele kleinere Untersuchungen wie nur irgendmöglich auszuwerten. Das Ergebnis wurde unter anderem in der Fachzeitschrift EHP (Environmental Health Perspectives) veröffentlicht, worin es – zitiert nach „Spiegel online“ – heißt, es bleibe zwar eine Unsicherheit bestehen, aber die Beweise sprächen eher gegen die These, dass der Gebrauch von Handys zu Hirntumoren bei Erwachsenen führt. Die Gefahren für Kinder wurden hingegen nicht thematisiert.

„Wenn Hinweise vorliegen, dass bestimmte Risikofaktoren Krebserkrankungen auslösen könnten, sollten diese vorsorglich auch unbedingt beobachtet werden“, meint Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. „Diese Einordnung bedeutet, dass es nach Einschätzung der IARC der Weltgesundheitsorganisation nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand begrenzte Hinweise auf eine krebserregende Wirkung dieser Felder auf den Menschen gibt. Weitere Studien sind jedoch notwendig, um diese Gefahr genauer zu beziffern.“

Lieber mit Festnetz

So lange empfehlen Experten der WHO auf jeden Fall, bei der Nutzung von Handys bestimmte Regeln zu beachten, um die Strahlenbelastung gering zu halten: möglichst häufige Nutzung des Festnetz-Telefons und von Freisprechanlagen, mehr Kurzmitteilungen als Handytelefonate und Verminderung der Strahlenbelastung für Kinder. „Zusätzlich zum Gebrauch einer Freisprecheinrichtung kann die Belastung reduziert werden, indem man auf gute Empfangsbedingungen achtet oder die Zahl und Dauer von Anrufen begrenzt“, so Wiebusch.

Ganz besonders wichtig ist nach Ansicht der Experten die Verminderung der Strahlenbelastung für Kinder, da diese sich noch in der Entwicklung befänden und deshalb gesundheitlich empfindlicher reagieren könnten.

Vortrag

Wer mehr zum Thema „Mikrowellen- und Handystrahlung“ wissen möchte, sollte sich am Freitag, 15. Juli 2011, einen Vortrag in der Hasper Waldorf-Schule, Enneper Straße 30, nicht entgehen lassen: „Gesundheitsrisiko Strahlung – Wie Sie für Ihre Gesundheit und die Ihrer Kinder vorsorgen können“, Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt frei(willig): 3 Euro.