wk-Telefonaktion zum Thema Alkohol stark nachgefragt

Hagen. (BM/ME) Gerade jetzt zur Fastenzeit hinterfragt so mancher seinen Alkoholkonsum und übt sich im Verzicht. Alkohol ist in Deutschland die am meisten konsumierte legale Droge. Entsprechend groß war der Beratungsbedarf während unserer Telefonaktion am Donnerstag. Die Suchtberater der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Dr. Dorothee Köpsell und Birgit Buchmüller, antworteten auf die Fragen. Hier eine Zusammenfassung:

Abends brauche ich eine halbe Flasche Kognak. Der Versuch, es einmal eine Woche ohne zu schaffen, ging schief. Was kann ich tun, um vom Alkohol weg zu kommen?

Wenn man es allein nicht schafft, sollte man sich Hilfe holen. Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit und muss – wie alle anderen Krankheiten auch – professionell behandelt werden. Sie würden ja auch mit einer Lungenentzündung zum Arzt gehen. Adressen von Suchtberatungsstellen und Selbsthilfegruppen finden Sie im Telefonbuch oder im Internet.

Ich trinke sieben, acht Bier pro Tag. Mir ist nicht klar, was die auf der Suchtberatungsstelle tun wollen, um mich davon abzubringen. Die verfügen ja auch nicht über Wundermittel.

Nein, sie überlegen mit Ihnen zusammen einen Weg, der Sie vom täglichen Alkoholkonsum wegführen kann. Gehen müssen Sie ihn selbst. Zur Unterstützung könnte man zum Beispiel mit der Beratungsstelle wöchentlich einen Termin machen und sich mit den Fachleuten austauschen, worin die Gründe für den hohen Alkoholkonsum liegen und welche Strategien helfen, weniger zu trinken.

Ich leide an Depressionen und trinke oft recht viel, um in bessere Stimmung zu kommen. Wahrscheinlich ist das aber für meine Leber nicht gut…

Für Ihre Depressionen auch nicht. Im Gegenteil, Alkohol benebelt Sie zwar für den Moment, aber auf lange Sicht verstärkt er die Depressionen. Sie sollten unbedingt Ihren Hausarzt aufsuchen, der Sie eventuell zu einem Psychiater überweisen wird um abzuklären, ob es sich wirklich um eine Depression handelt und um dann geeignete Maßnahmen dagegen zu treffen. Auch das Problem mit dem Alkohol sollte bei den behandelnden Ärzten angesprochen werden.

Ich trinke abends gern Bier, meistens drei Flaschen. Muss ich mir da wegen meiner Gesundheit Sorgen machen?

Laut Weltgesundheitsorganisation liegt die gesundheitlich unbedenkliche Grenze bei erwachsenen Frauen bei zehn Gramm reinen Alkohol am Tag, bei Männern bei etwa zwanzig Gramm. Zu Ihrer Orientierung: Zehn Gramm reiner Alkohol stecken zum Beispiel in einem Achtel-Liter-Glas Wein, in einem doppelten Schnaps oder in einem Viertel-Liter-Glas Bier. Mit drei Flaschen Bier täglich liegen Sie über der Grenze. Hinzu kommt: An zwei Tagen in der Woche sollten Sie überhaupt keinen Alkohol trinken, damit ein Gewöhnungseffekt vermieden wird.

Das heißt, ich muss dann abends vor dem Fernseher „trocken“ rumzusitzen oder nur Wasser trinken?

Nein. Streifen Sie durch die Fachgeschäfte oder Abholmärkte und suchen Sie sich für den Abend alkoholfreie Getränke, die Ihnen gut schmecken. In diesen Märkten werden Sie garantiert etwas finden.

Eigentlich möchte ich nicht so viel Alkohol trinken. Aber ohne drei, vier Gläser Wein am Abend kann ich nicht einschlafen. Was raten Sie mir?

Sie scheinen sich durch das regelmäßige Trinken am Abend so an den Wein gewöhnt zu haben, dass Sie denken, ohne Wein nicht zur Ruhe zu finden. Generell ist es möglich, ohne Alkohol in den Schlaf kommen. Sie können verschiedene Sachen ausprobieren, zum Beispiel einen langen Abendspaziergang, ein warmes Bad, entspannende Lektüre oder Musik. Und denken Sie daran: Ohne Alkohol ist der Schlaf tiefer und damit erholsamer. Falls Sie vom Wein nicht wegkommen, dann zögern Sie nicht, eine Beratungsstelle aufzusuchen.

Ich befürchte, dass ich zu viel trinke. Könnte ich das irgendwo anonym testen?

Sie können zum Beispiel den Selbsttest auf der BZgA-Seite www.kenn-dein-limit.de machen. Oder Sie bestellen sich unter order@bzga.de das Trinkertagebuch und füllen es aus. Auch so erhalten Sie einen Überblick über das eigene Trinkverhalten.

Info-Materialien

„Alles klar?“ – Tipps für den Umgang mit Alkohol; „Alkoholfrei leben?! – Hilfe bei Alkoholproblemen; „Ein Angebot für alle, die einem nahe stehenden Menschen helfen möchten“ – Ratgeber für Angehörige; „Alkohol – reden wir drüber!“ – Ratgeber für Eltern. Alles kostenlos zu bestellen per Mail unter order@bzga.de, per Fax unter 0221/ 8992-257. Für Jugendliche unter 16 Jahren: www.null-alkohol-voll-power.de, für Jugendliche von 16 bis 20 Jahren: www.kenn-dein-limit.info, für Erwachsene: www.kenn-dein-limit.de.

Für weitere Fragen ist das Sucht-Beratungstelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr sowie freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr unter 0221 / 892031 erreichbar.