„Wo ist mein Kind?“

Hagen. (anna) Der 69-jährige Hagener Reiner Hesse blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Der ehemalige Schiffsführer hat viel gesehen und erlebt. „Ich habe immer hart am Wind gelebt“, gesteht der Rentner. Nur mit Frauen, so sagt er, habe er nie Glück gehabt. Seit Jahren ist der Mann allerdings auf der Suche nach seinem Kind, von dem er nicht einmal weiß, ob es überhaupt lebt. Jetzt bittet er die Leser um Hilfe.

Reiner Hesse war viele Jahre lang als Schiffsführer auf dem Rhein und seinen Nebenflüssen unterwegs und hat immer hart am Wind gelebt. 1993 wurde seine Lebensgefährtin schwanger. Seit Jahren sucht der 69-Jährige mit dem butterweichen Herzen nun nach seinem Kind. (Foto: Anna Linne)

Schon mit 16 Jahren heuerte Reiner Hesse, damals in der Ex-DDR, auf Schiffen an. Seine einzige Bezugsperson, die Oma, war gerade gestorben. 1980 kam der junge Mann dann nach Hagen und schipperte seitdem auf einem Tanker den Rhein stromauf- und -abwärts. Das Leben auf dem Schiff brachte ihm eine Menge Geld, aber auch viel Einsamkeit. Deshalb heiratete er, um in Hagen eine Familie zu gründen. „Doch es war nicht die richtige Frau für mich“, bedauert Hesse die kinderlose Ehe. Nach 12 Jahren wird er geschieden. Er muss nicht nur einen Großteil seines Gehaltes an die Frau zahlen, sondern auch noch ihre Schulden von über 180.000 Mark tilgen.

Dann lernt er Irene kennen, mit der er sich im Dezember 1992 in der Kneipe Blankennagel in Eilpe verabredet hat. Doch Irene kommt nicht, sie lässt ihn sitzen. Während Reiner Hesse auf Irene wartet, lernt er Rosemarie Lewitz aus Menden kennen. Die junge, schlanke Frau mit den langen blonden Haaren, die den Hagener Weihnachtsmarkt besucht hat, gefällt ihm gut und zieht wenig später zu ihm in die Eilper Straße. Arbeit findet sie kurz drauf in der Autobahnraststätte Rölvedermühle.

Reiner Hesse erfährt erst Monate nach dem ersten Treffen, dass sich seine neue Freundin im Krankenhaus in Wimbern einer Alkohol-Entziehungskur unterzogen hat. „Hätte ich das früher gewusst, hätte Rosi bei mir keine Chance gehabt.“

Ein Jahr lang geht alles gut. 1992 wird Rosi schwanger, und Reiner Hesse freut sich auf das Kind. Endlich hat er eine Familie. Doch das neue Glück währt nicht lange. Als Reiner Hesse 1993 wieder einmal von einer längeren Schipper-Tour nach Hause kommt, ist der dicke Bauch verschwunden. „Rosi sagte damals, man habe ihr das Kind wegen ihrer Alkoholexzesse abgenommen. Dann wieder erzählte sie mir, das Kind sei gestorben. Die Wahrheit habe ich nie erfahren. Obwohl ich immer das Gefühl hatte, eine Tochter zu haben, hat meine Suche nach ihr zu nichts geführt.“ Reiner Hesse weiß, dass seine Rosi ihn wahrscheinlich nicht als Vater angegeben haben kann, denn sonst wäre er sicherlich wegen Unterhalts herangezogen worden.

Freundin Rosemarie Lewitz muss wenig später im Boeler Krankenhaus wegen ihrer Alkoholsucht behandelt werden. Fällt aus Gründen, die Reiner Hesse nicht kennt, fast sieben Jahre lang ins Wachkoma und stirbt dann im Jahre 2000. „Ich habe sie nie im Krankenhaus besucht. Was sollte ich auch da?“ gesteht Reiner Hesse.

All die Jahre hat Der Schiffsführer im Ruhestand sein Kind gesucht. Datenschutz und wenige Informationen machten es ihm unmöglich, etwas über sein Kind, wenn es denn lebt, zu erfahren.

Vielleicht weiß einer unserer Leser etwas.

Reiner Hesse ist unter Telefon 01 72 / 7 35 59 85 zu erreichen.