Wo Sparen teuer wird…

Hagen. (Red./as) Vertraut man einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts „Heute und Morgen“, will jeder achte Autofahrer in diesem Herbst seinen Autoversicherer wechseln. Hauptgrund für die Wechselwilligen ist der Preis. Doch wer allein auf die Höhe der Prämie blickt, kann am Ende draufzahlen. Worauf ist also zu achten? Am wochenkurier-Lesertelefon gaben Experten Auskunft.

Wenn ich Angebote verschiedener Versicherungen vergleichen will – worauf muss ich achten?

Sandra Albrot, Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute: Zunächst einmal müssen Sie bei allen Anfragen identische und wahrheitsgemäße Angaben machen, was Fahrerkreis, Schadenfreiheitsklasse, Kilometerleistung, berufliche Nutzung oder Unterbringung des Fahrzeugs betrifft. Dann müssen Sie auch einen identischen Versicherungsschutz anfragen, was Deckungssummen, Selbstbeteiligung, Leistungsumfang und Zusatzbausteine betrifft. Nur so stellen Sie sicher, dass Sie nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.

Woran erkenne ich, ob bei einem Anbieter neben dem Preis auch die Qualität stimmt? Gibt es unabhängige Tests?

Norbert Roemers, Versicherungsberater bei der Verbraucherzentrale NRW: Da hilft zunächst nur ein Blick in die Versicherungsbedingungen. Doch die sind für Kunden meist schwer verständlich. Tests legen in der Regel Modellkunden zu Grunde und sind für den individuellen Bedarf nicht immer aussagekräftig. Wer eine unabhängige individuelle Beratung sucht, ist bei den Beratern der Verbraucherzentralen gut aufgehoben. Allerdings ist die Beratung dort kostenpflichtig.

Wie verhindere ich, dass mich die Versicherung nach einem Schaden schlechter einstuft?

Sandra Albrot: Bei scheinbar günstigen Tarifen kann die anfängliche Ersparnis durch eine Rückstufung im Schadenfall schnell aufgehoben sein. Manchmal lohnt es sich auch zu überlegen, sowohl bei Haftpflicht- als auch bei Kaskoschäden einen Bagatellschaden selbst zu tragen, um eine Rückstufung zu vermeiden.

Gibt es Schäden, die eine Vollkasko nicht abdeckt?

Knut Schubert, Experte für Kraftfahrtversicherungen: Auch eine Vollkaskoversicherung bietet nicht bei allen Schäden Schutz. Springt beispielsweise während der Fahrt die Motorhaube auf und schlägt auf das Fahrzeugdach oder werden nur die Reifen zerstochen, greift eine normale Vollkasko nicht. Nur eine Allgefahrendeckung kommt auch bei einem solchen Schaden auf.

Mein Auto habe ich 2010 als Jahreswagen gekauft. Lohnt sich da immer noch eine Vollkaskoversicherung?

Norbert Roemers: Es gibt keine Faustregel, was die Frage „Vollkasko oder Teilkasko“ betrifft. Für Ihr Fahrzeug dürfte sich eine Vollkaskoversicherung wahrscheinlich lohnen, da der Zeitwert noch relativ hoch sein sollte.

Als Fahranfänger stuft mich die Versicherung in der Haftpflicht sehr teuer ein. Geht es auch günstiger?

Knut Schubert: Grund für die höhere Einstufung sind die vergleichsweise vielen Schadenfälle bei Fahranfängern. Unter bestimmten Voraussetzungen sind aber auch Sondereinstufungen möglich, zum Beispiel bei Zweitfahrzeugen oder wenn andere Familienmitglieder bereits mit einem Fahrzeug versichert sind. Hier sollten Sie das Gespräch mit dem Versicherungsvermittler suchen.

Wo erfahre ich, in welche Typklasse ein Fahrzeug eingestuft wird?

Sandra Albrot: Am einfachsten geht das im Internet. Besonders Fahranfänger mit hoher Schadenfreiheitsklasse können unter anderem durch die Wahl eines Fahrzeugs mit günstiger Typklasse in der Versicherung sparen.

Ich werde mein neues Auto leasen. Worauf muss ich bei der Versicherung achten?

Norbert Roemers: Achten Sie im Rahmen der Vollkaskoversicherung auf den Einschluss einer GAP-Deckung. Hier ist geregelt, dass bei einem Totalschaden eines Leasingfahrzeuges auch die Differenz zwischen Zeitwert und der Restforderung des Leasinggebers erstattet wird. Sonst bleiben Sie auf der Differenz sitzen.

Wo lässt sich in der Kfz-Versicherung sinnvoll sparen?

Norbert Roemers: Wenn Sie zustimmen, dass im Schadenfall der Versicherer die Reparaturwerkstatt bestimmt, können Sie in der Kaskoversicherung bis zu 20 Prozent einsparen. Sinnvoll ist auch der Verzicht auf überflüssige Leistungen wie eine Insassenunfall- oder Fahrerunfallversicherung. Diese leisten nur, wenn ein Unfall im Zusammenhang mit dem Fahrzeug steht. Sobald ich das Fahrzeug aber verlassen habe, besteht über diese Versicherungen kein Versicherungsschutz mehr.

Kann ich eine Kfz-Versicherung nur zum Jahresende wechseln?

Sandra Albrot: Bei den meisten Kfz-Versicherungen entspricht das Versicherungsjahr dem Kalenderjahr. Wenn Sie fristgerecht zum 31.12.2013 kündigen wollen, muss die Kündigung bis zum 30. November beim Versicherer eingehen. Ein Sonderkündigungsrecht haben Sie übrigens nach einem Schadenfall und wenn die Versicherung den Beitrag erhöht.