„Women‘s Night“ im Bauhaus Hagen

Hagen. (tau) Meine Wohnzimmer-Jalousie ist aus der Wand gerissen. Ich sollte sie umgehend wieder anbringen. Mein Problem: Ich habe Angst vor Bohrmaschinen. Das muss sich dringend ändern, wenn ich nicht der Nachbarschaft einen Freiblick auf mein Sofa bieten möchte. Also habe ich mich aufgemacht zur „Women‘s Night“ im Bauhaus. Hier gibt‘s kostenlose Handwerkskurse für „Frauen, die sich trauen“. Ich habe mich zum Maschinenführerschein angemeldet.

Bei meiner Ankunft bekomme ich eine spezielle Women‘s-Night-Tasche. Inhalt: ein weißer Overall, Notizblock und Kuli. „Kein Verbandszeug?“ frage ich. „Das ist nur was für Männer“, lacht die Dame am Einlass. Und dann die Überraschung:  Es wimmelt nur so von Frauen, die in Grüppchen oder zu zweit hereinströmen. „Das ist ja toll! Ich dachte auch, das wäre hier eine gemütliche Runde wie auf einer Butterfahrt, und man bekäme was vorgeführt,“ bestätigt mich eine Dame. Sie steht vor mir in der Anmeldeschlange Buchstabe S-Z, wo wir unsere Workshopkärtchen samt Umhängeband und Loskarte erhalten. „Die eine Los-Hälfte bitte in die Trommel, in der Pause werden die Gewinner gezogen“, informiert man uns. „Gehen Sie bitte durch und suchen Sie sich einen Platz, Sie werden gleich offiziell begrüßt.“ Vorbei geht‘s am Stand mit kostenlosem Sekt, Saft und Brause zu den Bierzelttischen, auf denen gesunde Gemüseknabbereien angerichtet sind. Von wegen Butterfahrt. „Women‘s Night“ – das ist eine perfekt durchorganisierte, deutschlandweit tourende Veranstaltung.

„Women‘s Night“ im Bauhaus Hagen: Sandro Dossena zeigte den Frauen, wie man mit dem Multifunktionswerkzeug Nägel köpft. (Foto: Bärbel Taubitz)
„Women‘s Night“ im Bauhaus Hagen: Sandro Dossena zeigte den Frauen, wie man mit dem Multifunktionswerkzeug Nägel köpft. (Foto: Bärbel Taubitz)

300 Handwerkerinnen nehmen teil

Rund 300 wissbegierige Frauen hocken schließlich erwartungsvoll auf den Bänken und lauschen einer launigen Einführung und Vorstellung der Workshopleiter. Die werden in den nächsten drei Stunden zeigen, wie man Wände tapeziert, verputzt oder streicht, Pflastersteine verfugt, Fliesen verlegt, Schimmel entfernt oder eine Ruinenmauer baut. Bauhaus-Geschäftsleiter Guido Becker strahlt über die enorme Resonanz und erzählt von seiner liebsten Erinnerung an einen der vergangenen Frauenabende: „Das war eine Teilnehmerin so um die 30, die kam am Ende auf mich zu und sagte: ,So! Jetzt werd‘ ich‘s meinem Schwiegervater mal richtig zeigen und Laminat verlegen!‘“

Das erste Mal am Bohrer

Die Teams setzen sich in Bewegung, und ich geselle mich zur Maschinengruppe. In der Bohrecke fang ich an. Funktionsweise, Einsatzmöglichkeiten, Besonderheiten und optimaler Umgang werden erläutert, bevor endlich zugepackt werden darf. Sicherheitsbrillen auf – los geht‘s. Alle sind äußerst konzentriert und haben riesigen Spaß. Abwechselnd wandern die Maschinen durch die erwartungsvollen Frauenhände. „Ich mach immer viel zu große Löcher,“ gesteht mir eine Mitstreiterin, die ihr handwerkliches Geschick verfeinern möchte. Mit Erfolg, wie ihr zufriedenes Lächeln kurze Zeit später verrät.

Wie werden Wände perfekt gestrichen? Vor der Praxis stand die Theorie bei der  Women’s Night“. (Foto: Bärbel Taubitz)
Wie werden Wände perfekt gestrichen? Vor der Praxis stand die Theorie bei der Women’s Night“. (Foto: Bärbel Taubitz)

Als ich dran bin und meine Angst bekunde, lautet der Tipp: „Stellen Sie sich dabei einfach jemanden vor, den Sie nicht leiden können.“ Okay, das ist kein Problem. Richtige Körperhaltung, wie wir es gelernt haben, fester Stand, Bohrgesicht – und mit einen paar satten Flüchen presse ich den Bohrer butterweich in den Beton und zurück. Geschafft! Ich bin wirklich stolz auf mich. Und wie befreiend das doch ist. Bestes Anti-Aggressionstraining! Ich will sofort meine eigene Bohrmaschine! Dann erfahre ich noch, dass in 6-mm-Löcher auch 6-mm-Dübel gehören und was man damit aufhängen kann. Die Plastikhalter werden in die Wand geklöppelt, Schraube rein – fertig. Na also, eins ist klar: Mein Rollo wird spätestens nächste Woche hängen.

Schön langsam!

Weiter geht‘s zum Multifunktionswerkzeug. Hier steigt auch der Unterhaltungswert, denn der smarte Sandro Dossena ist ein alter Hase im Präsentationsgeschäft. Seine technischen Erläuterungen würzt er mit flotten Sprüchen und Anekdoten, so dass beim Fugenausfräsen und Nägelkappen auch das Lachen nicht zu kurz kommt. „Immer mit Gefühl an die Sache rangehen,“ betont der 44-Jährige. „Und nehmen Sie sich vor allem Zeit. Immer langsam anfangen.“ Erkenntnis des Abends: Wer ein Akku-Gerät wählt, braucht auch keinen versehentlichen Kabelschnitt zu befürchten.

Vanilleduft - alle mal herriechen! Nicht nur Farbe, sondern auch Aroma strömte aus manchen Sprühdosen. (Foto: Bärbel Taubitz)
Vanilleduft – alle mal herriechen! Nicht nur Farbe, sondern auch Aroma strömte aus manchen Sprühdosen. (Foto: Bärbel Taubitz)

Klingt logisch!

An der Stichsäge begrüßt Siegfried Steffen die Damen mit der charmanten Frage, wer denn heute Abend seine Klamotten zum Waschen mit nach Hause nimmt. Sägespäne und Bohrstaub zieren allerdings mittlerweile nicht nur sein Outfit, sondern auch die Schuhe und Jacken so mancher Teilnehmerin. Jedoch sind wir uns alle einig: Das ist richtig klasse hier!

Frauen machen’s richtig

Einhellige Meinung auch beim Fachpersonal: Frauen sind im Grunde die besseren Handwerker. Sie gehen vorsichtiger und filigraner ran, mit Gefühl statt ausschließlich Kraft. Martin Conrad, Leiter der Maschinenabteilung bei Bauhaus, bringt‘s auf den Punkt: „Frauen benutzen die Geräte genauso, wie sie benutzt werden sollen!“ Und zur Belohnung bekommen alle schließlich ihren bestandenen Maschinenführerschein.

Mein Ziel ist erreicht. Mal schauen, was die anderen so machen. Nach der Pause drehe ich noch eine Runde durch den Baumarkt in Frauenhand. An allen Ecken summt und brummt es wieder. Von Müdigkeit bei den Handwerkerinnen keine Spur.

Deko-Putz statt Tapeten auf den Wänden - auch dieses Angebot kam bei der Women’s Night im Bauhaus gut an. (Foto: Bärbel Taubitz)
Deko-Putz statt Tapeten auf den Wänden – auch dieses Angebot kam bei der Women’s Night im Bauhaus gut an. (Foto: Bärbel Taubitz)

Eine atemberaubende Wolke hängt über der Dekoabteilung, wo Frauen in weißen Papier-Overalls kleine, geschenkte Gießkannen besprühen. „Das wäre doch perfekt für die hässlichen Mülltonnen“, sagt eine Sprayerin mit begeistertem Blick auf den Steinlook ihres Werkes. Mich fasziniert vor allem der Clou für die Nase: Vanillearoma, das aus den Farbdüsen mitströmt. Vermutlich nicht wirklich gesundheitsfördernd, aber: echt lecker!

Ein paar Gänge weiter noch mehr Frauen in Papieranzügen und Gummihandschuhen. „Das gefällt mir! Raufaser hab ich schon, ich will Wände, die einfach rohweiß nackt aussehen“, höre ich eine junge Dame in der „Easy-Putz“-Nische sagen. Murmeln und Lachen aus der Sanitärabteilung. Hier lauscht ein Grüppchen gespannt, wie man den Nässegrad in seiner Wohnung ermittelt und Schimmel vermeidet. Eins wird klar: Hydrometer kaufen lautet das Gebot der Stunde.

So viele Angebote

Das Tolle ist gleichzeitig das einzige Problem an diesem Abend: „Es wird hier viel zu viel angeboten. Man möchte überall gleichzeitig sein“, seufzt eine Dame, die ihre neu erworbene „Women‘s-Night“-Tasche“ für den Heimweg packt. „Ich werd‘ mal sofort fragen, wann die nächste Veranstaltung ist!“ Das interessiert mich auch. Denn dann bin ich garantiert wieder dabei. Ich will unbedingt noch lernen, wie man einen Siphon austauscht…