Wo’s Not tut

Der pensionierte Pfarrer Burckhard Ohnesorge besucht den fast 13-Jährigen Luca alle zwei Wochen. Im Rahmen seiner freiwilligen Tätigkeit für das Ambulante Kinderhospiz begleitet Ohnesorge gemeinsam mit seiner Kollegin Gudula Laubner den schwerstbehinderten Lucas und seine Familie. (Foto: Hospiz)

Hagen. (Red.) Da sitzen sie und gucken auf den Fernsehschirm. Gemütlich sieht das aus. Entspannt lehnt Lucas seinen Kopf an das linke Bein von Burckhard Ohnesorge. Was gerade läuft? „Ich weiß es gar nicht“, meint der 67-Jährige. Und Lucas? Der schaut fasziniert zum Zeichentrickmännchen und hat seinen Spaß. Was er da schaut – Lucas ist es egal. Die bunten Bilder unterhalten den mehrfach behinderten Jungen eine Weile. Außerdem genießt er das Zusammensein mit Burckhard Ohnesorge. Der pensionierte Pfarrer besucht den fast 13-Jährigen alle zwei Wochen. Im Rahmen seiner freiwilligen Tätigkeit für das Ambulante Kinderhospiz des Caritasverbandes begleitet Ohnesorge gemeinsam mit seiner Kollegin Gudula Laubner Lucas und seine Familie.

Gutes Gefühl

Julia Voß fällt es nicht schwer auszudrücken, wie dankbar sie für die Hilfe des Hospizes ist. „Die Regelmäßigkeit der Besuche ist schön. So lassen sich Dinge einfach besser planen. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass Lucas sich mit den beiden wohlfühlt“, sagt die 38-Jährige und registriert zufrieden, dass „die Chemie stimmt.“ Trotz großer Unterstützung durch die Familie – der Einsatz der Hospiz-Begleiter erleichtert den Familien-Alltag zusätzlich. Sie nutzt die zwei Stunden jeden Freitag für unterschiedliche Dinge. Einkaufen, in der Firma ihres Mannes Christian arbeiten, für Unternehmungen mit dem jüngeren Sohn Tim.

Lucas hat einen Hypophyse-Schaden: Sein Körper kann keine Hormone bilden. Er kann nicht laufen, nur wenige Worte reden, hat motorische Probleme, leidet an Epilepsie. Er lag drei Monate im Wachkoma „und ist ein medizinisches Buch mit sieben Siegeln“, wie seine Mutter erläutert. Rund um die Uhr braucht er Betreuung, regelmäßige Krankenhaus-Aufenthalte gehören ebenso zum Leben der Familie wie eine stete Ungewissheit, welchen Verlauf Lucas‘ Entwicklung nehmen wird.

Seit sieben Jahren

Seit sieben Jahren bietet das Ambulante Caritas-Hospiz den Kinderhospizdienst an. Burckhard Ohnesorge ist von Beginn an dabei. Der Theologe arbeitete lange in einer Behinderteneinrichtung, ist Systemischer Familienberater und suchte noch während seiner Dienstjahre eine ehrenamtliche Aufgabe. „Da passt das Hospiz gut zu meinem Werdegang“, meint er und kann mittlerweile auf einige Begleitungen zurückblicken. Die sind immer unterschiedlich. Bei Lucas geht es um die Betreuung des schwerbehinderten Kindes, in anderen Fällen stehen Geschwisterkinder im Mittelpunkt.

Am Anfang der Tätigkeit für das Hospiz stand eine Qualifizierung, bei regelmäßigen Gruppenstunden trifft er auf andere Ehrenamtliche. So auf Gudula Laubner, mit der er sich die Betreuung von Lucas teilt. Sie ist seit zwei Jahren dabei und bringt aufgrund ihres Berufes als Heilpädagogin Erfahrungen mit. „Ich finde die Unterstützung für Familien mit Kindern, die lebensbedrohliche Krankheiten haben, sehr wichtig und weiß, wie gut sie tut. Deshalb macht es mir viel Freude, hier mitzuwirken“, sagt sie.

Große Vielfalt

Im Hospiz engagieren sich Frauen und Männer aus allen Berufen – vom Handwerker bis zur pensionierten Postbeamtin. „Das macht unsere Vielfalt aus“, sagt Michaela Pesenacker, Koordinatorin der Arbeit. Sie organisiert und leitet die Kurse – und bereitet gerade eine neue Qualifizierung vor. Die beginnt am 22. November von 17 bis 19.30 Uhr. „Wir freuen uns über Mitstreiter“, sucht sie Ehrenamtliche, die sich in der Begleitung von Familien mit kranken Kindern einbringen möchten. Denn der Bedarf ist beachtlich: Allein Hagen und Umgebung sind etwa 40 Familien betroffen.

Lucas hat sich vom Fernsehen abgewandt. Er will jetzt spielen. „Lucas hat Ausdauer“, sagt Ohnesorge. Etwa, wenn es um das Auspacken von Taschen geht. Also bringt er regelmäßig einen großen Rucksack mit allerlei Überraschungen mit – und Lucas macht sich ans Erforschen des Inhalts. Sie malen gemeinsam, spielen und liefern sich auch schon mal einen spielerischen Boxkampf. Zwei Stunden vergehen schnell. Fest drückt Lucas den Besuch an sich, als er sich verabschiedet. Jetzt ist die Mama wieder da und passt auf. Es war ein schöner Nachmittag…

Informationen zur Mitarbeit und Qualifizierung gibt es unter Telefon 0 23 31 / 8 03 91 80.