Young-Jae Lee im Schumacher-Museum

Eine poetische Landschaft aus Keramikschalen und Bildern im Raum: Die neue Installation von Young-Jae Lee im Schumacher-Museum. (Foto: Bärbel Taubitz)
Eine poetische Landschaft aus Keramikschalen und Bildern im Raum: Die neue Installation von Young-Jae Lee im Schumacher-Museum. (Foto: Bärbel Taubitz)

Hagen. (tau) Schumachers Kunst und den Ausstellungsraum neu erleben: Zwischen den Keramiken von Young-Jae Lee ist dies derzeit im Emil-Schumacher-Museum möglich. Die getöpfterten Kleinode der koreanischen Künstlerin werden nicht einzeln auf Tischen oder in Vitrinen präsentiert, sondern sind über den Fußboden verteilt. Der Besucher kann und darf sich seinen Weg durch die Gefäße bahnen. Eine Installation, die in die Raumkonstruktion eingreift, für überraschende Momente sorgt. Insgesamt 191 kleine und 18 große Schalen sowie acht Vasen bieten für sich einen wunderschönen und ästhetischen Anblick, verändern darüber hinaus aber auch den Blick auf Schumachers Werke. Sieben verschiedene Ton- und Glasurarten hat Lee verwendet, kein Werk sieht so aus wie das andere, so wie kein Mensch, keine Pflanze der anderen gleicht.

Um die 5000 Schüsseln hat sie in den letzten Jahren schätzungsweise gedreht, erzählt sie. Es ist (auch) der Schaffensprozess, der sie fasziniert, das Handwerk, die Bewegung der Töpferscheibe, ebenso der Aspekt der Zeit, Veränderungen während ihres künstlerischen Wirkens: „Wenn eine neue Schale fertig ist, bin ich nicht mehr die, die ich eine halbe Stunde zuvor noch war.“

Young-Jae Lee, seit 40 Jahren in Deutschland, setzte ihren Berufswunsch gegen den Willen der Eltern um. „Durch ihren Widerstand habe ich mich noch intensiver damit auseinandersetzen müssen. Wer weiß, vielleicht wäre ich sonst gar keine Töpferin geworden“, sagt sie. Sie studierte Kunsterziehung mit Schwerpunkt Keramik in Korea; die Werkstatt-Materialien für die Uni kamen aus Deutschland. So wuchsen Wissen und Kontakte zu unserem Land, wo sie schließlich ein zweites Studium abschloss.

Mit Hagen verbunden

Die Ausstellung  ist bis zum 8. September 2013 im Oberlichtsaal des Emil-Schumacher-Museums zu sehen.
www.esmh.de

1986 übernahm die in Seoul geborene Künstlerin die Leitung der Keramischen Werkstatt Margaretenhöhe (heute auf dem Gelände der Zeche Zollverein beheimatet). Die Töpferei wurde 1924 durch Margarethe Krupp in Essen gegründet, nach jahrzehntelangem Stillstand von Young-Jae Lee neu aufgebaut und zu einem neuen künstlerischen Höhepunkt geführt.

Erster Leiter der Keramischen Werkstatt war der zum Umfeld von Karl Ernst Osthaus gehörende Bildhauer Will Lammmert. 1922 von Hagen nach Essen übergesiedelt, folgte er quasi der berühmten Kunstsammlung seines Mäzens, die an die Ruhrmetropole verkauft worden war. Über diese historische Brücke ist das eigenständige Werk Lees auch mit der Tradition des Folkwang“ verbunden, der sich die Künstlerin stellt, jedoch ohne Sentimentalität. Die Ausstellung vereinigt darüber hinaus in einer ganz eigenen Weise Lees freie Malerei mit zeitgenössischem Kunsthandwerk und hebt Grenzen zwischen den Bereichen auf, wie dies bereits im Hagener Folkwang-Museum nach dem Konzept von Osthaus zu erleben war.