„Zeichen wider das Vergessen“

Erstmals werden alle preisgekrönten Arbeiten von Schülerinnen und Schülern der Hildegardis-Schule, die sich mit dem Thema Holocaust auseinandersetzen, in einer Gesamtschau zu sehen sein. die Ausstellung ist vom 15. Februar bis zum 4. März 2013 im Rathaus an der Volme zu sehen. (Foto: privat)

Hagen. (as) „Brundibár“ und die Folgen. Ganz am Anfang stand die Idee, diese Oper für Kinder, geschrieben vom später in Auschwitz ermordeten Komponisten Hans Krása, zu inszenieren. 50 Kinder und Jugendliche des Hildegardis-Gymnasiums, der Liebfrauen- und der Freiherr-vom-Stein-Grundschule proben seit einem guten halben Jahr das klassische Singspiel, das einst zigmal im nationalsozialistischen Ghetto Theresienstadt aufgeführt wurde. Doch das Hagener „Brundibár“ ist gewachsen. Was mit der Operninszenierung begann, ist zu einem gesellschaftspolitischen Kunstprojekt gediehen, zu einem „Zeichen wider das Vergessen“. Genau so heißt die Ausstellung mit Arbeiten von Schülerinnen und Schülern des Hildegardis-Gymnasiums, die von Freitag, 15. Februar, bis zum 4. März 2013 im Rathaus an der Volme zu sehen sein wird.

„Die Zusammenstellung der künstlerischen Exponate beschäftigt sich im Kern mit dem Holocaust“, sagt Ellen Maria Pott, Kunstlehrerin am Hildegardis-Gymnasium. Es gehe um Verfolgung, Erniedrigung und Angst. Doch den Schattenseiten menschlicher Gefühle haben die Schülerinnen und Schüler immer auch Gedanken an Versöhnung, Verzeihen und Freiheit gegenüber gestellt. Sie finden Ausdruck in der Friedenstaube oder in den Botschaft-Steinen.

Hochdekorierte Schüler-Exponate

So aktuell die Ausstellung ist, die einzelnen Arbeiten haben schon mehrere Jahre auf dem Buckel. Entstanden sind die meisten in den Jahren 2001 bis 2003. Und: Sie sind allesamt mit wichtigen Preisen dekoriert worden. So wurden beispielsweise im Jahr 2001 drei Arbeiten von jungen Künstlern der Hildegardis-Schule mit Sonderpreisen beim erstmals ausgeschriebenen Wettbewerb des „Bündnisses für Demokratie und Toleranz“, dem Victor-Klemperer-Wettbewerb, ausgezeichnet. Ehrungen gab es für unterschiedliche Werke auch in Hagen: Schülerarbeiten wurden im Rahmen der Teofila-Reich-Ranicki-Ausstellung im Stadtmuseum ausgezeichnet. Im Jahr 2003 wurde dem Monumentalwerk „Gegen Hass – für Menschlichkeit“ der erste Preis bei dem Wettbewerb „Gegen Rassismus“ verliehen.

Die jüngste Arbeit stammt aus dem Jahr 2012: Es handelt sich um das Hintergrund-Bühnenbild zu dem Stück „Zeit der Schuldlosen“, mit dem sich die Schule an den Hagener Schul- und Jugendtheatertagen beteiligt hatte und für das sie mit einem Förderpreis bedacht wurde.

Eindringlicher Beitrag zur Geschichte

Ist Kunst von jungen Menschen gleichzusetzen mit Jugendkunst, mit Nachwuchskunst? Ellen Maria Pott muss schmunzeln. Schon allein durch all die Preise haben sie sich das Prädikat „wertvoll“ verdient. Gezeigt werden Arbeiten, die sich durch eine sensible Herangehensweise an die Thematik auszeichnen. Arbeiten, denen anzumerken ist, dass sich die jungen Künstlerinnen und Künstler intensiv mit dem bitteren Kapitel deutscher Geschichte, aber auch mit der Kunstgeschichte auseinander gesetzt haben. So entstanden Tafelbilder, Wandmalereien, Plastiken und Installationen, die einen ebenso zeitlosen wie eindringlichen Beitrag zur Geschichte liefern.

Hoch gelobt wurden die Arbeiten – doch nach den jeweiligen Auszeichnungen verschwand jedes einzelne Werk in den Schulmagazin-Räumen.

„Mit dieser Ausstellung erfüllt sich ein lang gehegter Wunsch“, sagt Kunstlehrerin Ellen Maria Pott. Erstmals kann sie im Namen von Schülern und Schule alle preisgekrönten Arbeiten in einer Gesamtschau der Öffentlichkeit präsentieren.

Andere Museen sind aufmerksam geworden

Und dann? Was geschieht mit den Arbeiten nach dem 4. März? Interessieren sich Hagener Museen für die hochdekorierten Werke junger Künstlerinnen und Künstler der Hildegardis-Schule? Ellen Maria Pott zuckt mit den Schultern: „Das wäre schön“, sagt sie. Interesse haben hingegen andere Museen angedeutet: Sowohl im Museum Küppersmühle in Duisburg als auch im Nationalmuseum Nürnberg ( Straße der Menschenrechte“) ist man auf die Schulkunst aus Hagen aufmerksam geworden.

Die Ausstellung „Zeichen wider das Vergessen“ ist nicht der einzige gestalterische Beitrag der Hildegardis-Schule um Umfeld der Inszenierung der Oper „Brundibár“. „Wir arbeiten auch sehr konkret an der Realisierung der Inszenierung mit“, sagt Ellen Maria Pott. Aktuell entstehen im Kunstunterricht Malereien für die Stellwände, die zu sehen sein werden, wenn die Oper aufgeführt wird. Das geschieht übrigens am 14. und 15. März 2013 im Stadtteilhaus Hagen-Vorhalle und am 19. und 20. März 2013 im Forum des Sparkassen-Karrees. Alle Vorstellungen beginnen um 18 Uhr. Eintrittskarten gibt es schon jetzt zum Preis von fünf Euro für Erwachsene und drei Euro für Schüler unter anderem in der Hagen-Information an der Körnerstraße.