Zu Gast bei der Volkssternwarte (Teil 1)

Daniela ist, wie die anderen Gäste des Geburtstags, begeistert von der Volkssternwarte: „Ich komme bald wieder!“ (Foto: Nina Heindl)
Daniela ist, wie die anderen Gäste des Geburtstags, begeistert von der Volkssternwarte: „Ich komme bald wieder!“ (Foto: Nina Heindl)

Von Nina Heindl

Hagen. Hoch über den Dächern Wehringhausens – direkt am Eugen-Richter-Turm – thront Hagens Volkssternwarte. Seit über 57 Jahren gibt es nun schon den Verein, der die Sternwarte aufgebaut, gepflegt und erweitert hat.

Kindergeburtstag in der Sternwarte: Das Geburtstagskind Jolina (10) beschreibt ihren Gästen, was sie durch das Spektralfarben-Teleskop sehen kann. Die Vorrichtung ist von einem Vereinsmitglied selbst gebaut worden. (Foto: Nina Heindl)
Kindergeburtstag in der Sternwarte: Das Geburtstagskind Jolina (10) beschreibt ihren Gästen, was sie durch das Spektralfarben-Teleskop sehen kann. Die Vorrichtung ist von einem Vereinsmitglied selbst gebaut worden. (Foto: Nina Heindl)

Der Verein öffnet seine Tore regulär zweimal in der Woche, damit alle Interessierten Mond und Sonne beobachten können. Diese zwei beeindruckenden Himmelskörper sind der perfekte „Einstieg“, sich endlich einmal näher mit der Astronomie zu beschäftigen.

Sonnenbeobachtung

„Ein warmer, sonniger Tag und völlig wolkenlos – das muss der perfekte Tag sein, um die Sonne zu beobachten“, dachte ich mir, als ich mich auf den gewundenen Weg hinauf zur Sternwarte machte. Mit mir dachten sich dies auch noch viele andere Menschen, da die Sternwarte bei meiner Ankunft aus den Nähten platzte: ein Kindergeburtstag, Beobachtungsnachwuchs und viele weitere Besucher tummelten sich in den verschiedenen Gebäudeteilen der Volkssternwarte.

Kindergeburtstag

Die kleine Jolina feiert heute ihren Geburtstag in der Volkssternwarte. Zehn Jahre alt ist sie geworden. Zwölf Freunde haben sie zum heutigen Ausflug begleitet und alle sind begeistert von den Dingen, die sie hier zu sehen kriegen: Sonnenflecken und bis zu drei „Protuberanzen“, so werden die gigantischen Gasausbrüche am Rand der Sonne genannt, zählen die jungen Entdecker unter Anleitung von Ralph Brinks. Er ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Sternwarte. „Aber Vorsicht: Nur durch das speziell ausgerüstete Teleskop darf man die Sonne beobachten, mit einem gewöhnlichen Teleskop würde man bei direktem Blick auf die Sonne schnell erblinden!“ warnt Brinks.

Nachdem sich jeder ausgiebig mit der Sonne beschäftigen konnte und seine Beobachtungen geschildert hat, geht es weiter zum nächsten spannenden Gerät: Ein Teleskop, mit dem die Spektralfarben des Lichts sichtbar werden. „Wie beim Regenbogen!“ erklärt das Geburtstagskind Jolina, bei dem ja auch die vielen Farben des Lichts, die unser Auge sonst nicht wahrnehmen kann, sichtbar werden. Zum Abschluss des erkenntnisreichen Tages werden die Kinder noch auf eine Rallye geschickt, um die Sternwarte noch einmal auf eigene Faust zu erkunden.

Kerstin dos Santos, die Mutter von Jolina, ist ebenso begeistert wie die Kinder: „Die Betreuung hier ist kompetent, herzlich und völlig kindgerecht!“

Es würde mich nicht wundern, wenn die kleine Gruppe demnächst wieder hier unterwegs sein wird, denn den Satz „Boah, meinen Geburtstag feiere ich auch hier!“ habe ich nicht nur einmal im Laufe des Nachmittags gehört.

Arne (12) ist schon ganz Profi beim Blick durch das Teleskop - er will Astro-Physiker werden. (Foto: Nina Heindl)
Arne (12) ist schon ganz Profi beim Blick durch das Teleskop – er will Astro-Physiker werden. (Foto: Nina Heindl)

Beobachternachwuchs

Bei der Sonnenbeobachtung fiel noch ein weiterer Junge auf, der nicht zum Geburtstagsspektakel gehörte: Arne Twer ist zwölf Jahre alt und ein sehr aufgeweckter und interessierter Nachwuchsbeobachter – naja, so ganz stimmt das nach Arnes Aussagen nicht, er erklärt mir, dass er eher Physiker als Beobachter ist, aber heute will er sich auch einmal beobachtend mit der Sonne beschäftigen. Sonst interessieren ihn mehr die Dinge, die man in Zusammenhang mit Planeten und Sternen ausrechnen kann: Entfernungen, Temperaturen und Wellenlängen.

„Mein Traumberuf? Ganz klar: Astro-Physiker!“ erklärt mir Arne trocken und wundert sich wahrscheinlich darüber, dass er mir die ganzen Dinge, die die Spektral-Klassen und Temperatur-Berechnungen von Sternen betreffen, ganz von vorne und vor allem langsam erklären muss.

Lobeshymnen

„Es ist toll, dass wir so etwas in Hagen haben!“ erklärt mir Seniorin Ingrid Berkey-Leidieg einen Raum weiter, die mit ihrem Mann nach einem Waldspaziergang nun noch einen Blick auf die Sonne werfen möchte. Eigentlich ist ihr Gatte derjenige, der besonders an den Himmelskörpern interessiert ist, doch nach einem Vortrag hier oben in der Sternwarte war auch sie neugierig geworden.

Ähnlich stimmen zwei weitere Besucher in die Lobeshymne mit ein, die eines der Programmheftchen der Sternwarte von einem Arbeitskollegen bekommen haben. Beide sind nach Hagen zugezogen und haben schon Planetarien und andere Sternwarten besichtigt. „Ganz besonders ist hier, dass alles mit ehrenamtlichem Engagement und viel Herzblut betrieben wird!“ erklärt mir einer der beiden Astronomie-Interessierten.

Weitere Infos

Und das ist tatsächlich eine der auch für mich beeindruckendsten Dinge an der Hagener Volkssternwarte: Der dahinterstehende Verein mit etwa 40 Mitgliedern macht alles das, was ich an diesem Tag gesehen habe, was im Programmheft steht und an außerplanmäßigen Terminen mit den Verantwortlichen abgestimmt werden kann, ehrenamtlich und mit einer gehörigen Portion Leidenschaft.

Bei einem weiteren Besuch bei der Sternwarte, dieses Mal am Abend, habe ich mit Dirk Panczyk, dem Vorsitzenden des Vereins, den Mond beobachten und noch mehr über den Verein und seine Geschichte erfahren können.