Zu Gast bei der Volkssternwarte (Teil 2)

Dieses Foto zeigt den Mondkrater Kopernikus und seine Umgebung. So nah kann man dem Mond in der Hagener Volkssternwarte kommen! (Foto: Waldemar Skorupa)
Dieses Foto zeigt den Mondkrater Kopernikus und seine Umgebung. So nah kann man dem Mond in der Hagener Volkssternwarte kommen! (Foto: Waldemar Skorupa)

Von Nina Heindl

Hagen. Hoch über den Dächern Wehringhausens – direkt am Eugen-Richter-Turm – thront Hagens Volkssternwarte. Am Mittwoch war bereits von meinem Besuch zur Sonnenbeobachtung zu lesen. Hier kommt nun Teil zwei der Reportage mit einem detaillierten Blick auf die Sternwarte, den Mond und den Verein, der alles am Laufen hält.

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Dirk Panczyk überprüft die Einstellungen, bevor ich dann auch den Mond aus der Nähe bestaunen kann. (Foto: Nina Heindl)

Es ist noch nicht ganz dunkel, als ich oben an der Volkssternwarte ankomme. Dirk Panczyk, der Vorsitzende der „Arbeitsgemeinschaft Volkssternwarte Hagen e.V.“ nimmt mich in Empfang und wir gehen sofort zum Kuppelgebäude, in dem das „Schätzchen“ des Vereins – ein sogenanntes „Hypergraph“-Teleskop – seinen angestammten Platz hat. Auf dem Weg dahin erzählt mir Panczyk von der langen Geschichte des Vereins und der Gebäude: Alles, was ich auf dem Gelände sehe, haben die Mitglieder nach und nach im mehr als 57-jährigen Bestehen des Vereins selbst aufgebaut und dann natürlich auch instand gehalten.

Verein

Die Mitglieder zeichneten und zeichnen sich also nicht allein durch ihr astronomisches Interesse aus, sondern waren und sind darüber hinaus auch mit handwerklichen Tätigkeiten, Software-Programmierung und der Optik vertraut, um Gebäude und Technik pflegen und weiterentwickeln zu können. Das Ergebnis ist beachtlich – neben einem Gebäude mit einem speziellen Raum mit abfahrbarem Dach für mehrere Teleskope, mit Vortragsraum, Bibliothek, Sanitäranlagen und Küche gibt es das besagte und sehr beeindruckende Kuppelgebäude.

Kuppelgebäude

Ganz oben angekommen, müssen erst einmal alle Gerätschaften in Position gebracht werden: Die lange Dachluke muss geöffnet und auf das Himmelsobjekt, das beobachtet werden soll, ausgerichtet werden. Ebensolches muss auch mit dem Teleskop passieren. Alles kann automatisch mit wenigen Klicks am Computerbildschirm eingestellt werden: Erst wird die Kuppel gedreht, was über ein Barcode-System funktioniert, dann wird das Teleskop justiert. Nun noch die Abdeckungen vom Teleskop entfernen, die Kamera und Spiegel vor Verschmutzung schützen, abnehmen und es kann fast losgehen!

An diesem Computer laufen alle Mechanismen zusammen: Mit wenigen Mausklicks werden Kuppel und Teleskop auf das Zielobjekt abgestimmt. Im Hintergrund ist das Barcode-System zu sehen, mit dem die Kuppel ausgerichtet wird.(Foto: Nina Heindl)
An diesem Computer laufen alle Mechanismen zusammen: Mit wenigen Mausklicks werden Kuppel und Teleskop auf das Zielobjekt abgestimmt. Im Hintergrund ist das Barcode-System zu sehen, mit dem die Kuppel ausgerichtet wird.(Foto: Nina Heindl)

Mondbeobachtung

Der erste Blick auf den Mond – ein ganz unglaubliches Gefühl. Man hat die vielen Details, die durch Schattenwurf auf Krater, die um die 100 km Durchmesser haben, und auf gewaltige Berge sichtbar werden, fast zum Greifen nah vor der Linse. Und das soll alles mehr als 350.000 km weit entfernt sein? Ich gehe ganz in der Faszination der Himmelsbeobachtung auf. Es ist ein anderer Blick, als man ihn von Fotografien kennt: Es handelt sich immer nur um Ausschnitte, in denen man dem Mond betrachtend ganz nahe kommt.

Doch eine Sache irritiert mich etwas: Beim Blick durch die Linse stellt sich ein seltsames „Wabern“, ein Flackern ein, das zwar nicht den großartigen Eindruck stört, aber in meiner Vorstellung vom Blick auf den Mond nie Teil war. „Das sind Luftunruhen, beispielsweise durch die Wärme, die wir hier im Kuppelraum beim Betrachten produzieren“, erklärt mir Dirk Panczyk. Wenn längere Videos, Fotos oder detaillierte Beobachtungen an Himmelskörpern gemacht werden sollen, gibt es daher einen Kontrollraum, in dem alles, was im Kuppelraum vor Ort gesteuert auch ferngesteuert werden kann. Das hat im Winter überdies den Vorteil, dass ein kleiner Heizlüfter für etwas wohlige Wärme sorgen kann.

Unterstützung

Ich bin immer noch ganz beeindruckt von den vielen Eindrücken, die ich bei der Sonnen- und Mondbeobachtung sammeln konnte. Und dies umso mehr, wenn ich bedenke, wie viel Arbeit und Herzblut in alledem steckt. Und das nicht allein für das eigene Hobby, die Astronomie, sondern für Interessierte und Neugierige, wie ich eine bin. Nicht umsonst trägt die Hagener Sternwarte das „Volk“ im Namen.

Um den Verein und seine vielen kostenlosen Angebote – von den in dieser Reportage beschriebenen Beobachtungen über Vorträge bis zu Themenveranstaltungen – zu unterstützen, kann man spenden und natürlich auch Fördermitglied werden. Eine ganz besondere Unterstützung kann durch eine Sternpatenschaft unternommen werden.

In den Sommermonaten (bis 30. September 2013) ist die Sternwarte jede Woche mittwochs von 19 bis 21 Uhr und sonntags von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Weitere Programmhinweise und Infos zur Sternwarte sind unter www.sternwarte-hagen.de zu finden.