„Zu gut für die Tonne“ – Gewinnt Veith Kuhl Bundespreis?

Breckerfeld. (lz) Veith Kuhl hat seinen Traum verwirklicht. Aus einer fixen Idee entstand innerhalb von knapp drei Jahren ein Konzept, das sich bewährt. Denn Veith Kuhl verkauft Lebensmittel, die definitiv zu gut für die Tonne sind. In seinem Shop „Iss günstiger“ in der Illekatte 3 in Breckerfeld, der ursprünglich nur als Online-Shop geplant war, verkauft der Breckerfelder Produkte, die das Mindesthaltbarkeitsdatum bereits überschritten haben. Aber kauft der normale Verbraucher denn überhaupt bereits abgelaufene oder fehlerhafte Ware? Der Kundenzulauf in Breckerfeld zeigt: Ja! Sogar an einem Samstagmorgen hat Veith Kuhl gegen 10.30 Uhr bereits die ersten Kunden, die sich nach ungewöhnlichen oder den immer gleichen Produkten bei ihm umschauen.
Aus einer Idee wird Wirklichkeit
Begonnen hatte alles bereits 2014. Aus England kam die Ursprungsidee zum Verkauf von „approved food“, den sogenannten abgelaufenen Lebensmitteln. Nachdem der Familienvater, der eigentlich aus der Stahl­industrie kommt, das Konzept in England gesehen hatte, ging es ihm nicht mehr aus dem Kopf. Der Gedanke dahinter war ebenso einfach wie genial: Lebensmittel, die länger haltbar sind, als ihr Datum vorschreibt, auf ihre Qualität zu prüfen und günstiger zu verkaufen, damit diese nicht unnötig auf dem Müll landen. Überzeugt von seiner Idee, die er im Mai 2014 einem Freund erzählt, setzt er sich kurz darauf mit zwei weiteren Bekannten zusammen und schmiedet konkretere Pläne.
Darf man das?
„Wir haben zunächst recherchiert und uns die Frage gestellt: Darf man das in Deutschland eigentlich?“, erzählt Veith Kuhl. Ja, man darf. Zunächst stand der Plan, nur online zu gehen. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass die Nachfrage nicht nur im Netz offen stand. Also ging er mit seinem Team einen Schritt weiter. „Für alle Vorgänge mussten zunächst Zahlen kalkuliert werden, ob sich das alles auch lohnt“, fügt er an. Die Zahlen stimmten und so entstand innerhalb eines halben Jahres das Konzept für seinen Laden „Iss günstiger“.
Das große Projekt startet
Im alten DÜWI-Gebäude in Breckerfeld beginnt Veith Kuhl mit seinen befreundeten Planern als GmbH am 31. Februar 2015 mit gerade mal 50 Artikeln sein großes Projekt, um Lebensmittel nachhaltiger und umweltbewusster unter die Leute zu bringen. „Extrem schwierig“, sagt er, „ist es nach wie vor, an die einzelnen Artikel heran zu kommen. Besonders bei großen Discountern besteht fast keine Chance.“
Produktwahl und Haftung
Denn am Ende steht die Frage im Raum: Wer haftet, wenn ein Produkt doch verderbliche Inhaltsstoffe aufzeigt und in den Handel geht?
Genau deshalb überprüft Veith Kuhl selbst ganz genau, was er an den Mann oder die Frau bringt. „Reis ist zum Beispiel etwas, das besonders lange haltbar ist. Ein Produkt, das sich immer verkauft“, erzählt er. „Generell biete ich viele Trockenprodukte an – denn da kann man sich sicher sein: Denen passiert nichts.“
Ansonsten hat er neben regulären Artikeln auch viele unbekannte Namen im Sortiment, die von ihrer Verpackung her doch an das ein oder andere teure Markenprodukt erinnern. „Das ist oft Mängelware oder ließ sich so nicht auf dem Markt verkaufen“, sagt er. Und die Frischwaren wie etwa Torten und Pizza? „Mängelware oder Überproduktionen sind das. Eine Torte mit abgebrochenem Dekor kann man im Einzelhandel nicht verkaufen“, erklärt er. „Hier bekommen die Kunden das Produkt ohne Verpackung mit Mängeln die nichts am Geschmack oder der Qualität ändern.“
Ausbau in Aussicht
Auf den rund 200 Quadratmetern soll künftig noch mehr angeboten werden. „Gerade Tiernahrung wie Hundefutter ist sehr gefragt und ich hoffe, dass ich diesen Bedarf bald ebenfalls abdecken kann“, sagt er.
Außerdem ist ein Ausbau seines Geschäftes geplant. „Bisher erreiche ich Leute aus Breckerfeld, Ennepetal, dem Hagener Süden oder Schalksmühle. Wir planen allerdings einen Laden im Hagener Norden, um auch dort unser Sortiment anbieten zu können“, so Kuhl. Das hieße allerdings auch für den alteingesessenen Breckerfelder, dass er selbst nicht mehr jeden Freitag und Samstag im Laden steht, um sich mit seinen Kunden auszutauschen.
Für den guten Zweck
Gleichzeitig sammelt der Familienvater Spenden für den städtischen Kindergarten „Sterntaler“, den sein vierjähriger Sohn besucht. Die „Aktion Aufrunden“ läuft seit kurz vor Weihnachten. Lokal vor Ort sein und helfen. Dies hat sich Veith Kuhl mit seinem Unternehmen auf die Fahne geschrieben.
Bundespreis „Zu gut für die Tonne
Genau aus diesem Grund will er sich nun auch erneut für den Bundespreis „Zu gut für die Tonne“ bewerben. Letztes Jahr hat es trotz Bewerbung leider nicht zu einer weiteren Nominierung gereicht. Doch seit letztem März ist vor allem auf medialer Ebene rund um den Self-made-Verkäufer einiges passiert. Hat man denn nach so einem Erfolgsstart noch weitere Ziele? „Toll wäre es, unser Konzept von „Iss günstiger“ als eigene Marke zu etablieren“, meint Veith Kuhl. Bei soviel Engagement und gutem Willen dürfte doch dann eigentlich auch die Nominierung zum Bundespreis kein allzu weiter Schritt mehr zu sein.