Zu- und Reinfall

Die momentane politische Schlechtwetter-Lage hat einige schrille Vögel in den Fokus gerückt – etwa Trump in den USA, Orban in Ungarn, die seltsame neue Regierungschefin von Polen oder auch den AfD-Mann Höcke in Thüringen. Ach ja, und da ist doch ja auch noch – leider schon seit viel zu langer Zeit – ein gewisser Wladimir Putin in Russland.
Wenn Tilo ein Verschwörungstheoretiker wäre, wie zum Beispiel so mancher Pegida-Anhänger in Sachsen, würde er zwischen den Wahlerfolgen der AfD am Sonntag und dem russischen Neu-Zaren Wladimir I. einen roten Faden ziehen.
Die Einsätze, die Putin in Syrien befohlen hat, haben bekanntlich erhebliche Auswirkungen auf Europa. In Syrien trugen die Russen – wie letztendlich auch die Amerikaner – mit ihren Bombardierungen in gravierender Weise zu den Flüchtlingszügen bei, die die EU in eine ihrer bislang schlimmsten Krisen gestürzt haben.
Umso interessanter ist es, dass viele AfD-Anhänger eine unverhohlene Sympathie für Putin äußern. Und wer wiederum hat von den Wahlen profitiert, die ganz eindeutig unter dem Zeichen der Flüchtlingskrise standen? Genau! Die AfD.
Aber das alles ist sicherlich reiner Zufall.
Wie wir aus ersten Wähler-Analysen wissen, waren es vor allem eher weniger gebildete, häufig in Arbeitervierteln wohnende Männer, die der AfD ihre Stimmen gegeben haben – also Wähler, die früher hauptsächlich bei der SPD „geparkt“ waren. Sie hatten offenbar das Bedürfnis – wie auch an Hagener Stammtischen oft zu hören – „es Merkel und Gabriel so richtig zu zeigen“. Nun ja, ob dafür das Kreuzchen bei der AfD die richtige Methode ist?
Denn was wir bislang von ihrem neuen Parteiprogramm kennen – das als Entwurf vorliegt -, will die AfD zum Beispiel weniger staatliche Eingriffe in die Wirtschaft, weniger Sozialleistungen, den Ausbau der Atomenergie und eine Streichung der Erbschaftssteuer. Würde die AfD mit einem derartigen Programm erfolgreich sein, würden genau die Kreise die Zeche zahlen, die der AfD zuletzt hauptsächlich ihre Stimmen gegeben haben. Das ist dann weniger ein Zufall – eher ein Reinfall.
Apropos Reinfall – auf den kann sich auch Hagens SPD-Fraktionschef Mark Krippner vorbereiten. Schon vor einigen Wochen hörte Tilo von einem einflussreichen Genossen, Krippner sei dabei, in der Fraktion vor die Wand zu kacheln. Jetzt scheint sein Aus nahe zu sein – im April wird voraussichtlich über seine politische Zukunft abgestimmt.
Tilo