Zucker: Ein Rausch, der in Übergewicht endet

Zweifelsohne: Zucker ist lecker! Bei einer bewussten Ernährung sollte man aber statt zu Gummibärchen eher zum frischen Obst greifen. (Foto: BirgitH/pixelio.de)

Zweifelsohne: Zucker ist lecker! Bei einer bewussten Ernährung sollte man aber statt zu Gummibärchen eher zum frischen Obst greifen. (Foto: BirgitH/pixelio.de)

Hohenlimburg. (AnS) „Trinken Sie doch einfach eine Cola statt eines O-Saftes zum Frühstück“, lautet der provokante und nicht ganz ernst gemeinte Rat von Dr. Axel Kip, der kürzlich im Injoy-Studio in der Färberstraße einen Vortrag zum Thema „Zucker – Der weiße Rausch“ hielt.
„Ich esse so gut wie nichts und werde immer dicker,“ eine Aussage, die Axel Kip in seiner Praxis immer öfter hört. Kip ist Facharzt für Innere Medizin unter anderem mit den Schwerpunkten Diabetologie und Ernährungsmedizin. Immer öfter begegnet der Mann im weißen Kittel adipösen, also übergewichtigen Menschen.
Einen Eindruck, den die WHO bestätigt: 2016 starben 45 Millionen Menschen aufgrund von Adipositas, jeder Zweite allein in Deutschland ist übergewichtig. Erschreckende Zahlen mit erheblichen Folgen: Die Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Fettleber und Bluthochdruck nehmen zu.
Verursacher: Kohlenhydrate
Woran es liegt? „Das hat mehrere Ursachen“, erläutert der Mediziner. „Zum einen ist unser Körper noch auf Steinzeit-Modus programmiert. Ein Update hat bisher noch nicht stattgefunden“, schmunzelt er. Denn der Körper bildet auch heute noch Fettreserven – sozusagen für schlechte Zeiten. Da aber kaum noch Nahrungsknappheiten entstehen und zudem Bewegungsmangel vorherrscht, werden Menschen immer dicker.
Ein Irrtum der Vergangenheit: Fett sei für zu viele Pfunde verantwortlich. „Heutzutage weiß man, dass Kohlenhydrate Schuld sind.“ Hauptverursacher ist der Zucker, oft auch als Fructose in den meisten Lebensmitteln zu finden.
Leider sind diese Stoffe allzu oft für den Verbraucher versteckt und nicht sichtbar: „Oder wussen Sie, dass O-Saft und Smoothies mehr Zucker enthalten als beispielsweise Cola?“ Was die zuckerhaltige Limo natürlich nicht gesünder macht. Besser sei es tatsächlich, das Obst pur zu genießen.
Vitamine zum Naschen?
Auch andere Produkte hätten einen kritischen Blick auf die Zutatenliste verdient. Trinkjoghurt enthalte mal eben 24 Stück Würfelzucker, der Krautsalat kommt mit 17 Stück daher. Wenn man das mit dem Essverhalten – Fast- und Covenience-Food – kombiniere, komme man schnell über den empfohlenen Bedarf. Und dann schlüge die Waage schneller aus als einem lieb sei.
Auch die Werbung kritisiert Axel Kip. Angaben beim Zuckergehalt orientierten sich oft an Mini-Portionsgrößen und wer glaube, mit Gummibärchen gesunde Vitamine zu naschen oder vermeintlich gesundheitsbewusst dem Kind die tägliche Portion Milch in einem Riegel in die Schule mitgebe, sei auf dem Holzweg. Da könne man auch gleich ein Stück Schokosahnetorte essen.
Bewusster ernähren
Was also kann man tun, um den Kiloüberfluss mit gefährlicher Krankheitsfolge in Zaum zu halten?
Der bewusste Umgang mit Ernährung und Zuckerkonsum sei einerseits wichtig, als zweite Komponente gelte natürlich die Bewegung.
„Runter von der Couch rein ins Fitnesstraining!“, lautet deshalb der Rat des Arztes.
Auf zum Training
Besonders effektiv und eine Hilfe beim Abnehmen sei tatsächlich das Muskelaufbautraining – und dies in jedem Alter. Muskeln wirkten wie ein Medikament. Da würden noch Stoffe verbrannt, wenn der Körper bereits wieder zur Ruhe gekommen sei.
Dabei müsse der Mensch nicht zum Muskelprotz á la Arnold Schwarzenegger werden. „Schon zweimal die Woche je 30 Minuten Training reichen“, weiß der Arzt. Wer dann statt Apfelschorle Wasser zum Durstlöschen trinke, sei auf dem richtigen Weg.
„Lassen Sie sich nicht an der Nase herumführen. Seien Sie sensibel und lassen Sie sich motivieren“, gibt er seinen Zuhörern zum Abschluss mit auf den Weg. Damit der „Zuckerrausch“ eben nicht im Übergewicht endet.