Zwei Gewinner

Da hat die AfD ihren Bundespartei wohl kalkuliert in Köln, ausgerechnet kurz vor unserer Landtagswahl und interessanterweise am Wochenende der französischen Präsidentschaftswahl veranstaltet. Wahrscheinlich hatten sich Parteichefin Frauke Petry und ihr Mann, der umstrittene NRW-AfD-Big-Boss Marcus Horst Pretzell, ein tolles Signal erhofft. Doch diese Taktik ging von vorne bis hinten nicht auf. Weder konnte sich Petry durchsetzen noch kam Hilfe aus Frankreich – hier konnte die rechtsradikale Front-National-Frontfrau Marine Le Pen nicht die erhofften 30 Prozent einsacken, sondern gerademal 20 Prozent (was bekanntlich aber für Platz 2 reichte).
Bei der AfD musste gar ein neuer Star aus der Taufe gehoben werden: Alice Weidel. Die in einer lesbischen Partnerschaft mit zwei Kindern lebende, kühle Blonde vom Bodensee ist als Unternehemnsberaterin tätig und möchte die „politische Korrektheit“ unserer Tage am liebsten auf den Müllhaufen der Geschichte werfen. Heißt das, sie möchte Hetze noch salonfähiger machen? Man weiß es nicht.
All‘ ihren Niederlagen zum Trotz hat das Wahljahr 2017 schon jetzt zwei große Gewinner. Frauke Petry und Sigmar Gabriel. Die AfD-Vorsitzende hatte bereits im „Kölner Vorfeld“ auf ihre Kandidatur als Spitzenkandidatin verzichtet. Hat man Kay Gottschalk, immerhin Nummer vier auf der Bundesliste, am vergangenen Donnerstag in Tilos Nachbarstadt Iserlohn aufmerksam zugehört, weiß man, dass die AfD erst 2021 mit einer Regierungsbeteiligung plant. Warum also aus einer 2017er Wahl als Verliererin herausgehen, wenn man später doch (vielleicht) noch salonfähig werden kann, sprich: wenn Frauke Petrys gemäßigtere Töne womöglich gebraucht werden?
Nun ja, interessanter als in Köln war‘s eh am Sonntag in Paris. Nach Paris war übrigens auch Sigmar Gabriel bei seinem Antrittsbesuch als Außenminister im Januar gereist. Der Ex-SPD-Chef hat zwar vordergründig den Machtkampf mit Martin Schulz verloren. Doch wer ist nach der Bundestagswahl der strahlende Sieger, wenn der „Schulz-Zug“ weiter an Fahrt verliert und wieder nur als Juniorpartner in den Bahnhof der Großen Koalition einläuft? Der Außenminister wird dann höchstwahrscheinlich nach wie vor Sigmar Gabriel heißen.
Tilo