Zwei Männer, eine große Liebe: „Käfer“

Hagen. (anna) Was den 51-jährigen Hagener Ludger Sbilut und den 55-jährigen Bernd Hahn aus Schwerte innigst verbindet, besteht zwar nur aus altem Blech, verblasstem Chrom und ein bisschen Gummi, doch die Herzen der beiden VW-Veteranen schmelzen beim Anblick ihrer geliebten Käfer dahin.

Dieser alte jupitergraue Brezelfenster-Käfer (Baujahr 1952 Standard) dient der Brezelkäfervereinigung als Dienstwagen. Deren Vorsitzender, Bernd Hahn (l.), und der Organisator des Käfer-Treffens im Freilichtmuseum, Ludger Sbilut (r.), freuen sich am Wochenende auf möglichst viele Besucher. (Foto: Anna Linne)

Der Postbeamte Ludger Sbilut aus der Lützowstraße, der seit 1984 einen Käfer Cabrio Baujahr 1979 sein Eigen nennt, hatte die Idee zu dem Käfertreffen im Freilichtmuseum, an dem über 80 alte Modelle zu sehen sein werden. Als Mitglied der Brezelfenstervereinigung e.V. trommelte der Hagener Käfer-Fan viele Gleichgesinnte zum Treffen, das bereits gestern begonnen hat, zusammen. Auch der kaufmännische Angestellte Bernd Hahn, der 1985 einen Brezelfenster-Käfer Baujahr 1960 erwarb und ihn seitdem hegt und pflegt, wird im Freilichtmuseum mit dabei sein. Er war vor allem wegen der abwechslungsreichen Geschichte dieses Spar-Autos zu dem Fahrzeug gekommen. Er merkte schnell, dass es bundesweit eine regelrechte VW-Szene gab und tauchte mit Wonne in sie hinein: „Der VW Käfer ist ein von 1938 bis 2003 von der heutigen Volkswagen AG produziertes Automodell und war bis Juni 2002 mit über 21,5 Millionen Exemplaren das meistverkaufte Automobil der Welt, bevor ihn der VW Golf übertraf“, weiß Bernd Hahn. Die Käfer-Liebhaber haben sich in der Brezelvereinigung e.V. zusammengeschlossen, die Treffen organisiert und bei der Ersatzteilbeschaffung hilft. „Schon im Jahre 1986 kamen zu einem Treffen schon 900 Käferfreunde zusammen. Als Oldtimer schrieb der Käfer schon damals seine zweite Erfolgsgeschichte.“

Geschichte

„Die Ursprünge des VW Käfer gehen auf staatliche Bestrebungen des nationalsozialistischen Deutschland zur Schaffung eines für breite Bevölkerungsschichten erschwinglichen ’Volkswagens’, seinerzeit KdF-Wagen genannt, zurück“, weiß Bern Hahn. „Großen Anteil an der Entwicklung hatte Ferdinand Porsche, der allgemein als Schöpfer des Käfers bezeichnet wird.“

Der KdF-Wagen sei vor dem Krieg nicht mehr in Serie produziert worden, weil das im Mai 1938 gegründete Volkswagenwerk bei Fallersleben (heute ein Stadtteil Wolfsburgs) noch nicht fertig war. Im Zweiten Weltkrieg habe man dort Militärfahrzeuge und andere Rüstungsgüter hergestellt, so dass die serienmäßige Produktion des dann Volkswagen genannten Wagens erst im Sommer 1945 beginnen konnte.

„Bis zum Jahresende 1945 wurden 1785 Wagen hergestellt und an die Besatzungsmächte sowie an die Deutsche Post geliefert. Ab 1946 konnte der VW mit Bezugsschein zum Preis von 5000 Reichsmark auch privat gekauft werden, das entspricht einem heutigen Gegenwert von etwa 16.000 Euro“, erklärt Hahn.

Exportschlager

Mit dem Export in die USA und vielen anderen Ländern und infolge des sogenannten deutschen Wirtschaftswunders, für das der Volkswagen symbolhaft stand, erreichte die Käfer-Produktion in Wolfsburg und zahlreichen anderen Produktions- und Montagewerken in aller Welt ungeahnte Höhen. In den USA – nach Deutschland dem wichtigsten VW-Markt – erlangte der Käfer als billiges, nach dortigen Begriffen sparsames Vehikel, vor allem aber auch als Verkörperung einer „Gegenkultur“ zu den Straßenkreuzern, in den 1960er Jahren große Popularität.

Namensgebung

„So viel ich weiß, soll die New York Times in einem Artikel im Juli 1938 zum ersten Mal die Bezeichnung ’Käfer’ benutzt haben“, meint Hahn. „Der Bericht beschrieb damals die Vision von ’Tausenden und Abertausenden glänzenden kleinen Käfern, die bald die deutschen Autobahnen bevölkern sollten’.“

Nachdem der Wagen Anfang der 1950er Jahre mit wachsendem Erfolg in die USA exportiert und als erschwingliches, sparsames und robustes Gebrauchsauto populär geworden war, bürgerte sich dort der spöttisch-liebevoll gemeinte Spitzname „Beetle“ oder „Bug“ ein.

Bernd Hahn ist Vorsitzender der Brezelfenstervereinigung e.V. und fährt mit dem Dienstwagen-Käfer zum Treff ins Freilichtmuseum. (Foto: Anna Linne)

In Deutschland setzte sich die Bezeichnung „Käfer“ erst zur Abgrenzung gegen das 1961 erschienene Stufenheck-Modell VW 1500 (Typ 3) allgemein durch. Erst in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre, nachdem mit „Herbie, ein toller Käfer“ das Auto zum Filmstar geworden war, übernahm der VW-Konzern den inzwischen auch in Deutschland gängigen Namen für seine Werbekampagnen. Wenn man noch 1960 sagte, man fahre einen VW, war jedem klar, dass der Typ 1 gemeint war; denn das Volkswagenwerk baute außer dem VW-Bus (Typ 2) kein weiteres, anderes Modell. Der VW Käfer hat auch einige Spitznamen, in Deutschland wie zum Beispiel Kugel- oder Buckel-Porsche.

Erfolgsgeschichte

1945 bekam der VW-Produktionsstandort, an dem bereits 17.000 Menschen lebten, den Namen Wolfsburg. 1946 wurde der erste Käfer ausgeliefert (Standardlimousine, Typ 11„ Brezelkäfer“). Nach Beseitigung der massiven Kriegsschäden am VW-Werk lief die Produktion 1948 allmählich an. „Am 5. August 1955 wurde der einmillionste Käfer gebaut. Wie kaum ein zweites Produkt symbolisierte er das Wirtschaftswunder der Nachkriegsjahre im Westen Deutschlands“, erklärt Bernd Hase.

Der letzte Käfer aus Wolfsburg lief am 1. Juli 1974 nach 11.916.519 dort produzierten Exemplaren vom Band. Die Produktion wurde auf den VW Golf umgestellt. Gleichzeitig stellte VW in Deutschland die Weiterentwicklung des Käfers ein. Die für den deutschen Markt bestimmten Käfer kamen fortan aus Mexiko. Sie wurden in der altbewährten, aber besser ausgestatteten Version 1200 L (Luxus) mit 25 kW angeboten, die unter anderem wieder mehr Chromschmuck zierte. Die Mexiko-Käfer wiesen gegenüber dem letzten deutschen Modell nur einige kleine Unterschiede wie eine kleinere Heckscheibe und das Fehlen einer Innentasche in der Fahrertür auf. Der in Mexiko produzierte weltweit letzte VW-Käfer steht im Museum der Autostadt Wolfsburg.

Wer mehr zu den beliebten VW-Modellen wissen möchte, sollte am Samstag, 22. Oktober 2011, dem Freilichtmuseum einen Besuch abstatten. Dort werden über 80 Fans dieses Liebhaberautos gerne bereit sein, Ihnen Rede und Antwort zu stehen. Auch Initiator Ludger Sbilut freut sich mit seinem schwarzmetallic Käfer-Cabrio von 1979 auf Ihren Besuch.