1. Handwerkertag: Perspektiven aufzeigen

Letmathe. (hc) Gestern wurden die Zeugnisse in den Schulen ausgeteilt. Für viele Schülerinnen und Schüler heißt es nun, auf die Ausbildungsplatzsuche zu gehen. Gerade für die Absolventen der Hauptschule bietet das Handwerk einen zukunftssicheren Job. Deshalb haben die Agentur für Arbeit und die Hauptschule Letmathe den ersten Handwerkertag initiiert.
Informationen „frei Haus“
Am Donnerstag konnten sich die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen acht bis zehn bei verschiedenen Arbeitgebern in ihrer Schule informieren. Egal ob Gebäudereiniger oder Tischlerei, Tortenatelier oder Schornsteinfeger – viele Berufe und vor allem potenzielle Arbeitgeber stellten sich vor. Gut 200 Schüler nahmen das Angebot an und informierten sich. Dabei half es sehr, dass viele der Ansprechpartner nicht nur die Chefs der Unternehmen waren, sondern vor allem deren Auszubildende.
Vertrauensvoller Informationsfluss
So war es möglich, auf Augenhöhe miteinander zu reden. „Wir versuchen, alle Fragen zu beantworten. Die Lehrer wissen ja oft gar nicht, wie das so läuft. Wir können dann aus dem harten Alltag berichten“, erzählte Jessica Barra, die als Ausbildungsbotschafterin fungiert. Sie ist in ihrem dritten Lehrjahr als Friseurin und geht selbstbewusst und offen auf die Schüler zu. Dabei hat sie Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen ausgemacht. „Die Mädchen sind grundsätzlich interessierter. Ich verstehe es aber nicht. Jungs können genauso gut Haar schneiden und gerade beim Lockenwickeln haben sich einige auch nicht doof angestellt.“
Selbst ausprobieren war erwünscht
Damit sprach Barra einen ganz speziellen Aspekt der Veranstaltung an. Denn: Die zukünftigen Auszubildenden durften nicht nur Fragen stellen, sondern selbst ausprobieren. So geschehen, wie bereits angesprochen, beim Friseur oder auch beim Reinigungsdienst. Wer putzt schneller die aufgestellte Glasscheibe? Durch die praktische Erfahrung können die Schülerinnen und Schüler aber auch bereits Berufe ausschließen. So können Fehlschüsse bei der Ausbildung umgangen werden.
Arbeitgeber reagierten sehr positiv
Auch für die Arbeitgeberseite war die Veranstaltung von Anfang an sehr lukrativ. So berichtete Wolfgang Menzel von der Agentur für Arbeit, dass zahlreiche Unternehmen sich für diesen Handwerkertag interessiert hätten. „Durch die Uhrzeit konnten vor allem die kleineren Betriebe keine Kraft entbehren. Ich finde aber trotzdem, dass es sehr gut läuft“, erklärte Menzel mit Blick auf die zahlreichen Betriebe, die sich in den Räumen der Hauptschule befanden.
Bewerben direkt vor Ort
Ein großes Plus für die Schülerinnen und Schüler: Wer seine Bewerbungsunterlagen dabei hatte, konnte sie direkt vor Ort bei dem Unternehmen abgeben. Schneller, einfacher und vor allem persönlicher kann das nicht ablaufen.
„Ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass so viele Betriebe Interesse haben“, erklärte Schulleiter Ulrich Bödingmeier.
Er war sehr angetan von dieser Aktion und ermunterte seine Schüler immer wieder, die verschiedenen Stationen zu besuchen. Er hielt auch ein Sonderlob parat: „Sie machen das hier alles in ihrer Freizeit. Das finde ich bemerkenswert.“
Die allgemeine Beobachtung war auch, dass sich die Schülerinnen und Schüler grundsätzlich wohl fühlten an diesem Aktionstag. In den „heimischen“ vier Wänden und ohne Konkurrenzsituation mit Vertretern anderer Schulen wirkten sie gelöst und legten einen großen Teil ihrer Schüchternheit ab.
Bilanz (noch) aufgeschoben
Ob es eine Fortführung des Handwerkertags an einer anderen Schule geben wird, ist noch offen. Jörg Schuhmacher, Teamleiter der Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit, will zunächst einmal das Feedback der Schülerinnen und Schüler sowie der Arbeitgeber abwarten. „Manchmal macht man ja eine Aktion und die geht dann völlig an den Betroffenen vorbei. Hier gab es aber schon gute Gespräche im Vorfeld“, sagt er. Dabei bezieht er sich vor allem auf die Vorarbeit von Sabine Stähler, Berufsberaterin bei der Hauptschule Letmathe. Allerdings sieht Schuhmacher dieses Angebot eher Zusatzangebot zu der stattfindenden Berufsberatung. „Irgendwann sind die Kapazitäten ausgereizt“, sagt er. Grundsätzlich verschließt er sich aber nicht der Idee, solche Tage in den Schulen durchzuführen.
„Wie das Fazit wirklich ausfällt, dafür muss man wahrscheinlich noch drei bis fünf Jahre abwarten. Viele Schüler gehen weiter auf das Berufskolleg und erinnern sich vielleicht nach der schulischen Ausbildung an den heute geknüpften Kontakt“, sagt Klaus Klammer, Studien- und Berufskoordinator der Schule.