365 Tage in Betrieb: Arbeiten an Heiligabend in der Müllverbrennungsanlage in Iserlohn

Hermann Meermann arbeitet seit 29 Jahren bei der Abfallentsorgungsgesellschaft des Märkischen Kreises. Auch in diesem Jahr schiebt er, statt an Heiligabend unterm Tannenbaum zu sitzen, Schicht, denn bei der AMK in Iserlohn steht die Müllverbrennung an keinem Tag im Jahr still. (Foto: Lara Zeitel)

Iserlohn. (lz) Wenn am Heiligabend in den Wohnzimmern die Kerzen am Weihnachtsbaum entflammt werden und die Familie zum festlichen und besinnlichen Miteinander zusammen findet, stehen längst nicht alle Uhren still. Denn gerade an Weihnachten sind die Notdienste und Notfallversorger dauerhaft in Bereitschaft, und das bedeutet für viele Arbeit­nehmer, dass auch an den Feiertagen die Arbeit nicht zum Erliegen kommt. So zum Beispiel auch im Müllheizkraftwerk (MHKW) in Iserlohn. Seit der Inbetriebnahme im Jahr 1970 wird hier Müll abgeladen, sortiert und verbrannt.

Wie funktioniert das eigentlich alles?

Im Konkreten bedeutet das: An der Pforte registrieren sich zunächst die LKW mit den geladenen Müllsammlungen. Nach der Kategorisierung wird das Gewicht ermittelt. Durch die Abkippschächte gelangt der Müll in den 740 Quadratmeter großen Müllbunker. Von dort aus sortieren die Kranfahrer den Müll und schichten ihn um, damit mögliche Gär- oder Fäulnisprozesse verhindert werden und keine Brände oder gefährliche chemische Verbindungen entstehen. Das Team der Kranfahrer sitzt auch an Heiligabend im Glaskasten und schaut hinab in die Tiefe des Müllbunkers. Mit zwei riesigen Kraken wird der Müll umgeschichtet und in die drei Behälter der Müllverbrennung gehoben. Dort verbrennt er auf Rosten. Um die Stoffe, die bei der Verbrennung entstehen, nutzen oder umwandeln zu können, gibt es im Müllheizkraftwerk in Iserlohn verschiedene Filter und Wäscher.

Mit der „Krake“ schichten die Kranfahrer die Müllberge um. Damit werden Gärungsprozesse vermieden und mögliche Brände durch chemische Reaktionen verhindert. Auch an Weihnachten steht hier der Betrieb nicht still. (Foto: Lara Zeitel)

Umwandlung und Wiederverwertung

Die sogenannte fünf-stufige Rauchgasreinigung durch Elektrofilter, zwei Wäscher, Katalysator und eine zirkulierende Wirbelschicht führt am Ende dazu, dass alle giftigen Stoffe, vor allem gefährliche Dioxine, unschädlich gemacht oder umgewandelt werden. Der Rest wird durch den Schornstein nach außen abgegeben. Während dieser Vorgänge entstehen außerdem neue Wertstoffe, wie etwa Gips. Aus Abfall wird Wertstoff. Darüber hinaus produziert die Müllverbrennungsanlage Warmwasser und Fernwärme für die Region. „Das bedeutet, dass die Bürgerinnen und Bürger den Hausmüll, den sie entsorgen, am Ende selbst als Fernwärme im eigenen Zuhause wieder nutzen“, erklärt Anja Möhnle, die für die Öffentlichkeits­arbeit bei der AMK zuständig ist.

Viel Verantwortung

All diese Prozesse obliegen einer ständigen Kontrolle. Ohne die Umschichtung des Mülls auf der Kranführer­ebene können entzündliche Stoffe wie Öl oder Staub leicht zu Bränden führen. Damit in solchen Fällen frühzeitig eingewirkt werden kann, arbeiten die Mitarbeiter auch an den Feier­tagen im Schichtwechsel. Auch in der Schaltwarte ist rund um die Feiertage volle Einsatzkraft gefragt. „Hier läuft alles zusammen. Wir kennen hier jeden Knopf“, sagt Mitarbeiter Hermann Meermann und zeigt dabei auf die unzähligen blickenden Knöpfe des Schaltpults, das sich durch den ganzen Raum zieht. Seit 29 Jahren arbeitet er in der Giesestraße 10.

Auf dem Gelände der Müllverbrennungsanlage steht ein leuchtender Weihnachtsbaum. Sogar der Arbeitsplatz der Kranfahrer darf hier weihnachtlich geschmückt werden. Schließlich muss hier auch an Weihnachten im Schichtwechsel gearbeitet werden. (Foto: Lara Zeitel)

Zeit für die Familie?

Als langjähriger Mitarbeiter ist er die Schichten an Weihnachten gewohnt. „In diesem Jahr hab ich die Frühschicht“, erzählt er. Das bedeutet für ihn: Arbeiten an Heiligabend von 14 bis 22 Uhr. Ist da noch Zeit für Familie? „Als die Kinder kleiner waren, war es schwieriger“, sagt er. „Aber mittlerweile, wo sie groß sind, ist auch eine Bescherung nach 22 Uhr möglich. Das geht eben nicht anders. Man plant einfach schon Wochen vorher.“ Es spiele sich mit der Zeit ein, fügt er hinzu. Auch sein Kollege Ralitz sieht sich in der Pflicht. „Wir haben eben auch eine hohe Verantwortung“, sagt er.

Kleine Präsente

Und es gibt eine kleine Entschädigung: Neben Weihnachtszulagen können sich die fleißigen Weihnachtsarbeiter über einen Besuch der Geschäftsführung freuen. Und ein kleines Präsent gibt es obendrauf. Eine Geste, die sich nicht zuletzt in Treue auszahlt, denn trotz der Schichtarbeit an den Festtagen sind beinahe alle Mitarbeiter schon seit mehr als 20 Jahre bei der AMK in Iserlohn angestellt. Zusätzlich ist es den Mitarbeitern natürlich erlaubt, sich ihren Arbeitsplatz weihnachtlich zu dekorieren. „Nur die echten Kerzen bleiben aus“, witzelt Hermann Meermann. „Wegen der Brandgefahr.“ Auf die Feier­tage freut er sich dennoch. „Die Arbeit an Heiligabend gehört nun mal dazu, denn wir sind rund um die Uhr da – 365 Tage im Jahr, sieben Tage die Woche.“ Gut so, sonst wäre es ausgerechnet am Fest der Liebe und des Friedens bitterkalt in vielen Iserlohner Wohnungen.