50 Knöllchen und kein Ende

Vor Ingrid Höllmanns Tor an der Hans-Böckler-Straße wird regelmäßig falsch geparkt. Das schwarzgelbe Verbotsschild nutzt nichts. (Foto: Claudia Eckhoff)

Iserlohn. (clau) Ingrid Höllmann reicht es! Mindestens fünfzig Knöllchen hat sie schon kassiert, seit sie in Innenstadt-Randlage an der starkbefahrenen Hans-Böckler-Straße wohnt. „Ich bin nicht bereit, den maroden Finanzhaushalt der Stadt weiter mit ungerechtfertigten Strafmandaten zu finanzieren, vor allem, da ich das ohnehin schon ausreichend durch die Grundsteuer tue,“ erbost sich die Seniorin.

Ingrid Höllmann reicht es: Dreck, Alkoholsüchtige, Sachbeschädigungen – und eine wahre Knöllchenflut machen der schwerbehinderten Anwohnerin der Hans-Böckler-Straße das Leben schwer. (Foto: Claudia Eckhoff)

Seit fünfzehn Jahren lebt Ingrid Höllmann in dem Haus, in dessen Umfeld tagtäglich der Kampf um den bescheidenen Parkraum tobt.

„Hier ist immer alles zugeparkt“, seufzt die Hausbesitzerin. „Vom Langzeitparker bis zum Kurzparker, der nur mal eben in den Kiosk oder in die Apotheke springen will, parkt hier jeder, wo es gerade passt.“

Oder eben auch nicht passt. Der Westen der Iserlohner Innenstadt hat sich als Parknotstandsgebiet längst einen unrühmlichen Namen gemacht.

„Ganz extrem wird es in der Vorweihnachtszeit“, sagt Ingrid Höllmann. „Dann kommen zu den örtlichen Parkern auch noch die Beschicker des Weihnachtsmarktes und das Buden-Personal.“

Einfahrt oder doch eine Parkbucht?

Das Höllmannsche Haus mit der Nummer 47 verfügt seitlich über eine Einfahrt mit eisernem Tor. Daran prangt schwarz auf gelbem Grund der Hinweis, dass das Parken im Torbereich verboten ist. Vor dem Haus befindet sich ein Parkstreifen. „Der ist vor Jahren verschmälert worden, so dass man nun notgedrungen mit dem rechten Reifen auf dem Bürgersteig parken muss, wenn man nicht will, dass einem der linke Außenspiegel abgefahren wird“, warnt Ingrid Höllmann. Die Boden-Markierung am Ende des überaus schmalen Parkstreifens ist eindeutig: Hier befindet sich keine zusätzliche Parkbucht, sondern eine Einfahrtsschneise zum Tor.

„Das nutzt leider gar nichts“, stöhnt Ingrid Höllmann. „Diese Einbiegespur zu meinem Tor ist dauernd zugeparkt, so dass ich gar nicht rein- und rausfahren könnte.“

Sie selbst parkt daher meist fußläufig im Umfeld ihres Hauses, gern im Bereich der Heilig-Geist-Kirche – und kassiert auch dort regelmäßig das ein oder andere Knöllchen.

„Ich bin zu hundert Prozent erwerbsunfähig. Wenn ich größere Einkäufe habe, bin ich froh, das alles überhaupt allein ausladen zu können, geschweige denn es groß herumzutragen“, sagt die Iserlohnerin.

„Mein Parkraum“ vor eigenem Tor

In solchen Fällen parkt sie in dem, was sie „meinen Parkraum“ nennt, eben in der Einbiegespur zu ihrem Tor. Selbst dort hat sie aber in den vergangenen Jahren schon zweimal Knöllchen kassiert.

Ende November des letzten Jahres steckten wieder welche an ihrem Scheibenwischer: Einmal über 20, einmal über 25 Euro.

„Ich habe sofort Widerspruch eingelegt“, erläutert sie. „Ich habe der Stadt Iserlohn geschrieben, dass ich nicht mehr weiß, wo ich parken soll, da mein eigener Parkraum vor meinem Tor dauernd zugeparkt ist. Und ich wollte wissen, warum diese Falschparker vor meinem Haus nicht mit Knöllchen überzogen werden.“

In der amtlichen Antwort aus dem Rathaus heißt es, dass Ingrid Höllmann erstens davon ausgehen könne, dass im Zuge der Kontrolle alle Falschparker abgestraft worden seien. Dann heißt es weiter: „…wenn Fahrzeuge auf Ihrer privaten Fläche parken, kann und darf die Stadt Iserlohn nicht weiter tätig werden. Dies ist die Angelegenheit des Eigentümers. Im öffentlichen Verkehrsraum gibt es keine reservierten Plätze.“

So ging am 5. Dezember 2012 die sogenannte „Einlassungsmitteilung“ raus mit der erneuten Aufforderung die 20 und nochmals 25 Euro Strafe zu bezahlen.

Vor Ärger und Weihnachtsstress verdrängte Ingrid Höllmann die Angelegenheit, bis am 2. Januar ein Bußgeldbescheid aus dem Rathaus eintraf: Mit Mahngebühren hat sie nun 43,50 und nochmals 48,50 Euro an die Stadtkasse zu entrichten.

Dreck, Suff und anderer Ärger

Ihr reicht es in vielfacher Hinsicht: Aus vorbeirauschenden Autos fliegen vor allem nachts jede Menge Fast-Food-Verpackungen vor ihre Haustür. Sie fegt täglich. Zwei Mal jährlich versucht sie mit Hochdruckreiniger die Kaugummis vor ihrer Tür vom Bürgersteig zu entfernen. Jeden Tag sammelt sie auf der abschüssigen Straße den Müll der Kunden des nahen Kiosks ein und zieht reihenweise leere Schnapsflaschen aus ihren Blumenkästen. Was sie regelmäßig dort hineinpflanzt, ist meist in kürzester Zeit zerrupft oder geklaut.

Die besonders trinkfesten Kunden des Kiosks sitzen gern auf der doppelläufigen Eingangstreppe von Nummer 47 und lassen sich dort volllaufen. „Die haben dann Spaß an allem Möglichen. Da wird mir auch schon mal die Haustürklingel verschmort“, seufzt Ingrid Höllmann.