Ärztemangel in Iserlohn?

Iserlohn. (as/Red.) Der Kreis tut es. Jetzt macht auch die CDU in Iserlohn mobil. Sie fragt nach, ob Iserlohn ein Ärztemangel bevorsteht. Um einen Überblick über die Gesundheitsversorgung in der Stadt zu bekommen, erkundigt sich die Unions-Fraktion jetzt bei Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens. Wie schaut’s aus mit der Versorgung heute? Wie könnte sie sich entwickeln? Was kann die Stadt dazu beitragen, dass Hausarztpraxen auch künftig kein Auslaufmodell sind?

Immer mehr junge Ärzte zieht es in die großen Metropolen. Oder gleich ins Ausland. Die Folge: Viele Praxen in ländlichen Regionen, vom Hausarzt bis Facharzt, bleiben leer. „Der Besuch beim Arzt sollte nicht zum Problem werden“, sagt Fabian Tigges, Fraktionsvorsitzender der CDU Iserlohn. „Es ist wichtig, eine nachhaltige medizinische Versorgung der Bürger langfristig sicherzustellen.“

Aus diesem Grund hat die CDU-Fraktion eine Anfrage zum Status Quo der Gesundheitsversorgung an den Bürgermeister gestellt, um bereits jetzt schon möglichen Handlungsbedarf aufzudecken. Kernthemen des Antrages sind darüber hinaus die zukünftige Versorgungslage, eine mögliche Unterversorgung der Iserlohner Bürger durch zu wenig Allgemein- und Fachmediziner sowie die Kooperationsmöglichkeiten mit der Initiative des Märkischen Kreises zur Gewinnung von Ärzten. Dort ist man nämlich mit einem spannenden Modell nach vorne geprescht. Kreis-Politiker lassen augenblicklich überprüfen, ob junge Mediziner mit Stipendien ins märkische Sauerland gelockt werden können. Wer ein Stipendium bekommt, muss sich verpflichten, sich anschließend im Kreis niederzulassen. „Wir werden uns nach der Beantwortung der Fragen intensiv mit dem Thema befassen und, falls nötig, die Verwaltung mit einem Konzept beauftragen, um auch in Zukunft die gute medizinische Versorgung in Iserlohn sicher stellen zu können“, sagt Fabian Tigges.

Etwa jeder dritte Hausarzt in Westfalen ist über 60 Jahre alt und wird in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Dabei wird es für die scheidenden Allgemeinmediziner immer schwieriger, geeignete Nachfolger für ihre Praxen zu finden.

Um dem entgegenzuwirken, hat auch die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) jetzt eine Kampagne gestartet, mit der junge Ärzte für eine Tätigkeit in der ambulanten Versorgung gewonnen werden sollen. Unter dem Motto „Ich will Ihr Nächster sein: und übernehme Ihre Praxis“ informiert ein neues Online-Portal über alles Wissenswerte rund um eine Niederlassung als Vertragsarzt in der Region.

Der drohende Hausarztmangel ist ein bundesweites Problem, das aber vor allem ländliche Regionen betrifft. Laut Versorgungsatlas des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung wird von den 13.000 Hausärzten, die in den kommenden fünf Jahren in den Ruhestand gehen, statistisch nur jeder zweite einen Nachfolger für die Praxis finden. In Westfalen sind bereits heute etwa 300 hausärztliche Zulassungsmöglichkeiten nicht besetzt.