Alfons Destadt galt als Iserlohns Top-Grafiker

Iserlohn. (Red/clau) Einer der herausragenden Grafiker Iserlohns war Alfons Destadt. Sein kurzes Leben und vielfältiges Werk beleuchtet der dritte Teil der Wochenkurier-Reihe zur Stadtgeschichte anhand von Lebensbildern.

Der Künstler wurde am 23. Juli 1910 an der Mendener Straße 6 geboren. Hier im Elternhaus hatte er später auch sein Atelier.

In seinem Elternhaus an der Mendener Straße 6 hatte der Grafiker Alfons Destadt sein Atelier.(Foto: Tim Haacke)
In seinem Elternhaus an der Mendener Straße 6 hatte der Grafiker Alfons Destadt sein Atelier.(Foto: Tim Haacke)

Großes Talent

Der Junge besuchte zunächst die Volksschule Brüderstraße, später die Mittelschule, die damals auch in der Schule Brüderstraße untergebracht war .

Direktor Lorenz entdeckte schnell das außergewöhnliche Mal- und Zeichentalent des Jungen und förderte ihn. Nach der Schule machte Alfons Destadt eine Lehre bei der Firma Mengeringhausen als Volontär im Zeichenbüro. Er schaffte die Aufnahmeprüfung an der Kunstgewerbeschule Dortmund und studierte dort fünf weitere Jahre. An seiner nächsten Lebensstation, der Kunstakademie Leipzig, spezialisierte er sich auf den Bereich Grafik. Plakate und Firmenbriefköpfe wurden sein Spezialgebiet. Zur Ausbildung gehörten auch kalligrafische Studien. Destadts Stärke war die gotische Schrift.

Viele Spuren

Die Familie berichtet, dass er auch die große Grundsteinurkunde für die 1940 erbaute Heilig-Geist-Kirche an der Hans-Böckler-Straße angefertigt habe. Und dass die Bauernkirche ursprünglich dem heiligen Pankratius geweiht war, wissen die modernen Iserlohner erst wieder, seit Alfons Destadt mit seinen fundierten Schriftkenntnissen die alten Dokumente entschlüsselte.

Eine seiner wertvollsten Gaben an seine Heimatstadt war sicher seine Mitarbeit am Entwurf für das aktuelle Iserlohner Stadtwappen.

Ganz besonders ist Älteren noch seine Gestaltung des Plakates für die 700-Jahr-Feier der Stadt Iserlohn im Jahr 1937 im Gedächtnis. Dieses wurde auch als Titelbild für die Festschrift zum Jubiläum verwandt. Anlässlich dieses Stadtjubiläums erstellte Destadt außerdem noch eine Mappe mit Iserlohn-Motiven. Diese Linolschnitte wurden als offizielle Festgabe an Gäste überreicht.

Gut vernetzt

Nicht nur als Künstler, auch als Sportler hatte Alfons Destadt einen guten Namen. Er war Speerwerfer sowie 400- und 800-Meter-Läufer. Er fuhr Ski und war als Wasserballer Mitglied im Schwimmverein Iserlohner Heide.

Eine Zeitlang sprach man in Iserlohn von der sogenannten „Destadt-Staffel“. Sie bestand aus Alfons Destadt, seinem Vetter, dem Druckereibesitzer Gustav Destadt, dessen Bruder Herbert Destadt und dessen Sohn Friedrich Destadt. Alle nahmen an Iserlohner Stadtläufen teil.

Alfons Destadt war befreundet mit den Malern Robert Ittermann, Karl Tüttelmann und  Wilhelm Wessel sowie mit dem Goldschmied Peter Schneider.

Destadts Schwester Maria heiratete Hans Meierotto. Das Paar hatte die Kinder Klaus und Renate (heute verheiratete Brunswicker). Klaus Meierotto betrieb viele Jahre im elterlichen Haus an der Mendener Straße ein Tabak- und Pfeifengeschäft.

Lungenschuss

Im Jahr 1939 wurde der 29-jährige Destadt zum Wehrdienst eingezogen. Nach einigen Monaten kam er mit einem Lungendurchschuss zurück und durfte nach seiner Genesung in München weiterstudieren. Hier erlebte er den Widerstand gegen die Nationalsozialisten und die Hinrichtung der Geschwister Scholl. Er wurde wieder eingezogen, kam nach Den Haag und erstellte 1941 eine Mappe mit Kriegszeichnungen und Porträts.

Von den Niederlanden ging es für ihn an die Ostfront. In Russland wurde er ein weiteres Mal verwundet. In seiner Heimatstadt heiratete er 1943 Lilly Schultz. Aber der Krieg rief ihn erneut: Es verschlug ihn 1944 nach Italien. Dort wurde er erneut schwer verwundet. Der hoffnungsvolle Grafiker starb mit erst 34 Jahren am 24. August 1944 in Bologna.

Anmerkung

Dieser Text wurde gekürzt. Das Original hat Marlis Gorki aus diversen Quellen zusammengestellt für die Continue-Zeitung „Hören statt Lesen“. Anregungen, Ergänzungen, Fragen oder Tipps zu Alfons Destadt sind der Heimatforscherin willkommen unter Tel. 02371/ 32365.