Alfons Lütkoff: Ein Maler in braunen Zeiten

Iserlohn. (Red/clau) Der Künstler Alfons Lütkoff gehört zu
der Malergeneration, deren Entwicklung stark unter dem NS-Regime gelitten hat.
Mit ihm beschäftigt sich Marlis Gorki in der heutigen Folge der Wk-Reihe
„Lebensbilder“.
Alfons Lütkoff wurde 1905 als Sohn eines Volksschullehrers geboren. Er wuchs
im Mühlengang 13 mit vier Schwestern auf. Nach der katholischen Westschule,
wechselte er auf das Realgymnasium.
Lieber doch Lehrer
Als sein Vater starb, geriet die Familie in finanzielle Not. Lütkoff
studierte also Kunstgeschichte und Mathematik für das höhere Lehramt in Münster,
obwohl er lieber Künstler geworden wäre. Er war erst Meisterschüler bei Kay H.
Nebel an der Kunstakademie in Kassel und ging dann nach Berlin, wo er mithilfe
der Heinz-Schulte-Werming­sen-Stif­tung der Stadt Iserlohn an der
Staatlichen Kunstschule Zeichnen, Malerei und Werk­unterricht und
Marionettenbühne studierte.
Kunst im NS-Regime
Nach einer ersten Anstellung in Dortmund, wurde er 1934 an die Höhere
Landwirtschaftsschule in Lüdinghausen versetzt, wo man ihn zum Leiter der
Kreisbildstelle und Sachbearbeiter für Kunsterziehung im NS-Lehrerbund machte.
1937 sollte Lütkoff seine Partei-Tätigkeit nachweisen. Seine Wohnung sollte von
der Gestapo nach „verbotener“ Malerei durchsucht werden. Das verhinderte er,
indem er reichlich Alkohol anbot und einen Kurzschluss verursachte.
Abstraktes nur unter Pseudonym
Lütkoff wurde Studienrat an der Jungen-Oberschule in Herten und Beamter auf
Lebenszeit. 1940 wurde er Mitglied in der Reichskammer der bildenden Künste, was
ihn verpflichtete, mit realistischen Bildern an offiziellen Ausstellungen
teilzunehmen. Insgeheim malte er inspiriert von Picasso und Braque unter dem
Pseudonym Stefan Lagher seine meist abstrak­ten Werke, die er in der
Nazi-Zeit nicht zeigen durfte. Er trug sich mit dem Gedanken, freier Maler zu
werden, wurde aber 1945 erst einmal zum Volkssturm eingezogen. Seine Wohnung in
Herten wurde geplündert, viele seiner Bilder gingen verloren.
Endlich frei
Nach Kriegsende kam Lütkoff nach Iserlohn zurück. Zunächst musste er sich
Entnazifizierungsmaßnahmen unterziehen und bekam einen Arbeitspass als
selbstständiger Kunstmaler. Er wurde Mitglied der „Künstlervereinigung
Ruhr-Lenne“ in Iserlohn und im „Hagenring“ in Hagen.
1946 wurden seine Werke erstmals in Iserlohn ausgestellt, aber völlig als
„entartet“ abgelehnt. Lütkoff arbeitete als Restaurator und illustrierte die
„Sagen des klassischen Altertums“. Erst 1948 wurde er rehabilitiert und wieder
Kunsterzieher an der Oberschule und Dozent für Kunstgeschichte an der VHS
Herten. Er reiste durch Europa und organsierte Ausstellungen, die auch Werke von
Otto Pankok und Emil Schumacher zeigten.
Das Erbe
Nach der Pensionierung im Jahre 1968 zog die Familie nach Eiderstedt, wo
Alfons Lütkoff 1987 starb. Mit einer großen Werkschau ehrte die Stadt Iserlohn
2006 den Künstler. Den Nachlass von rund 200 Werken bekam die Stadt Iserlohn im
Jahr 2010 von seiner Tochter geschenkt. Das Stadtarchiv hütet den schriftlichen
Nachlass. Lütkoffs Werke wurden noch 2013/2014 in einer Ausstellung „Künstler in
der NS-Zeit“ gezeigt.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Text wurde stark gekürzt. Das Original
hat Marlis Gorki aus diversen Quellen wie z.B. von Uwe Haupenthal und Rainer
Danne u.a. zusammengestellt. Sie freut sich über Fragen oder Ergänzungen. Sie
ist erreichbar unter Tel. 02371/ 32365.