Alles im Griff? – Cool!

Iserlohn. (clau) „Jugendliche haben oft einfach wenig Ahnung vom Leben und vom Alltag“, sagt Anke Müller von der Verbraucherzentrale Iserlohn. Das erleben sie und ihre Kollegin Ingrid Höcker immer wieder, wenn sie kreisweit 9. und 10. Klassen oder das erste Jahr der Berufskollegs besuchen.

Das vom Kreis finanzierte Schulprojekt „Alles im Griff – Unterricht zum Umgang mit Geld“ wird schon seit einigen Jahren durchgeführt. Jeweils 90 Minuten dauern die Module. Themen sind Handyverträge, erste eigene Bude, Budgetplanung, Verträge im Internet, Konto und Zahlungsverkehr. Das Projekt will vorbeugen. „Es zeigt sich in unserem Beratungsalltag immer wieder, dass Jugendliche und junge Erwachsene ihre finanziellen Möglichkeiten leider leicht überschätzen“, so Ingo Döring, Leiter der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale in Iserlohn. „Sie schließen Handyverträge ab, die sie sich gar nicht leisten können. Oder sie achten beim Beziehen ihrer ersten eigenen ,Bude‘ nur auf die Kaltmiete und können am Ende die Nebenkosten gar nicht stemmen. Sie überziehen ihren Dispo und schon rutschen sie in die Schuldenfalle.“

Was kostet eigentlich Butter?

Alltags- und Finanzkompetenz soll das Schulprojekt den jungen Leuten vermitteln. Wie füllt man eine Überweisung aus? Wozu dient eine Rechnungsnummer dabei und wo muss sie hingeschrieben werden? Was ist ein Girokonto überhaupt und warum wird das Überziehen teuer?

„Schon das wissen viele junge Leute nicht“, berichtet Anke Müller aus ihrer Erfahrung in den Schulen.

Sie verblüfft die Schülerinnen und Schüler oft mit ganz einfachen Alltagsfragen wie: „In welchen Abmessungen wird eigentlich Butter verkauft und was kostet sie?“ – Keine Ahnung!

„Die jungen Leute sind eine finanzkräftige und deshalb von den Unternehmen heißumkämpfte Gesellschaftsgruppe“, so Anke Müller. Andererseits aber nähmen die Erwachsenen ihnen zu viel ab, ließen sie oft unselbstständig. Selbst wenn es dann brennt und die Experten der Verbraucherberatung helfen sollen, kommen oft die Eltern ohne ihre Kinder, die im Schlamassel stecken, zum Termin.

Schufa? Bloß nicht!

„Ich frage in den Klassen auch immer, wer die Schufa kennt“, sagt Anke Müller. „Was das genau ist, wissen sie meist nicht. Dass die aber irgendwie gefährlich werden könnte, ahnen sie.“

Was ist ein Mahnbescheid? Was ein Inkasso? Welchen Unterschied macht es, ob beim Bezahlen mit der EC-Karte die Unterschrift reicht oder die Pin-Nummer angegeben werden muss. – Alles das sollte man wissen. Wie so vieles andere auch, das zunächst „uncool“ erscheint, aber eben „krasse“ Folgen haben kann.

Im Laufe eines Jahres kann das Team der Verbraucherzentrale Iserlohn 60 solcher Schulbesuche im Märkischen Kreis durchführen. Alle Schulen bekommen jedes Jahr ein Angebot zugeschickt. Einige Schulen nehmen es regelmäßig an Anspruch, andere nie.

Termine sind noch buchbar

Oft machen sich engagierte Lehrer dafür stark, die Experten einzuladen. Manchmal kommt ein spezieller Themenwunsch direkt von einer Klasse. Auch interessierte Elternpflegschaftsvertreter ergreifen die Initiative. Im langsam auslaufenden Jahr sind noch einige Termine zu haben. Näheres dazu unter Telefon 02371 / 24271 oder per E-Mail an iserlohn@vz-nrw.de.

Für Einzelberatungen steht das Team der Verbraucherberatung Iserlohn am Theodor-Heuss-Ring 5 bereit. „Es ist wichtig, rechtzeitig zu uns zu kommen, wenn es Probleme mit Recht oder Finanzen gibt“, sagt Ingo Döring. „Bei uns muss man nicht Mitglied sein. Es gibt kein Drehkreuz, keinen Jahresbeitrag und kein Eintrittsgeld. Man kann sich bei uns auch für Freunde, die in Sachen Verträge, Geld oder Recht in Not sind, vertraulich Rat holen.“