Ansprechpartnerin mit Eisbrecherwirkung

Iserlohn. Ob windige Finanzvermittler, dubiose Anwalskanzleien oder dreiste Telefonanbieter: Für 9638 Ratsuchende war die Verbraucherzentrale in Iserlohn 2013 als Anlaufstelle „erste Wahl“.

Bei den außergerichtlichen Rechtsberatungen und -vertretungen standen Probleme mit Telekommunikationsanbietern im Mittelpunkt: Zumeist ging es um nicht nachvollziehbare Posten in der Rechnung oder um Probleme bei der Kündigung von Verträgen. Oftmals gab es mit den Unternehmen gleich mehrere Probleme.

Rechtsanfragen im Überblick

1324-mal war in der Verbraucherzentrale in Iserlohn nicht nur eine kurze Rechtsauskunft oder -information, sondern eine umfassende rechtliche Beratung oder Vertretung gefragt. Sind die Forderungen überhaupt und wenn in dieser Höhe berechtigt? Was tun, wenn der Vertrag Stolperfallen birgt? Im Jahresüberblick waren insbesondere Vodafone, die Deutsche Telekom sowie Telefonica/O2 diejenigen Anbieter, die in Iserlohn am häufigsten Anlass zu Nachfragen und Beschwerden gaben.

„Unsere Statistik zeigt nicht die Spitze, sondern nur einen Punkt auf der Spitze des Eisbergs“, erläutert Ingo Döring, Leiter der Beratungsstelle am Theodor-Heuss-Ring 5. Hinter jeder Anfrage, die sich hier niederschlage, verberge sich eine hohe Dunkelziffer von Verbraucherinnen und Verbrauchern mit ähnlichen Problemlagen.

Mit außergerichtlicher Rechtsberatung bekommt er und sein Team Verbraucherprobleme vielfach vom Eis. Die Anfragen und Beschwerden seien aber auch ein Fingerzeig, wo sich Fallstricke in Allgemeinen Geschäftsbedingungen auftun oder Gesetze Schlupflöcher für unlauteres Verhalten bieten. „Hier setzt sich die Verbraucherzentrale NRW ein, um Missstände branchenweit etwa auf dem Rechtsweg abzustellen oder um bei der Politik Nachbesserungen für mehr Verbraucherschutz zu reklamieren“,erläutert Ingo Döring die „Eisbrecherwirkung“ von Verbraucherarbeit.

Jüngstes Beispiel: Mit einer Klage gegen unwirksame Preisanpassungsklauseln in den Gassonderkundenverträgen von RWE hat die Verbraucherzentrale 2013 beim Bundesgerichtshof obsiegt. Geld zurück aus ungerechtfertigten Preiserhöhungen erhielten nicht nur die an der Klage beteiligten Kunden, sondern auch die Gaskunden anderer Versorger mit gleichlautenden Klauseln können auf Erstattung pochen.

Massenhafte Abmahnungen wegen vermeintlicher Urheberrechtsverletzungen bilanziert die Beratungsstelle auch 2013: So verschickte die Kanzlei Urmann und Collegen (U + C) im Dezember Schreiben, dass über die Plattform „redtube“ Pornofilme gestreamt und damit Urheberrechte verletzt worden sein sollten. Auch hier mutmaßt der Beratungsstellenleiter übrigens den Eisberg-Effekt: „Zu uns kommt nur der Punkt auf der Spitze des Eisbergs – der Rest ärgert sich, unterschreibt die geforderte Unterlassungserklärung und zahlt.“

Mit GTI, Glauch und Fefa gingen 2013 drei Reiseveranstalter pleite. Wie es um den Ausgleich für daheimgebliebene Kunden aussieht und was am Urlaubsort Gestrandete tun konnten – die Iserlohner Beratungsstelle der Verbraucherzentrale war eine gefragte Anlaufstelle rund um die Probleme bei Reiseveranstalterinsolvenzen. Auch als die Baumarkt-Kette Praktiker und deren Tochter Max Bahn im Sommer Insolvenz angemeldet hatten, wollten Kunden wissen, wie es um ihre Gewährleistungsrechte bestellt ist.

Neue Nummern für Verbraucher

Mit ihren Angeboten und Aktivitäten konnte die Verbraucherzentrale auch in Sachen Image punkten: Sie gilt als glaubwürdig und zuverlässig – die Menschen hierzulande attestieren ihr ein seriöses Image.
Mit der Einführung neuer Telefonnummern legt die Beratungsstelle die technische Grundlage für einen verbesserten Kundenservice. Unter der Nummer 02371 / 21941-01 gibt es ab sofort den direkten Draht zum Beratungsteam. Auch die Spezialberatungen Umwelt (Tel. 02371 / 21941-07) und Energie (Tel. 02371 / 21941-05) sind nun direkt erreichbar.