Arbeitsmarkt: Pflege sehr gefragt

Die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Iserlohn, Karin Käppel (Bildmitte) gab zusammen mit Volker Riecke, Geschäftsführer des Jobcenters, und Pressesprecherin Lena Brühl einen Überblick über die Entwicklung des Märkischen Arbeitsmarktes dieses Jahres und die Erwartungshaltung für 2013. (Foto: Rainer Stoye)

Iserlohn. (rasto) Mit rund 445.000 Einwohnern und in etwa 1060 Quadratkilometern Gesamtfläche zählt der Märkische Kreis zu den größten Landkreisen und gehört zu den industriell stärksten Regionen von Deutschland. Hier gibt es mehr als 21.000 selbständige Betriebe mit knapp 150.000 Beschäftigten. Die Hälfte davon ist im produzierenden Gewerbe tätig. Handel und Kfz-Betriebe stellen gut 16.600 Arbeitsplätze zur Verfügung, Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen folgen an dritter Stelle. Dank Erfindungsreichtum und Risikobereitschaft der Entscheidungsträger, sind in diesen drei Wirtschaftszweigen 69,6 Prozent sozialversicherungspflichtige Beschäftige (im Bund 49,5%) tätig. „Auch wenn der Arbeitsmarkt im Märkischen Kreis in 2012 an Dynamik verloren hat und die Arbeitskräftenachfrage sich abgeschwächt hat“, sagt Karin Käppel, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Iserlohn, „so rechne ich für das Jahr 2013 mit einem moderaten Abbau der Arbeitslosigkeit. Große Bewegungen dürften ausbleiben, die Zahl der Arbeitslosen wird sich um die 15.000 bewegen“.

Im Märkischen Kreis waren bis November 2012 durchschnittlich 14.924 Menschen arbeitslos. Das sind 224 Personen weniger als im Jahresdurchschnitt 2011. „Der Wintereinbruch Anfang Dezember und die nachlassende Dynamik dürfte allerdings den Jahresdurchschnitt noch leicht ansteigen lassen, sodass der Wert leicht über dem des Vorjahres liegen wird“, mutmaßt Karin Käppel. Auch Volker Riecke, Geschäftsführer des Jobcenters, vertritt dieselbe Meinung, die Zahl der Kunden, die Bezieher der Grundsicherung sind (Jobcenter MK; Sozialgesetzbuch II, Arbeitslosengeld II), wird steigen und leicht über den Werten des Vorjahres liegen.

Hohe Motivation und gute Qualifikation

Von der Agentur für Arbeit Iserlohn wurden 2012 (bis November) durchschnittlich 4.457 Personen betreut, im Gesamtjahr 2011 waren es 4.352. Davon sind 708 unter 25 Jahre alt. In 2011 waren es 563 Jüngere, die sich arbeitslos meldeten. „Da Ausbildungsabsolventen aufgrund hoher Motivation und guter Qualifikation von Arbeitgebern gefragt sind, kann man bei diesem Personenkreis eher von Übergangs- und nicht von Langzeitarbeitslosigkeit ausgehen“, erläutert Karin Käppel. Bei den über 50-Jährigen wird der Durchschnitt des Jahres 2012 (Januar – November 1.722) ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres (1.956 Personen) liegen.

Die Zahl der Personen, die Leistungen der Grundsicherung für Arbeitssuchende erhielten, ist um 350 Personen zurückgegangen. Mit 30.947 Leistungsempfängern hat das Jobcenter den niedrigsten Stand seit Einführung des zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II) im Jahr 2005 erreicht. Im Laufe des Jahres sank die Zahl der betreuten erwerbsmäßigen Personen um 160 auf 21.775. Auch die Entwicklung bei Bedarfsgemeinschaften ist positiv. Zwar liegt die Zahl um 104 über dem Vorjahr, doch ist dies mit 15.998 Empfängern der niedrigste Wert in diesem Jahr. „Der leichte Anstieg ist mit der veränderten personellen Zusammensetzung der Bedarfsgemeinschaften zu erklären“, verdeutlicht Volker Riecke. Der Anteil der Ein-Personen-Bedarfsgemeinschaft, der in 2008 bei 49,9 Prozent lag, ist in 2012 auf 52,2 Prozent angestiegen. Zum Jahresende 2012 sind 10.114 Menschen auf Leistungen des Jobcenter angewiesen. Damit hat sich die Zahl geringfügig um 58 (0,6 Prozent) erhöht. In NRW liegt der durchschnittliche Anstieg bei 1,7 Prozent.

Prognose: Kurzarbeit wird zunehmen

Maßgeblich beeinflusst durch die Abkühlung der Weltwirtschaft und den damit verbundenen Rückgang der Exportnachfrage, wurde die Wachstumsprognose für das Jahre 2013 zurückgenommen. Dadurch entstehen Risiken, die sich besonders bei exportorientierten Unternehmen bemerkbar machen. Im Märkischen Kreis werden – besonders beim verarbeitenden Gewerbe (Zulieferer Autoindustrie) – sowohl Arbeitsausfälle erwartet, als auch die Zeit der Kurzarbeit wieder zunehmen. Die Bundesregierung hat hier vorgesorgt und die Möglichkeit geschaffen, für Mitarbeiter Kurzarbeitergeld nicht nur sechs sondern zwölf Monate lang zu zahlen. Das bringt, trotz einer nachlassenden Konjunktur, mehr Planungssicherheit und hilft, keine Kündigungen aussprechen zu müssen. Die aktuellen Daten bei Anmeldungen zur Kurzarbeit zeigen mit rund 130 Betrieben und 2.300 Beschäftigten keine krisenhafte Entwicklung, obgleich der Beratungsbedarf in den Arbeitsagenturen weiterhin ansteigt. Der Höchststand lag bei 909 Betrieben mit 25.000 Kurzarbeitern.

Trotz geringerer Stellenmeldungen als im Jahr 2011 können sofort 1.925 sozialversicherungspflichtige Stellen besetzt werden. Vorausgesetzt, Arbeitssuchende bringen die nötige Qualifikation mit. „Unser Bestand an Stellen zeigt, dass es auch im kommenden Jahr Möglichkeiten zur Arbeitsaufnahme gibt. Doch wird sich wegen abgeschwächter arbeitsmarktlicher Dynamik die Arbeitssuche ein Stück erschweren“, erklärt Karin Käppel.

Agentur und Jobcenter setzen auf Umschulungen

Sowohl bei der Agentur für Arbeit als auch im Jobcenter will man verstärkt die Weiterbildung zu gesuchten Fachkräften in den Fokus stellen und auf jeden Einzelfall eingehen. In Abstimmung und enger Zusammenarbeit mit Arbeitgeberverbänden, Kammern und Kommunen wird man erfolgreich operieren. So wird es Umschulungen zum Berufskraftfahrer oder in Pflegeberufe verstärkt geben, weil hier der Bedarf besonders stark ist und diese Berufe zu den Wachstumsbranchen zählen.

Doch auch der demografische Wandel wird besonders drastische Herausforderungen stellen, geht es um den Bedarf von Fachkräften. Insbesondere der Märkische Kreis wird bis 2030 einen starken Rückgang der Bevölkerung zu verzeichnen haben und zu den Verlierern zählen. Laut Prognose wird es nahezu 58.000 Einwohner weniger geben. Arbeitgeber, die die Zukunft ihres Unternehmens planen, geben vermehrt an Jahren reiferen Menschen eine Chance und planen Arbeitszeiten nach den Bedürfnissen von Alleinerziehenden.

Auf dem Ausbildungsmarkt wird es, bedingt durch den doppelten Abiturjahrgang, mehr Bewerber als in den vorherigen Jahren geben. „Rund 1.200 Gymnasiasten werden sich zusätzlich um einen der Ausbildungsplätze bewerben, da nicht alle Abiturienten ein Studium aufnehmen möchten“, sagt Karin Käppel. „Das kann zu einem Verdrängungswettbewerb führen.“ Alle interessierten Jugendlichen sollten sich deshalb frühzeitig um eine Ausbildungsstelle kümmern.“ Eine sehr gute Möglichkeit bietet ein Praktikum. Bewerber können testen, ob es der richtige Beruf ist. Arbeitgeber stellen fest, ob der Jugendliche für die Ausbildung geeignet ist.