Iserlohn. Er macht, das sagt man wohl so in Norddeutschland, „Nägel mit Köppen“. „Ich möchte einer von euch sein“, sagt Dirk Matthiessen. Und irgendwie ist er das schon. Dirk Matthiessen, Mitte 50, gebürtiger Kieler, diplomierter Physiker, aber seit 19 Jahren in Norddeutschland im Stadtmarketing aktiv, ist seit dem 1. Dezember Iserlohner Bürger. Und seit dem 2. Januar Leiter des Stadtmarketings. Hier, in Iserlohn, möchte er Wurzeln schlagen. Und er möchte viel bewegen.

Stadtmarketing in Iserlohn – das ist nicht unbedingt eine Erfolgsgeschichte. „Genau diesen Bereich müssen wir nach vorn bringen. Das haben wir bitter nötig“, sagt Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens. Als er Dirk Matthiessen kennengelernt hatte, waren er, aber auch viele andere Entscheidungsträger schnell überzeugt: „Das ist ein Mann, auf den wir wirklich setzen können.“

Mit solchen Vorschusslorbeeren geht Dirk Matthiessen souverän um. Kein Understatement, wie man auf Neudeutsch gerne sagt, aber auch kein Fischen nach Komplimenten. Man merkt, dass er im Stadtmarketing kein unbeschriebenes Blatt ist. „Wir werden den Resetknopf drücken“, sagt er. Der Mann hat einen Plan. Und der heißt vor allem Kommunikation.

Wochenmarkt und Ladenlokal

Dirk Matthiessen möchte alle Menschen in Iserlohn mitnehmen auf eine Reise in die eigene Stadt. Wo sind sie, die Stärken, aber auch die Schwächen Iserlohns? Worauf kann man stolz sein? Woran sollte gearbeitet werden? Die alte Letmather und die neue Iserlohner Werbegemeinschaft möchte er einbeziehen in die Überlegungen, aber auch Wirtschaftsinitiativen, Vereine, kulturell Aktive. Doch damit längst nicht genug. Dirk Matthiessen möchte alle Menschen ansprechen. „Einen Stand auf dem Wochenmarkt“ plant der Mann aus dem Norden – um sich den Iserlohnern vorzustellen und nachzufragen, welche Wünsche den Menschen auf den Herzen liegen. Sein Büro ist zwar im Rathaus, eigentlich nur in Rufweite vom „Bürgermeister als oberstem Stadtmanager“, wie er formuliert, entfernt, doch er kann sich durchaus vorstellen, ein leer stehendes Ladenlokal in der Fußgängerzone für Sprechstunden zu nutzen. „Falls die Eigentümer dieser Ladenlokale mitspielen“, schränkt er ein.

Bürgerbeteiligung, das ist sein Zauberwort. Er möchte die Menschen mitnehmen und informieren. „Das ist Stadtmarketing“, sagt er. „Wir müssen unser künftiges Konzept auf Bürgerbeteiligung erstellen.“ Deshalb versteht er sich als „Streetworker auf höherem Niveau“.
Natürlich weiß er, dass es auf seinem Weg zu einem Konzept immer auch Probleme geben wird. Es sei ein „schwieriger Interessensausgleich“. Aber er möchte sich und sein Team „nicht zum Spielball diverser Institutionen machen“. Er zweifelt nicht, dass ihm das gelingt. Denn anders als in Pinneberg, wo er als City-Manager für einen Verein aktiv war, hat er die neue Stellung als Teil der Stadtverwaltung schon jetzt schätzen gelernt. „Wir haben aus dem Rathaus heraus die Power und das Mandat, viel zu bewegen“, sagt er.

Verkaufsoffene Sonntage haben Priorität

Er bewegt sich übrigens viel selbst. Mit dem Rad pendelt er zum Dienst im Rathaus. Zu Fuß ist er in ganz Iserlohn unterwegs. So möchte er seine neue Stadt erkunden. Und so ganz nebenher fasst er seine neuen Aufgaben an. Stichwort verkaufsoffene Sonntage. Sie wurden in der jüngsten Vergangenheit, jedenfalls in der Iserlohner City, von der Gewerkschaft Verdi abgeschmettert. „Wir arbeiten daran, dass wir künftig mehr als einen verkaufsoffenen Sonntag ermöglichen können“, sagt Dirk Matthiessen. Diese Gespräche und Verhandlungen haben für ihn Prioriät. Hier ist eine schnelle Entscheidung nötig, damit der Einzelhandel, aber auch die Bürgerinnen und Bürger Iserlohns eine Sicherheit haben.

Doch so nebenher ist er weiter auf Tour. Klinken putzen. Sich vorstellen. Er möchte wissen, wie die Iserlohner ticken. Was sie sich wünschen. Und ganz einfach „Nägel mit Köppen“ machen.