Besuch eines Filmteams aus Frankreich im Stadtarchiv Iserlohn (v.l.n.r.): Kameramann Nordine Bensmail, Stadtarchivar Rico Quaschny, Redakteur Alain Jeannin und Archivmitarbeiter Christian Gropp. (Foto: Stadtarchiv Iserlohn)

Iserlohn. Ungewöhnliche Gäste besuchten in dieser Woche das Stadtarchiv Iserlohn. Alain Jeannin, Redakteur von francetélévisions, der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt Frankreichs, und Nordine Bensmail, Journalist und Kameramann, kamen nach Westfalen, um in Iserlohn und Schwerte den Spuren der Nickelfabrikation nachzugehen.

Das Filmteam war auf die engen Verbindungen von Frankreich und Neukaledonien (Südsee) zu Dr. Theodor Fleitmann (1828-1904) in Iserlohn gestoßen. Fleitmann war zunächst Betriebsleiter eines Nickelwerkes in der Iserlohner Heide und hatte 1861 zusammen mit Heinrich Witte diese Firma an der Baarstraße erworben.

Er entwickelte unter anderem neue technische Verfahren, um eine größere Reinheit von Nickel zu erzielen. Seine Erfindung wurde auch als „Iserlohner Nickel“ bezeichnet. 1869/70 entstand eine Niederlassung in Schwerte, aus der im Zusammenschluss mit anderen Unternehmen 1902 die Vereinigten Deutschen Nickel-Werke AG entstanden, die als Deutsche Nickel GmbH bis heute in Schwerte produziert.

Die Iserlohner und Schwerter Werke von Fleitmann bezogen schon im 19. Jahrhundert Rohstoffe aus dem Ausland, unter anderem aus der französischen Kolonie Neukaledonien. Das Werk in der Iserlohner Heide gehörte seit 1884 der Nickel-Gesellschaft in Paris, in der NS-Zeit wurde es stillgelegt und verkauft. Auf einem Teil des Geländes der ehemaligen Nickelfabrik wurde später die Firma Jost ansässig, zudem entstanden ein Baumarkt und ein Supermarkt. Die „Nickelstraße“ verweist bis heute auf den traditionsreichen Industriestandort.

An die Familie Fleitmann erinnern in Iserlohn die „Theodor-Fleitmann-Straße“ und ein eindrucksvolles Grabmal auf dem Friedhof. Die beiden Villen der Familie an der Baarstraße wurden schon 1936 und 1974 abgebrochen.

Neben Literatur über Fleitmann bewahrt das Stadtarchiv Iserlohn etliche Akten, die bauliche und technische Veränderungen an der Nickelfirma seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dokumentieren.

Durch alte Lagepläne kann der Standort der Firmengebäude gut nachvollzogen werden. Begeistert war das Filmteam auch von einer französischen Dokumentation mit verschiedenen Fotografien, die 1932/33 vom Geschäftsführer de Thier in Iserlohn angelegt worden war.

Alain Jeannin und Nordine Bensmail werden aus den Film­aufnahmen nun einen Beitrag erarbeiten, der im Frühjahr im französischen Fernsehen und in Neukaledonien ausgestrahlt werden soll.