Aus Kunst und Eis wird „Eis-Kunst“

Iserlohn. (clau) Künstler sind sie beide. Farben und Formen und die Freude der Menschen an dem, was daraus wird, beschäftigen sie auf ganz verschiedene Art. Während der eine mit viel Sahne und Zucker arbeitet, verwendet der andere Leinwände, Holz oder Metalle.

„Eiskunst“ – so hat Giuseppe Quitadamo das Bild getauft, das nun als das größte und farbkräftigste seiner Werke die Blicke im Eiscafé San Remo am Marktplatz auf sich zieht. Das passt. An die essbare „Eiskunst“ erinnern seine intensiven Farbflächen: An Minze, an Vanille, an Kirsch. „Und an das blaue Kaugummi-Eis, den Renner der Kinder“, schmunzelt Miguel Silva Marques, Inhaber des Cafés.

Zufällig haben die beiden sich kennengelernt. Der italienische Maler und Bildhauer saß öfter im Eiscafé und labte sich an den eisigen Kunstwerken. Man kam ins Gespräch. Man sprach über Eis – und über Kunst. Und schon bald blitzte die Idee auf, Kunst im Eiscafé zu zeigen. „Eiskunst“ eben.

Käse-Pferdchen

Ein kurzer Besuch im Atelier des vielseitigen Iserlohner Künstlers Quitadamo überzeugte den Eiscafé-Chef vollends. „Ich war begeistert“, schwärmt er. Zu sehen gab es jede Menge Kunst der verschiedensten Stilrichtungen. „Ich mache das Unsichtbare sichtbar in alle Richtungen“, beschreibt Giuseppe Quitadamo seine Arbeit. „Mein Wille treibt mich, immer etwas Neues zu machen.“

Der aus Monte Sant‘Angelo gebürtige Italiener kam mit 14 Jahren nach Iserlohn. Hier erlernte er seinen Brotberuf und verdiente seinen Lebensunterhalt 25 Jahre lang als Werkzeugmacher. „Jetzt bin ich freier Künstler“, sagt er nicht ohne Stolz. Das Künstlertum liegt in der Familie. Giuseppe und sein Bruder, der heute als Künstler in Italien wirkt, haben viel gelernt von ihrer Großmutter, einer Korbflechterin. „Sie hat immer kleine Pferde modelliert und sie an die vielen Pilger verkauft, die unseren Ort besuchten“, erzählt Guiseppe Quitadamo. „Sie hat dazu einen sehr ungewöhnlichen Werkstoff verwendet: Käse.“

Später in Deutschland bildete sich der heute 59-Jährige immer wieder in VHS-Seminaren künstlerisch weiter. Im Laufe der Jahre konnte er seine Werke desöfteren in Ausstellungen zeigen.

„Jetzt ist mein Atelier so voll, dass ich mehrere Ausstellungen bestücken könnte. Das liegt alles wie im Dornröschenschlaf,“ sagt er.

Versuchungen

Aus dieser märchenhaften Ruhe hat den Künstler nun der Eiscafé-Chef gründlich aufgerüttelt. Luis Miguel Silva Marques stammt aus Portugal. Er lernte die Kunst der Eiskreationen in italienischen Eiscafés. Seit 2008 lebt er in Iserlohn. Jedes Jahr rührt er eine ganz neue eiskalte Versuchung zusammen. „Im letzten Jahr war es Joghurt mit Holunder-Beeren. Das geht geschmacklich in Richtung Amarena“, sagt er. Und dann lacht er: „Für dieses Jahr ist eine Überraschung zur Fußballweltmeisterschaft in Arbeit. Mehr kann man jetzt noch nicht verraten.“

Nur bis etwa Ende Juni sind die Bilder und Skulpturen von Giuseppe Quitadamo am Marktplatz ausgestellt. Die Kunstwerke von Eis-Meister Marques bleiben das das ganze Jahr über, bis sie eben auf der Zunge zergehen…