Baupläne in Iserlohn: Häuser statt Urwald?

Iserlohn. (as) Der Widerstand gegen die Bebauungspläne Auf der Emst hat früher als geplant Gestalt angenommen. Denn die Angst geht um, dass Sparkassentochter S-Probis als neue Eigentümerin des Geländes schnell und mit der Säge Fakten schaffen könnte. Sehr schnell hatte S-Probis zu einer Bürgerversammlung gebeten. Noch dazu zu einem unglücklichen Zeitpunkt: nämlich während der Fußball-Weltmeisterschaften, als nicht nur die Anlieger Auf der Emst viel lieber vor den Fernseh-Bildschirmen saßen.

110 Wohneinheiten auf engstem Raum

Die Bebauungspläne rüttelten viele der Anwesenden wach. 110 Wohneinheiten auf engstem Raum, davon 60 Eigenheime. Nicht die Sorgen um künftigen Dreck und Baulärm ließen bei den Anliegern die Alarmglocken schrillen. Vielmehr stellten sie sich die Fragen: Brauchen wir in Iserlohn noch einmal so viele neue Häuser und Wohnungen? Und: Darf man ein Waldgebiet einfach abholzen, um an seiner Stelle Häuser zu bauen und Straßen anzulegen?

Alexander Zimmer hat für die Bürgerinitiative „Rettet die grüne Lunge Dröscheder Feld/Auf der Emst“ Naturschutz- und Umweltbelange recherchiert. Mit seinen Zahlen, Daten und Fakten bringt er die ausdrückliche Zusage der S-Probis, hier sehr umweltschonend und -freundlich zu bauen, erheblich ins Wanken. Zunächst einmal: Die 52.000 Quadratmeter Naturwald speichern 65 Tonnen CO2 pro Jahr. Künftige Bewohner würden nichts binden, sondern 400 Tonnen CO2 produzieren – mindestens. Außerdem: Darf eine Stadt, die sich Waldstadt nennt, einfach so den Wald auf ihrem Stadtgebiet abholzen?

„Rettet die grüne Lunge Dröscheder Feld/ Auf der Emst“ - mit diesem Ziel treten die Mitglieder und Unterstützer der gleichnamigen Bürgerinitiative an die Öffentlichkeit. Wer sich informieren oder engagieren möchte, kann sie jederzeit ansprechen. Unser Foto zeigt einige Vertreter der Bürgerinitiative: (v.l.) Alexander Zimmer, Bernd Schulte-Ortbeck, Dieter Zeh, Uwe Albert, Alexander Kempny, Klaudia Kempny, Dr. Hartwig Osterheld, Dieter Görgen und Jürgen Kemmereit. (Foto: A. Schneider)
„Rettet die grüne Lunge Dröscheder Feld/ Auf der Emst“ – mit diesem Ziel treten die Mitglieder und Unterstützer der gleichnamigen Bürgerinitiative an die Öffentlichkeit. Wer sich informieren oder engagieren möchte, kann sie jederzeit ansprechen. Unser Foto zeigt einige Vertreter der Bürgerinitiative: (v.l.) Alexander Zimmer, Bernd Schulte-Ortbeck, Dieter Zeh, Uwe Albert, Alexander Kempny, Klaudia Kempny, Dr. Hartwig Osterheld, Dieter Görgen und Jürgen Kemmereit. (Foto: A. Schneider)

Erdwärme trotz Höhlensystem?

Uwe Albert, ebenfalls engagiert in der Bürgerbewegung, nennt weitere Punkte: „Erdwärme soll genutzt werden in der geplanten Siedlung“, sagt er und schüttelt den Kopf. „Wie soll das funktionieren?“ fragt er sich. „Unter uns befindet sich ein Höhlensystem.“ Schon damals, als er selbst hier gebaut habe, sei er darauf hingewiesen worden, dass es jederzeit zu „Absackungen“ kommen könnte.

Er weist zudem darauf hin, dass Baukosten Auf der Emst unter Umständen unberechenbar seien. „Unter uns befindet sich Fels. Wer einen Keller möchte, muss sprengen.“

Probleme mit Oberflächenwasser

„Känguru-Grundstücke“ nennt Bernd Schulte-Ortbeck die Bebauungspläne. „Sie sind winzig klein.“ Je kleiner die Grundstücke, desto größer die Versiegelung – darauf weist Alexander Zimmer hin: „Wir werden hier im Falle einer Bebauung Probleme mit dem Oberflächenwasser bekommen.“ Schließlich würden nicht nur Häuser gebaut. Als versiegelte Fläche gelten auch Straßen, Terrassen, gepflasterte Flächen… – wo soll hier Wasser versickern? Alexander Zimmer sieht keine Chance, dass selbst großzügige Kanäle Wassermassen, wie sie bei einem Starkregen anfallen, aufnehmen können.

Ein weiteres, gewichtiges Argument gegen ein weiteres Neubaugebiet in Iserlohn nennt Dieter Zeh: „Die Bevölkerungszahlen in Iserlohn sind rückläufig“, sagt er und fragt: „Wo sollen all die Menschen herkommen, die sich hier niederlassen?“ Er spricht vom Baugebiet an der Rauhen Hardt, Luftlinie noch nicht einmal einen Kilometer von Auf der Emst entfernt. „Dort ist etwa die Hälfte des Gebietes bebaut“, sagt er. „Wieso wird nicht erst einmal dort weiter gebaut?“

Viele Fragen treiben die Mitglieder der Bürgerinitiative um. Vor allem die wichtigste Frage: die nach dem Warum. Warum muss ein Waldgebiet für Wohnhäuser weichen, wenn anderswo Brachen zur Verfügung stehen? Die Frauen und Männer der Bürgerinitiative sind bereits angesprochen von Vertretern der Grünen im Rat. Sie möchten nun den Kontakt zu anderen Fraktionen und natürlich auch direkt zur Verwaltung suchen.

Die Sünden der Vergangenheit

Aber vor allem möchten sie ihren Standpunkt in die Öffentlichkeit bringen. Sie werben um weitere Mitstreiter ihrer Bürgerinitiative. Sie werden mit Unterschriftenlisten von Haus zu Haus gehen. Sie wollen demnächst mit einem Infostand auf dem Alten Rathausplatz in Iserlohn präsent sein.

Sie sind nicht gegen irgendetwas, sondern für den gesunden Menschenverstand. Oder, wie es Dieter Zeh formuliert: „Wir möchten nicht, dass sich die Sünden der Vergangenheit hier wiederholen.“

Informationen über die Bürgerinitiative und ihre Ziele gibt es per E-Mail: dieter.zeh@web.de.