Benzin im Blut

Iserlohn. (hc) Er gehört zu den besten Supermoto-Fahrern in Deutschland, seine Heimat ist aber Iserlohn. Jan Deitenbach (26) liebt den rasanten und technisch anspruchsvollen Ritt auf seinem Zweirad. „Supermoto ist eine Mischung aus 70 Prozent Straße und 30 Prozent Motocross“, erklärt er seinen Sport.
Begonnen hat er schon als kleiner Knirps. Mit vier Jahren fuhr er das erste Mal Motorrad, mit sechs sein erstes Rennen. „Wenn man als kleines Kind ein Motorrad sieht, dann möchte man am liebsten da raufklettern“, erklärt er die Faszination für den Motorsport auf zwei Rädern. Zum Sport ist er aber ganz klar durch seinen Vater gekommen. Der war selbst Rennfahrer, bis zu einem schweren Unfall, bei dem er ein Bein verlor. Doch er blieb dem Sport verbunden, war maßgeblich bei dem Aufbau des ADAC-Supercross in Dortmund beteiligt und legte die Renngene seinem Sohn in die Wiege.
Der blieb bis zum Alter von zwölf Jahren dem Motocross treu, dann wechselte er zur Königsdisziplin Supermoto. „Die Erfolgsaussichten waren besser“, erklärte er seine Beweggründe. Es reizt ihn bei der Disziplin, dass man mit der Motocross-Maschine sowohl auf dem Asphalt als auch im Gelände fährt. „Ich bin mit Leib und Seele Motorcrosser, Straßenrennsport ist nichts für mich.“
Neben dem Motorrad war er auch auf dem Rasen zu Hause. Beim VfK Iserlohn durchlief er zunächst einige Nachwuchsteams ehe er zur SG Grüne wechselte. Doch als seine Trainer ihn vor die Wahl stellten, fiel die Wahl sofort aufs Motorrad.

Debüt auf der großen Bühne

Den ersten großen Auftritt hatte er bei den offenen internationalen Deutschen Meisterschaften, wo er als 15-Jähriger der jüngste Gastfahrer in der Geschichte des Wettbewerbs wurde.
Doch dem schnellen Aufstieg folgten drei sehr magere Jahre. Von 2006 bis 2009 machte sich Deitenbach selbst sehr viel Druck, neben der Schule auch sportlich zu bestehen. Die Folge waren Verletzungen, mittelmäßige Platzierungen und Frust.
Erst mit dem Schulabschluss 2009 drehte sich die Karriere zum Positiven. Er wurde Mannschaftsweltmeister und wechselte in den Profi-Bereich.
Im selben Jahr wurde ihm eine ganz besondere Ehre zuteil. Als Mitglied eines Dortmunder Motorradclubs wurde er zur Wahl des Dortmunder Sportlers des Jahres nominiert – und gewann. „Das war schon eine große Überraschung, als da mein Name aufleuchtete“, erinnert er sich. Um so überraschender, da ein gewisser Mario Götze vom BVB ebenfalls nominiert war.
Während er bis dato in Deutschland und den Benelux-Ländern unterwegs war, kam nun das gesamte europäische Ausland dazu. Acht EM-Läufe, acht DM-Läufe und fünf bis sechs Einladungsrennen standen auf Deitenbachs Terminkalender. Dazu Training in Deutschland und der Schweiz.

Ausbildung zum Orthopädietechniker

Doch im Februar 2014 wechselte er aus dem Profilager wieder zurück zu den Amateuren. Der Grund ist leicht nachvollziehbar: Das Leben nach dem Rennsport sollte konkrete Formen annehmen. „In den ersten Profijahren hätte ich gut davon leben können, doch die Wirtschaftskrise hat uns schon ganz schön getroffen. Außerdem hatten einige Freunde und Kollegen Unfälle und standen dann vor der Entscheidung wie es weitergeht. Da hat es bei mir im Kopf angefangen zu rattern und deshalb ist die Entscheidung gefallen, die Ausbildung zum Orthopädietechniker zu beginnen“, erklärt er. „Mein Arbeitgeber steht auch voll hinter mir und hilft mir, meinen Sport auszuüben.“

Doppelbelastung als Teamchef

Dass er seinem Sport auch nach seiner sportlichen Laufbahn erhalten bleiben will, ist für ihn selbstverständlich. Mit seinem eigenen Team „JDMotorsports“ ist er bereits als Teamchef für drei weitere Fahrer zuständig. In der Wintersaison kümmert er sich um alles – bis hin zur Hotelreservierung.
Für diese Saison hat er aber selbst noch hohe Ziele. „Ich möchte noch einmal zur Mannschaftsweltmeisterschaft“, so Deitenbach. „Ich fahre zwar weniger Rennen, aber mit meinen 26 Jahren bis ich schon ein alter Hase. Und ich trainiere auf dem gleichen Level wie ein Profi.“
Apropos Profi – sollte sich noch einmal die Möglichkeit ergeben, den Sport unter professionellen Bedingungen zu betreiben, würde Deitenbach zugreifen.