Bewegte Bürger in Letmathe

Ulrich Luther (li) und Udo Gantenbrink stehen für die „Bürgerbewegung für Letmathe“. Immer mehr Letmather schließen sich ihnen an. (Foto: Claudia Eckhoff)

Letmathe. (clau) „Sicher geht immer mal wieder aus irgendeinem Grund ein berechtigter Aufschrei des Protestes unter der Bürgerschaft hoch, aber um bei der Verwaltung wirklich etwas zu erreichen, muss dieser Aufschrei eben organisiert sein. Und es braucht jemanden, der voraus geht“, so sieht Ulrich Luther den Sinn und Zweck der „Bürgerbewegung für Letmathe“.

Im März dieses Jahres formierte sich in Letmathe heftiger Bürgerprotest rund um den gefühlten „Ausverkauf Letmather Interessen“. Der damals im Raum schwebende Umzug des Bürgerbüros in den Gennaer Bahnhof war der Auslöser. Die Letmather sorgten sich um die ohne Bürgerbüro leer stehende und somit vielleicht am Ende dem Verkauf oder gar Abriss ausgelieferte historisch bedeutsame Trillingsche Villa. Auch die ungeklärte Zukunft des Gennaer Bahnhofs erhitzte die Gemüter und setzte reichlich Misstrauen gegen die Verwaltung im Iserlohner Rathaus frei.

Ein Sprachrohr

Der Bürgerunmut machte sich lautstark Luft. Die gutbesuchte Bürgerversammlung mit Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens im Saalbau schlichtete erst einmal die hohen Wellen. Und doch blieb die Frage, ob man nicht ein zusätzliches Sprachrohr braucht, um Letmather Bürgerinteressen Ausdruck zu verleihen. In der Folge wurde die „Bürgerbewegung für Letmathe“ ins Leben gerufen, die sich mit breiter Unterstützung etwa auf Seiten der Werbegemeinschaft und des Heimatvereins nun als Bindeglied zwischen Bürgerschaft und Verwaltung versteht.

Kein Aufwand

Ulrich Luther mit jahrelanger Erfahrung an der Spitze der Werbegemeinschaft im Rücken und Udo Gantenbrink, noch kommissarischer 1. Vorsitzender des Heimatvereins, haben mit Luigi Plantone als jungem Website-Gestalter die Sache in die Hand genommen. „Wir erheben keinen Mitgliedsbeitrag“, winkt Udo Gantenbrink ab. „Wir wollen gar keine Gelder verwalten, keine Jahreshauptversammlungen veranstalten und keine Feste organisieren.“

Einsatz für Letmathe

Der Volksgarten über Letmathe: Tagsüber gibt es hier Erholung und nachts Randale. Schon längst hätte der Park saniert werden sollen. (Foto: Claudia Eckhoff)

Sie wollen sich stattdessen ,kümmern‘, wie sie es nennen, und aufpassen, dass nichts verschlafen wird. Sie wollen darauf drängen, dass gefasste Pläne ausgeführt werden, dass Versprechen gehalten werden, dass Papier zu Taten wird.

„Die Verwaltung scheint oft darauf zu spekulieren, dass der Bürger am Ende still hält, dass Protest irgendwann einschläft“, mutmaßt Ulrich Luther. Und Udo Gantenbrink – „Man sieht ja, dass man etwas erreichen kann“ – zeigt sich entschlossen, notfalls widerspenstig zu werden, falls es Iserlohner Ratsherren zu schwer fallen sollte, versprochene Gelder auch tatsächlich in Letmathe statt in Iserlohn zu investieren.

Beispiel Volksgarten

Etwa im Volksgarten an der Berliner Allee. Nette Atmosphäre herrscht hier. Unter Sonnenschirmen und an Tischen, die von der Sparkasse Iserlohn gesponsert wurden, können sich die Parkbesucher an leckerem, selbstgebackenem Kuchen oder an allerlei Getränken erfreuen. Doch „hinter den Kulissen“ liegt mancherlei im Argen. Seit Jahren schon existiert ein Masterplan, wie der Park saniert und nach historischen Vorlagen neugestaltet werden soll. Das notwendige Geld ist bewilligt. Aber nichts passiert.

„Der Teich muss dringend ausgebaggert werden“, mahnt Ulrich Luther. „Im Sommer stinkt das Wasser und die Enten schlagen sich schon beim Schwimmen den Hintern auf!“

Der Park gehört der Stadt. Tagsüber zeigt er sich von seiner schönsten Seite: Spielplatz, Café, Musikmuschel, Entenschnattern, Jogger, Hunde… – Erholung pur unter uralten Bäumen.

Früher hat in der Musikmuschel vor jedem Konzert noch kurz ein Eimer weiße Farbe ausgereicht. Heute sind die Schmierereien nicht mehr schnell zu übertünchen. (Foto: Claudia Eckhoff)

„Und nachts kommen die anderen“, sagt Udo Gantenbrink erbost. „Die lärmen und saufen und verschmieren nicht nur die Musikmuschel, sondern auch gleich die Bäume. – Da muss etwas passieren! Wir haben die Schäden und die Scherbenhaufen jetzt fotografiert, stellen die Bilder online und werden alle Ratsherren damit versorgen.“

Lange Liste

Der Volksgarten, die Erschließung Gennas, das Projekt Lenneschiene, das die Letmather wieder der Lenne näher bringen soll, die Steinbrüche als eventuelles Naherholungsgebiet, die Zukunft des Bahnhofs es gibt viel zu tun.

„Wir haben bisher 1200 Rückläufe mit Beitrittserklärungen“, berichtet Ulrich Luther. „Aber ich bin erst zufrieden, wenn es 3000 sind. Man muss seine Ziele ganz hoch ansetzen, damit am Ende überhaupt etwas übrig bleibt. Warum also nicht in Zeiten von Fokushima darauf hoffen, dass wir in Letmathe eines Tages sogar Strom aus der Lenne gewinnen werden?“

Direkten Kontakt zur Bürgerbewegung gibt es entweder bei Ulrich Luther im Salon Luther an der Hagener Straße 21 oder zu Udo Gantenbrink in seinem Architekturbüro an der Reinickendorfer Straße 13.