Bitter-komischer Bühnenhit bringt sozialen Sprengstoff

Jungschauspielerin Sara Hiruth Zewde spielt in dem Theater-Thriller „Verrücktes Blut“ ausdrucksstark und überzeugend die Schülerin Latife. (Foto: Kulturbüro)

Iserlohn. Das Erfolgsstück vom Berliner Theatertreffen, der Ruhrtriennale und den Mühlheimer Theatertagen mit Tournee-Premiere im Parktheater Iserlohn! Die Kritiker sind sich einig: „Verrücktes Blut“ ist das Stück der Stunde! Eine Theaterproduktion, die mit sozialem Sprengstoff jongliert und zugleich grotesk, realistisch, bitter ernst und schallend komisch ist. Das stürmisch gefeierte Stück von Regisseur Nurkan Erpulat und Dramaturg Jens Hillje kommt jetzt in einer Produktion des Euro-Studio Landgraf am Mittwoch, 13. Februar 2013, um 19 Uhr, im Rahmen der Jugendtheaterreihe „Echt Krass! Theater4You“, in das Parktheater Iserlohn.

Schiller? Nur mit der Waffe!

In einem sozialen Brennpunktbezirk führt eine Deutschlehrerin einen zermürbenden Kleinkrieg mit ihren lernunwilligen Schülern, die sie nicht für den geplanten Schiller-Projekttag begeistern kann. Alle üblichen pädagogischen Mittel schlagen fehl. Einer wilden Meute gleich boykottieren die Schüler den Unterricht mit aggressiven, sexistischen Sprüchen.

Als zufällig einem Schüler eine Pistole aus der Tasche fällt, ergreift die Lehrerin die Chance und zwingt die Klasse mit vorgehaltener Waffe, Schiller zu rezitieren und so dessen idealistische Vorstellungen vom Theater endlich zu begreifen: „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“

Was folgt ist ein urkomischer, aufwühlender und bis zur letzten Minute spannender Theaterthriller, der die gängigen Klischees der gegenwärtigen Diskussion um Integration, Bildung und Migrationshintergrund vor- und immer wieder ad absurdum führt. Die Migrationsdebatte wird in das Klassenzimmer mit türkischen und arabischen Jugendlichen verlegt. Das Aufsehen erregende Stück pointiert die Interkultur-Debatte so virtuos wie witzig.

Radikal frech

„Verrücktes Blut“ wird zur Diskussion über Integration und Heimat, Ehrenmorde, Kopftücher, Gewalt und Moral. Erpulat begreift Theater als aktuelle politische Kunstform, als Abfolge von Befreiungsschlägen, die den Zuschauer zum Lachen bringen und ihm doch das eigene Denken nicht abnehmen wollen. „Verrücktes Blut“ in der Inszenierung von Tina Geißinger ist eine innovative, radikal freche und wahrhaftige Antwort auf die Frage, was Theater zum Thema Integration zu sagen hat.

Erpulat und Hillje sind sich einig: „In dem Stück geht es nicht um die Schüler. In dem Stück geht es nicht um die Lehrer. In dem Stück geht es nicht um die Schule. In dem Stück geht es um den Blick darauf, es geht um das Publikum.“

Pädagogisch begleitet

Um 18.30 Uhr findet eine kostenlose Einführung mit Gunther Kingreen im Löbbecke-Saal und im Anschluss an das Stück findet darüber hinaus ein Gespräch mit den Darstellern und der Regisseurin statt. Das Stück dauert 1 Stunde 45 Minuten und hat keine Pause! Das Parktheater Iserlohn bietet zu diesem Stück ein umfangreiches theater-pädagogisches Programm an: Einführungs-Vorbereitungsworkshop in der Schule (eine Doppelstunde), Einführungsveranstaltung, Nachgespräch mit Schauspielern und der Regisseurin, Textbuch zur Vorbereitung und noch mehr.

Die Aufführung wird unterstützt vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW, vom Kultursekretariat Gütersloh, dem Förderverein Iserlohn und dem Förderverein der Freunde Lions Iserlohn-Hemendis.

Weitere Informationen und Karten gibt es bei der Stadtinformation Iserlohn, Bahnhofsplatz 2, unter Telefon 02371/ 2171819 (Mo., Di., Mi. und Fr. 10 bis 17 Uhr; Do. 10 bis 18 Uhr; Sa. 10 bis13 Uhr), online unter www.parktheater-iserlohn.de oder an der Theaterkasse jeweils eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn. Ansprechpartnerin beim Kulturbüro der Stadt Iserlohn ist Anna-Maria Erkeling, Telefon 02371/ 2171911, Email: kulturbuero@iserlohn.de.