„Blaue Wolke“ hält Kesbern zusammen

Iserlohn. (clau) Mag rings herum die Welt zusammenfallen, in Kesbern ist sie noch in Ordnung. Das verdankt der Ortsteil in luftiger Höhenlage auch dem „Rauchclub Blaue Wolke“. Dass der mit Tabak nichts zu tun hat, muss Nico Rahmer immer wieder Nicht-Kesbernern erklären. Der 18 Jahre alte überzeugte Nicht-Raucher hat gerade die Pressearbeit für den Traditionsverein übernommen. In dieser Funktion betritt er frisch und unbekümmert Neuland. Den Verein mit dem rauchigen Namen dagegen kennt er bestens von Kindheit an. Sein Vater Michael – ein Raucher! – stand jahrelang der „Blauen Wolke“ als Vorstand vor.

Tabakwaren spielen gar keine Rolle im Kesberner „Rauchclub Blaue Wolke“. Zur Zeit seiner Entstehung war das aber anders.

Der Stenner-Gymnasiast Nico Rahmer, mit dem Verein aufgewachsen, seit zwei Jahren offizielles Mitglied und seit Januar nun auch Pressesprecher, weiß, wie es zur Gründung kam. „Fünf Pfeifenraucher trafen sich an den Wochenenden immer im Gasthof Daute“, erzählt er. „Im Jahr 1930 beschlossen sie, einen eigenen Verein zu gründen und gaben ihm den Namen ,Rauchclub Blaue Wolke‘. Sinn und Ziel sollte die Pflege der Dorfgemeinschaft sein.“

Das ist reine Männersache

Nico Rahmer ist überzeugter Nicht-Raucher. Das darf er auch sein in seiner Funktion als Pressesprecher des Kesberner „Rauchclubs Blaue Wolke“. Der 18-Jährige macht sich stark für den Traditionsverein, in dem - trotz des Namens - Tabak gar keine Rolle spielt. (Foto: Claudia Eckhoff)
Nico Rahmer ist überzeugter Nicht-Raucher. Das 18-Jährige ist Pressesprecher des Kesberner „Rauchclubs Blaue Wolke“, in dem – trotz des Namens – Tabak gar keine Rolle spielt. (Foto: Claudia Eckhoff)

Das hat sich bewährt und nach und nach den gesamten Ort ergriffen. Heute zählt der Verein rund 60 Mitglieder. Aufnahmekriterium ist nicht etwa der Umgang mit Tabak, sondern das Geschlecht – und der Wohnort natürlich.

„Mitglied werden können nur Männer“, so Nico Rahmer etwas verlegen. „Man muss zwar nicht aus Kesbern gebürtig sein, aber dort wohnen.“

Also gehören sicher alle Kesberner dem Rauchclub an? – Wohl nicht ganz. „Ich kenne schon eine paar Leute, die nicht im Club sind“, sagt der junge Vereinssprecher zögernd.

Auf der „Blauen Wolke“ ruht man sich nicht aus. Die Vereinsmitglieder pflegen ihren Ort bis hin zur Wartung der Bushaltestelle und des Sportplatzes. 1981 wurde gemeinsam der Dorfbrunnen errichtet, zwei Jahre später das Backhaus gebaut. Hier spielt sich das Dorfleben ab. Hier wird gefeiert – und regelmäßig Brot gebacken.

Pfingst-Gaudi am Brunnen

„Unser Pfingstfrühschoppen ist das größte Fest im Jahreslauf“, sagt Nico Rahmer. Hiermit lädt er auch alle Nicht-Kesberner für den Pfingstmontag, 25. Mai 2015, an den Dorfbrunnen ein. Von 8 bis etwa 13 Uhr sorgt der Rauchclub für Gemütlichkeit, Musik, Bratwurst, Kuchen und viel mehr in gastfreundlicher ländlicher Atmosphäre. Meist finden sich dazu viele Wanderer ein.

Der Verein hält die Männer zusammen: Drei bis vier Mal im Jahr versammeln sie sich allein, um Arbeiten im Dorf zu planen. Bei Festen und Ausflügen sind auch Frauen und Kinder willkommen. Jährlich einmal geht es auf Wanderschaft.

Und im Winter, wenn es schneit, holen die Männer vom Rauchclub schon mal die Schlitten raus. „Einer besorgt Glühwein und ein anderer Bratwurst und dann rodeln wir“, verrät Nico Rahmer.
Eine Einnahmequelle ist der Toilettenwagen, den der Verein bestens in Stand hält und vermietet. Anfragen hierzu nimmt man im Gasthof Daute an.

Kesbern ist beneidenswert. Das Dorf hält zusammen. Der Traditionsverein leidet nicht an Mitgliederschwund. Im Gegenteil: Er findet sogar für das Ehrenamt engagierten Nachwuchs frisch von der Schulbank.