Blick auf ein Jahr der Bestmarken Arbeitsagentur: Neun Prozent weniger Arbeitslose

Iserlohn/Hemer. (as) „Wir haben alle damit gerechnet, dass 2018 ein gutes Jahr wird, aber dass es so gut wird…“ Sandra Pawlas, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Iserlohn, sagt nicht einfach „so“, sondern zieht das Wort in die Länge: „sooooo“. Das haben die Zahlen, die sie gemeinsam mit Volker Riecke, Geschäftsführer des Jobcenters Märkischer Kreis, verkündet, auch verdient: Im Jahr 2018 lag die Zahl der arbeitslosen Menschen im Märkischen Kreis im Jahresdurchschnitt bei 13.393 Personen. Das sind neun Prozent weniger als noch 2017. Damit schießt der Märkische Kreis zwar nicht den Vogel ab, liegt aber im nord­rhein-westfälischen Kreisranking durchaus bei den Spitzenplätzen. Immerhin konnte die Zahl der Arbeitslosen in ganz NRW „nur“ um 7,2 Prozent gesenkt werden.

Quote liegt bei 5,9 Prozent

Die Arbeitslosenquote im Märkischen Kreis liegt bei 5,9 Prozent. Im Vorjahr rangierte sie noch bei 6,5 Prozent. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg im vergangenen Jahr um 2,4 Prozent. Damit seien 85,3 Prozent der Arbeitnehmer im Märkischen Kreis sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die Arbeitsagentur-Chefin blättert durch das vor ihr liegende Zahlenwerk, wirft immer wieder einen Blick auf Agentur-Pressesprecherin Lena Brühl: „Hatten wir so etwas schon einmal?“ Die Presse- und Marketing-Fachfrau zuckt mit den Schultern: „In den vergangenen Jahrzehnten jedenfalls nicht.“
Strahlen ist angesagt. „2018 hat Bestmarken hervorgerufen“, sagt Sandra Pawlas. Und trotz Brexit und Trumpscher Misstöne sei die Stimmung in der Wirtschaft weiterhin gut. Sie gehe auch für 2019 von einer sinkenden Arbeitslosigkeit aus, sagt die Agentur-Chefin. Allerdings moderater. Nicht wieder um neun Prozent.

Sehr zufrieden blickt auch Volker Riecke auf das vergangene Jahr. „Die guten Beschäftigungschancen auf dem heimischen Arbeitsmarkt führten dazu, dass auch der vom Jobcenter betreute Personenkreis hiervon profitiert hat“, sagt er. Gegenüber 2017 ist die Anzahl der vom Jobcenter betreuten sogenannten erwerbsfährigen Leistungsberechtigten im Alter zwischen 15 und 65 Jahren um 5,0 Prozent auf 21.582 zurückgegangen. Dabei handelt es sich nicht um eine „beschönigte“ Zahl. Denn in ihr enthalten sind auch all die Menschen, die zurzeit in einer Qualifizierungsmaßnahme stecken oder krank geschrieben sind. Besonders profitiert habe die Gruppe der jungen Menschen unter 25 Jahren. Riecke meldet ein Minus von 17 Prozent.

Besonders erfreulich aber sei der Rückgang der Arbeitslosigkeit bei der Gruppe der Langzeitarbeitslosen. „Gegenüber Dezember 2017 hat die Zahl der Menschen, die bei uns als langzeitarbeitslos geführt werden, um 405 beziehungsweise um 7,8 Prozent abgenommen“, sagt der Jobcenter-Geschäftsführer.

Einstellungskriterien verändert

Natürlich spiele die Konjunktur seinem Team in die Hände. „Die Arbeitgeber haben ihre Einstellungskriterien verändert“, sagt Volker Riecke. Oder, wie es Sandra Pawlas formuliert: „Man kann nur mit den Mädchen tanzen, die da sind.“ Da wird dann eben nicht nur auf das Geburtsdatum geguckt. So bekommen auch ältere Kandidatinnen oder Kandidaten eine Chance. Auch Bewerber ohne Abschluss könnten durchaus vermittelt werden. „Diese Personengruppe ist hoch motiviert. Wenn diese Menschen eine Chance bekommen, bleiben sie bei der Stange“, sagt Riecke.

Wenn die Konjunktur eine Delle bekommt

Doch Vorsicht. „Wenn die nächste Krise kommt, sind die Beschäftigten ohne Berufsausbildung am ersten wieder von der Arbeitslosigkeit betroffen“, sagt der Jobcenter-Geschäftsführer. Er wünscht sich mehr Nachhaltigkeit – mehr Umschulungen oder Ausbildungen auch im höheren Alter. Denn ungelernte Arbeiter seien immer Wackelkandidaten, wenn die Konjunktur plötzlich eine Delle bekommt. Facharbeiter hingegen säßen sicher in ihrem Arbeitsplatz-Sattel. Er hofft, dass das am 1. Januar neu in Kraft getretene Teilhabechancengesetz gerade Langzeitarbeitslosen deutlich verbesserte Fördermöglichkeiten verschaffe.
Eine Qualifizierung von möglichen neuen Mitarbeitern ist aber nicht in allen Branchen einfach umzusetzen. Sandra Pawlas erzählt von einem recht kleinen Malerbetrieb. Der Inhaber suchte händeringend Arbeitskräfte, um die Aufträge erfüllen zu können. Ausgebildete Maler und Lackierer jedoch gab der Kundenkreis der Arbeitsagentur nicht her. Man schlug dem Mann vor, einen begeisterten Kandidaten weiter qualifizieren zu lassen. Der Arbeitgeber jedoch musste passen. Er brauchte ganz konkrete Hilfe, weil die Auftragsbücher voll sind und niemanden, der vielleicht in ein oder zwei Jahren als qualifizierte Fachkraft zur Verfügung steht.

Werben für Qualifizierungen

„Die Suche nach dem geeigneten Personal gestaltet sich schwierig“, sagt Sandra Pawlas. Deshalb wird sie nicht müde, für eine Qualifizierung zu werben. Denn es mangelt an Fachkräften im Märkischen Kreis. Besonders betroffen sind der Bereich Gesundheit, also Ärzte, Alten-, Gesundheits- oder Krankenpfleger beziehungsweise medizinische Fachangestellte. Nahezu jede Fachkraft aus dem Metall- und Elektrobereich wird mit Handkuss genommen. Im Bereich der Berufskraftfahrer herrscht eine riesengroße Nachfrage. Ingenieure werden händeringend gesucht. Das komplette Hotel- und Gaststättengewerbe klagt über zu geringe Bewerberzahlen. Und nahezu alle Berufe aus dem Bauhaupt- und -nebengewerbe oder dem Handwerk können quasi fofort vermittelt werden – ganz gleich, ob Elektroinstallateur, Garten- und Landschaftsbauer, Friseur oder Gebäudereiniger.
„Qualifizierung“, sagt Sandra Pawlas, „ist und bleibt das A und O“. Wenn es gelingt, viele Menschen weiter zu qualifizieren, kann auch 2019 ein tolles Jahr nicht nur für Agentur für Arbeit und Jobcenter werden.