Bobbys Legendäre Nacht-Geschichten

Iserlohn/Hemer. (clau) Er könnte sich längst ganz aufs
Angeln verlegen, aber er kommt einfach nicht raus aus seiner Haut. Jahrzehnte
lang kannte man ihn von hier bis Düsseldorf als „DJ Bobby“. Dieses zweite Ich
kann er einfach nicht an den Nagel hängen.
Kloth heißt er mit bürgerlichem Nachnamen. Aber schon beim Vornamen winkt ab.
„Einfach DJ Bobby – unter dem Namen bin ich eben bekannt wie ein bunter Hund“,
meint er. Und das ist wahr.
Bis heute berufen
„DJ Bobby? – Oh, der ist doch eine echte Legende!“, wissen noch viele in
Iserlohn und Hemer. Man munkelt, er habe die Massen zum Tanzen und Feiern bewegt
wie kein zweiter und wahrlich heimische Nacht-Geschichte geschrieben.
Das tut er bis heute.
Er ist immer noch eine große Nummer am Mischpult, am „Plattenteller“. Jeden
zweiten Sonntag im Monat legt er im Auftrag der Stadt Hemer nachmittags ab 15
Uhr beim „Tanztee 50 Plus“ im Jugend- und Kulturzentrum in der Parkstraße auf.
Und er schmeißt wie in jungen Jahren noch alle Arten von Feiern und jede
Hochzeit bis hinein ins Münsterland oder bis nach Hamburg hinauf. Die
Musik-Macherei zieht ihn immer noch an wie das Licht die Nachtfalter. Er kann
nicht ohne.
Erst mal Milchbar
Konditor sollte der Junge werden. „Da hast du immer was zu essen“, hatten ihm
in den Nachkriegsjahren in Köln seine Eltern geraten. Nach der Lehre arbeitete
er in der Dom-Stadt in einer Milchbar, machte Shakes und Eisbecher fertig und
war zufrieden.
Aber dann wurde in Aachen die erste Diskothek Deutschlands eröffnet und
machte Furore. Das juckte den Milchbar-Chef. Er kaufte eine Anlage, um einmal im
Monat auch seinen Laden in eine Tanzfläche zu verwandeln. „Dann hat er
rausgefunden, dass ich von allen Jungens die beste Stimme für das Mikro hatte,
und schon war‘s um mich geschehen“, erzählt DJ Bobby.
Kurz darauf wurde die erste Diskothek Kölns eröffnet. Und der junge
Milchbar-DJ hatte einen richtigen Job am Plattenteller. „Auf der Bahnfahrt zu
einem Auftritt in Süddeutschland habe ich mir dann meinen Künstlernamen
ersonnen. ‚Bobby‘ fand ich einprägsam und es war eine gute Wahl“, sagt er.
Total parfümiert
Wenn er anfängt zu erzählen, wie es weiterging mit seiner Karriere, fliegen
die Jahre nur so dahin: Wilde Zeiten am Bodensee mit einer verrückten
„Gammler-Szene“, die auf den Tanzflächen Drinks schnorrte und spätnachts
Lagerfeuer-Partys am Seeufer feierte, hat er miterlebt.
Dann die große Liebe: Für über einhundert Mark musste der junge Kölner damals
in einer Konstanzer Parfümerie einkaufen und sich beraten lassen, bis er endlich
das ersehnte Date mit der Verkäuferin hatte. Sie kam aus Nordrhein-Westfalen.
Dort zogen die beiden zusammen hin.
Neuzeit im Café Hübner
Das Iserlohner Café Hübner, vormals eine hoch-exklusive Tanzadresse an der
Unnaer Straße, suchte einen, der mit der richtigen Musik die Leute zeitgemäß zum
Tanzen bringt. Dort hat DJ Bobby Geschichte geschrieben. „Kurz bevor wir abends
aufmachten, war so ein Wahnsinns-Andrang in den Straßen, dass die Anwohner nicht
in ihre Häuser kamen und regelmäßig die Polizei riefen“, erinnert er sich.
Chic war er damals: Groß, schlank, feiner Anzug, polierte Schuhe. Mit der
Zigarette lässig auf dem Zahn verstand er es, die Menschen mit Musik glücklich
zu machen und ihnen Flügel zu verleihen. Dabei blickte er weit über die
Nachtstunden hinaus. Sogar Deutschlands allererste Fußball-Damenmannschaft hat
er bei der Gelegenheit in Iserlohn ins Leben gerufen, ohne selbst auch nur das
kleinste bisschen von Fußball zu verstehen.
Der ewige Reiz
In späteren Jahren brachte DJ Bobby in Letmathe eine am Boden liegende
Diskothek wieder zum Brodeln. Dort hatte er echte Star-Gäste zu betreuen und
anzumoderieren. Die allerdickste „Schote“ ist ihm dabei einst mit einem
bekannten deutschen Schlagersänger passiert. Der erschien verspätet und völlig
abgehalftert und musste erst einmal bühnentauglich gezaubert werden.
Auch das „King George“ in Hemer war fast am Ende, als DJ Bobby ankam. Der
Inhaber zeigte ihm die Kontoauszüge und fragte, ob er auch ohne Gage an den
Plattenteller gehen würde. „Damit hatte er mich“, schmunzelt der Kult-DJ. „So
etwas hat mich immer gereizt.“ Am Ende wurden es 24 Jahre im „King George“, gute
Jahre mit viel Arbeit und wenig Schlaf. Allein Bobbys „Kontakt“-Abende zogen
jeden Donnerstag 500 bis 700 Leute an.
Beim Angeln sinniert er heute öfters still über die dicken Bücher, die er
schreiben könnte. Er hat so viel erlebt. Wer anknüpfen möchte an die tollen
alten Zeiten, kann DJ Bobby erreichen – und buchen – unter Tel.
02372 / 75919.