„Bosseln ist für alle da“

Daniel Piesch, Peter Sakowsky und Ekkehard Nogat bilden in der Iserlohner Bosselliga das „Team Stadtwerke“ - und entthronten jüngst den Vorjahresmeister BSG Iserlohn. (Foto: Graumann)

Iserlohn. (tg) „Es ist doch ein Sport wie jeder andere auch!“ Daniel Piesch versteht den ganzen Wirbel nicht, sieht sich keinesfalls als Exot. Dass er mit seinen gerade erst 28 Jahren allerdings mit Abstand der jüngste Aktive in der Iserlohner Bosselliga ist, lässt sich nicht von der Hand weisen. Piesch selbst hat dafür eine ebenso einfach wie einleuchtende Erklärung: „Bosseln ist eben für alle Generationen geeignet.“

Und gerade dies macht für den Stadtwerke-Angestellten den Reiz an der Sportart aus. „Warum sie als Alte-Leute-Beschäftigung gilt, kann ich absolut nicht verstehen.“ Und offensichtlich denkt nicht nur er so, denn in den Reihen der derzeit acht aktiven Teams ist eine ganze Reihe an Spielern und Spielerinnen noch deutlich unter dem „Senioren-Mindestalter 60“.

Spannend und bewegend

„Das ist doch gerade das tolle am Bosseln: Jung und alt, Frau und Mann können zusammen ihrem Hobby nachgehen“, sehen Michaela (41) und Heiko (45) Kippar in der Leichtigkeit dieser Sportart sogar einen großen Vorteil: „So bleiben wir trotzdem in Bewegung, und spannend ist es auch noch.“

Die jüngste Spielerin in der Klasse ist Ramona Jankowsky (31), die besonders in dem Umstand, sich auf Augenhöhe mit Männern messen zu dürfen, den großen Reiz beim Bosseln ausgemacht hat. „Hier kommt es nicht auf Kraft oder Schnelligkeit an, sondern auf Geschicklichkeit. Und da gibt es zwischen den Geschlechtern eben keine Unterschiede.“

Großer Spaß

Zwar haben die VfK-Damen in der abgelaufenen Saison die rote Laterne „gewonnen“, doch „es hat uns allen großen Spaß gemacht“. Zumal sie nicht nur den Vorjahresmeister BSG Iserlohn mit 4:3 bezwangen, was ein wenig über die Niederlage im Prestige-Duell mit den VfK-Herren – u.a. mit dem Duell der Eheleute Kippar – hinweg tröstete.

Immerhin haben die Damen, zu denen mit Ramona Flichinger noch ein dritter „Jungspund“ gehört, damit ihr Scherflein zur Wachablösung im Kampf um den Poco-Cup beigetragen. Denn die Altmeister der BSG Iserlohn, die mit Ronald Meier, Christa Meier und Gerd Salewski immerhin stolze 225 Jahre auf das Parkett bringen, wurden am Tag vor Nikolaus vom Team der Stadtwerke mit Daniel Piesch, Peter Sakowsky und Ekkehard Nogat entthront.

Verdienter Titel

„Die Jungs haben den Titel verdient, sie sind seit Wochen das beste Team der Liga“, gratulierte Ronald Meier dem neuen Meister, nachdem sich die BSGler am letzten Spieltag in einem echten Spieltag aber noch kämpferisch gezeigt hatten: In einem wahren Showdown gab erst der letzte Satz den Ausschlag zu Gunsten der Stadtwerker, die somit nur denkbar knapp 4:3 gewannen.

„Das beweist erst recht, dass dieser Sport bis ins hohe Alter auf hohem Niveau gespielt werden kann“, meinet „Benjamin“ Piesch nach dem Triumph – und findet es folglich „schade, dass die BSG-Routiniers in der kommenden Spielzeit nicht mehr antreten werden“. Der Titelgewinn des Stadtwerke-Teams stellt damit im doppelten Sinne eine Zäsur dar.

Vom anderen Planeten

Dabei machen die Beteiligten allerdings keinen Hehl daraus, dass sie abseits ihrer „Bosselfamilie“ oftmals angeschaut werden, als kämen sie von einem anderen Planeten. „Nicht nur, dass wir oftmals überhaupt erst einmal erklären müssen, worum es sich beim Bosseln überhaupt handelt“, berichtet exemplarisch Stefan Westhoff (38), „zumeist folgen danach nur staunende Gesichter.“

Und Erich Flichinger (39) ergänzt: „Es selbst einmal probieren zu wollen, bleibt meist nur ein guter Vorsatz: Unseren Einladungen ist bislang noch niemand gefolgt.“ Schade eigentlich, denn ein Besuch in der Sporthalle Wiesengrund, wo mittwochs (18-20 Uhr) trainiert wird, hat bislang noch keiner bereut. Ganz im Gegenteil: Alle hat der Bosselvirus so sehr gepackt, dass sie seit zwei Jahren sogar eine eigene Liga organisieren…