Brexit, Trump und gelbe Westen

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Horst-Werner Maier-Hunke erklärt die aktuelle Konjunktur­umfrage. (Foto: as)

Iserlohn. Das klare Votum des britischen Unterhauses zum Brexit am Dienstagabend beschäftigt auch Horst-Werner Maier-Hunke. „Der Brexit ist eine Katastrophe“, betonte der Vorsitzende des Märkischen Arbeitgeber-Verbands (MAV) Metall und Elektro, als er tags drauf die aktuelle Konjunkturumfrage seines Verbands vorstellte. Zwar seien der Märkische Kreis und Hagen keine auf den britischen Markt ausgelegte Exportregion, dennoch verlange die No-Deal-Entscheidung ein Vorausschauen für die heimische Wirtschaft. „Ich selbst habe zweigleisig geplant, weil die Entscheidung zu Jahresbeginn noch nicht feststand“, sagte Maier-Hunke. Er hätte bereits Waren für drei Monate im voraus auf der Insel deponiert, „um in dieser Zeit dort überleben zu können.“ Wer bisher nicht vorgesorgt habe, habe im Moment schlechte Chancen, seine Produkte vom Festland ins Königreich zu bringen, da Transporte und Lager bis Ende März ausgebucht seien.

Harter Brexit

Die Chancen auf einen harten Brexit beziffert der Unternehmer auf rund 70 Prozent, sieht in der Entscheidung vom Dienstag aber vor allem ein politisches Kalkül der britischen Politiker, die auf Nachverhandlungen und ein Einknicken der EU hoffen. Maier-Hunke glaubt, dass ein ungeordneter Brexit für das Geschäft Einbußen von 10 bis 20 Prozent mit sich bringen kann.
Doch der MAV-Vorsitzende sieht noch weitere dunkle Wolken am Himmel für die heimische Wirtschaft. Vor allem die Großmächte Russland und die USA beeinflussen auf ihre Weise das Geschäft. Russland sei auf ein wirtschaftliches Abnabeln aus. Das würde den Import deutscher Waren erschweren oder obsolet machen. Und auch die Unberechenbarkeit des US-Präsidenten Donald Trump sieht er als Gefahr für die heimische Wirtschaft. Der Mann im Weißen Haus würde einige Restriktionen wie Strafzölle anstreben, die eine Preis­erhöhung auf deutscher Seite zur Folge hätten.

Nicht ganz so weit weg sind die Staaten der EU, die Maier-Hunke mit Sorge betrachtet. Sei es zum Beispiel Italien mit seinem auf tönernen Füßen gemachten Haushalt. Oder auch Frankreich, wo die Zusagen von Präsident Emmanuel Macron an die „gelben Westen“ wohl zwölf Milliarden Euro kosten werden. Dadurch werde die „Grande Nation“ wahrscheinlich ihr Defizit auf über drei Prozent anwachsen lassen. „So kann Frankreich nicht mit Deutschland zusammen auf die Einhaltung der Richtlinien pochen“, sagt Horst-Werner Maier-Hunke. Aber auch bei den Wahlen des Europaparlaments im Mai sieht er große Probleme – vor allem wegen des zu erwartenden Rechtsrucks. „Das ist nicht das Europa, das wir brauchen.“

Qualifizierte Fachkräfte sind Mangelware

Was die Region dagegen braucht, sind qualifizierte Arbeitskräfte. So ist die Zahl der Unternehmen, die ihre Belegschaft aufgestockt haben, von vermuteten 36 Prozent (Januar 2018) auf tatsächlich 40 Prozent gewachsen. Knapp ein Viertel der Betriebe will 2019 seine Belegschaft aufstocken. Dabei wird es immer schwieriger, geeignete Fachkräfte in der Region zu finden. Die Besetzungsdauer durch die Agenturen für Arbeit in Hagen und Iserlohn betragen zur Zeit gut 100 Tage.

Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen ist nach wie vor hoch. 73 Prozent werden im Jahr 2019 ihre Ausbildungsquote beibehalten, 23 Prozent planen sogar eine Ausweitung. Der letztere Wert ist in den Konjunkturumfragen des MAV ein Rekordwert und zeugt von der Einsicht, dass sich angesichts der demographischen Entwicklung Investitionen in die eigene betriebliche Ausbildung lohnen.

Die Kehrseite der Medaille: Viele Betriebe müssen sich künftig darauf einstellen, ihre freien Ausbildungsplätze auch mit geringer qualifizierten Jugendlichen zu besetzen. Zur Unterstützung seiner Mitgliedsunternehmen hat deshalb der Märkische Arbeitgeberverband zusammen mit der Ausbildungsgesellschaft Mittel-Lenne das Modell-Projekt „Förderung der Ausbildungsfähigkeit“ entwickelt. Die Maßnahme hat das Ziel, Jugendliche ohne Lehrstelle, die zur Zeit noch ein Berufskolleg besuchen, in einer siebenmonatigen Ausbildungsvorbereitungsphase für eine reguläre Ausbildung in der Metall- und Elektro-Industrie zu qualifizieren. Außerdem setzt der Verband im laufenden Jahr die Integrationsprojekte für geflüchtete junge Menschen fort.

Kurzarbeit ein Thema

Die hohe Zahl an Auftragseingängen wird sich in 2019 nicht halten lassen. So sagen 25 Prozent der Befragten, dass im ersten Halbjahr 2019 mit einer schlechteren Auftragserwartung zu rechnen ist. 2018 waren es nur fünf Prozent gewesen. Durch die stark veränderte Auftragserwartung der Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr rechnet Maier-Hunke mit Kurzarbeit bei einigen Unternehmen: „Kurzarbeit heißt aber nicht gleich Krise“, erklärt er. Vielmehr sei die Kurzarbeit ein Instrument, mit dem die Unternehmen auf die Auftragslage reagieren können. Denn: „Die Kunden bestellen nach Bedarf, nicht nach unser Planung.“ Deshalb sei es nachvollziehbar, wenn die vollen Stundenkonten in naher Zukunft abgebaut werden und in manchen Fällen Kurzarbeit angemeldet werde.

Veränderung der Wirtschaft

Maier-Hunke blickte aber auch auf eine sich verändernde Wirtschaft voraus. Gerade in der Automobilzuliefererbranche werde sich in Zukunft so manches Berufsbild ändern. Durch die kommende Umstellung auf Elektromobilität müssen sich auch einige heimische Unternehmen verändern. Lehrberufe werden „aussterben“ und neue Berufsfelder entstehen, in die die Arbeitnehmer wechseln müssen.

Insgesamt rechnet der MAV mit einer Abkühlung der Konjunktur. Zu viele Zeichen deuten darauf hin, dass nach zehn Jahren kontinuierlichen Aufschwungs wieder eine leichte Verschlechterung zu erwarten ist.