„Brot und Rosen“

Iserlohn. (Red/clau) Vor rund einhundert Jahren leistete man sich in der Nachbarstadt Hagen nicht nur den Luxus eines „Stadtbildhauers“. Nein, mit Unterstützung des weithin in der Kunstwelt seiner Zeit richtungsweisenden Mäzens und Kunstsammlers Karl-Ernst Osthaus leistete man sich damals in der Volmestadt die Extravaganz einer „Stadtbildhauerin“. Milly Steger hieß sie.

Und sie hinterließ in der Stadt bis heute Spuren. Die einst heiß umstrittenen Figuren an der Fassade des Stadttheaters stammen von ihr. „Sie ist zwar eine Frau – aber sie kann arbeiten wie ein Mann!“, so gestand man ihr dann doch zu und lobte mit solchen Worten vielleicht weniger ihre Kunst als ihren Fleiß.

Ist es seitdem besser geworden?

Wie sieht es aus mit dem Stand und der Anerkennung der Frauen?

Folgender Spruch wird gern in Büros weitergereicht und deutet eher darauf hin, dass es am Ende noch schlimmer geworden ist: „Frau zu sein ist schwer, denn man muss denken wie ein Mann, sich geben wie eine Dame, aussehen wie ein junges Mädchen und arbeiten wie ein Pferd.“

Viel erreicht

Und doch ist in den letzten einhundert Jahren seit Milly Stegers Gastspiel in der heimischen Kunstszene viel passiert. Wir blicken heute auf über 90 Jahre Frauenwahlrecht, über 60 Jahre Gleichstellungsartikel im Grundgesetz, mehr als 50 Jahre Gleichberechtigungsgesetz.

Noch viel zu tun!

Aber immer noch bleibt viel zu tun. Immer noch verdienen auch in Deutschland Frauen bis zu 23 Prozent weniger als Männer – im gleichen Job wohlbemerkt! -, was sich am Ende in ihrer niedrigeren Rente und einem entsprechend niedrigeren Lebensstandard im Alter niederschlägt. Frauen müssen nach wie vor kämpfen, um einen angemessenen beruflichen Aufstieg zwischen ihren männlichen Kollegen und dabei oft noch den Spagat zwischen Beruf und Familie hinbiegen. In Sachen Chancengleichheit und einer wirklich gleichberechtigten Teilhabe im Beruf und auch in politischen Entscheidungsprozessen gibt es noch viele Baustellen.

Forderungen 2011

Einige der Forderungen der Frauen lauten deshalb 2011: Gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit, eigenständige Existenzsicherung für Frauen und dadurch eine sichere Rente, flexible Arbeitszeitmodelle zur besseren Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege und nicht zuletzt gleiche Karrierechancen wie bei den Männern.

Kampf der Textilarbeiterinnen

Am Dienstag, 8. März, ist wieder Internationaler Frauentag. Dieser Tag hat eine lange Tradition. Er geht zurück auf die Arbeiterinnenbewegung seit Mitte des 19. Jahrhunderts, die mit Demonstrationen und Streiks von Textilarbeiterinnen 1858 in den USA ihren ersten Höhepunkt erreichte. Besonders in der Textilproduktion nahm die Industrialisierung der Gesellschaft ihren Anfang: Immer mehr Frauen standen an den Fließbändern und verdienten dort nur einen Bruchteil dessen, was ihren männlichen Kollegen zugestanden wurde.

„Brot und Rosen“

Das Lied, das 1912 während eines Streiks von 14.000 Textilarbeiterinnen in Lawrence (USA) gegen Hungerlöhne und Kinderarbeit entstand, wurde zum Motto der amerikanischen Frauenbewegung: „Wenn wir zusammen gehen, geht mit uns ein schöner Tag, durch all die dunklen Küchen, und wo grau ein Werkshof lag, beginnt plötzlich die Sonne uns‘re arme Welt zu kosen und jeder hört uns singen: ,Brot und Rosen‘!“

Eine gute Gelegenheit

Am kommenden Dienstag also ist wieder einmal Gelegenheit, sich ein paar grundsätzliche Gedanken über das Frau-Sein zu machen, sich zusammenzuschließen, sich Gehör zu verschaffen und auch um einfach mal unter sich vielleicht sogar recht heitere Stunden in ernster Angelegenheit zu bringen. Die offiziellen Veranstaltungen in Iserlohn und Hemer sind schon längst ausverkauft. Aber „frau“ kann sich ja durchaus auch privat zusammentun, sich lecker bekochen und dabei ein offenes Wort reden, oder?